Dienstag, 16. Juli 2019

Anleihe platziert Griechenland schöpft neue Hoffnung

Das Hilfspaket zeigt Wirkung. Griechenland hat heute erfolgreich zwei kurzfristige Anleihen platziert und sich damit 1,5 Milliarden Euro am Markt besorgt. Doch der Härtetest steht noch aus: Bis Ende Mai wird sich zeigen, ob Hellas weiterhin ohne EU-Notkredite auskommt.

Frankfurt am Main - Die Euro-Länder haben ihren Rettungsschirm gespannt, und Griechenland hat die Gunst der Stunde genutzt: Erstmals seit Bekanntgabe des Hilfspakets hat der hoch verschuldete Mittelmeerstaat am Dienstag zwei neue kurzfristige Anleihen platziert - und ist auf rege Nachfrage der Investoren gestoßen.

Griechische Euro-Münze: Das Land hat sich mit kurzfristigen Schatzanweisungen etwas Luft verschafft. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob Hellas noch Geldgeber zu aktzeptablen Zinssätzen am Markt findet.
Statt des geplanten Volumens von 1,2 Milliarden Euro für die Titel mit Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten, sogenannte T-Bills, sammelte das Land 1,56 Milliarden Euro ein. Die Emission war siebenfach überzeichnet.

Wie die staatliche Schuldenagentur PDMA am Dienstag mitteilte, lag die Durchschnittsrendite bei den Sechs-Monats-Titeln bei einem Volumen von 780 Millionen Euro bei 4,5 Prozent. Die Zwölf-Monats-Papiere mit einem Volumen von 780 Millionen Euro wurden zu einer Rendite von 4,85 Prozent zugeteilt.

Damit liegt die Rendite unter dem von den Euro-Ländern als Orientierungsmarke ausgegebenen Niveau von rund 5 Prozent - was dieser Erfolg wert ist, wird sich allerdings erst zeigen, wenn Griechenland in Kürze längerfristige Staatsanleihen anbietet.

Die Platzierungen waren von Analysten als ein Test für den Marktzugang des Landes gesehen worden. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen gingen nach der Auktion etwas zurück. Am Mittag lag die Rendite von zehnjährigen griechischen Staatsanleihen jedoch mit 6,6 Prozent weiterhin etwa auf dem Niveau des Vortags.

"Ausfallrisiko bei diesen Laufzeiten extrem gering"

Der Erfolg der beiden griechischen Schatzanweisungen liegt laut Peter Schaffrik, Analyst bei der Commerzbank, auch in ihrer kurzen Laufzeit begründet: Aufgrund der EU-Hilfszusagen sei ein Ausfall der Papiere über sechs und zwölf Monate Laufzeit nahezu ausgeschlossen. Griechenland hat in diesem Jahr noch einen Finanzbedarf von rund 32 Milliarden Euro. Die EU-Länder hatten Griechenland für den Notfall Darlehen von bis zu 30 Milliarden Euro zu einem Zins von rund 5 Prozent zugesagt.

Bei dem extrem geringen Ausfallrisiko seien Renditen von 4,5 Prozent und 4,8 Prozent attraktive Konditionen für Investoren, betonte Schaffrik. Die Schatzanweisungen mit kurzer Laufzeit seien eines der Vehikel für das hoch verschuldete Land, sich zunächst weiter allein durchzuschlagen und zu versuchen, die zugesagten Kredithilfen der EU nicht in Anspruch zu nehmen.

Vor dem Härtetest - langfristige Staatsanleihen stehen noch aus

Bis Ende Mai muss Athen jedoch weitere knapp 20 Milliarden Euro refinanzieren - und kann sich dabei nicht nur auf kurzfristige Anleihen stützen.

Börse in Athen: Spekulationen gegen den Euro in der vergangenen Woche auf Rekordhoch
Bis Ende April will Athen in den USA eine langfristige Dollar-Anleihe in voraussichtlich zweistelliger Milliardenhöhe platzieren: Nur wenn Hellas auch für längerfristige Anleihen in diesem Volumen ausreichend Investoren zu akzeptablen Zinssätzen findet, kann das Land auf die EU-Hilfen zunächst verzichten.

"Die kommenden sechs Wochen sind die entscheidende Phase, in der sich zeigen wird, ob Griechenland bereits in diesem Jahr die EU-Hilfen in Anspruch nehmen muss", meint Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus. Griechenland müsse bis Ende Mai hohe Beträge refinanzieren - zu Zinsen von mehr als 7 Prozent, wie sie in der vergangenen Woche von Investoren gefordert wurden, sei dieser Refinanzierungsprozess nicht durchführbar.

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