Anleihe platziert Griechenland schöpft neue Hoffnung

Das Hilfspaket zeigt Wirkung. Griechenland hat heute erfolgreich zwei kurzfristige Anleihen platziert und sich damit 1,5 Milliarden Euro am Markt besorgt. Doch der Härtetest steht noch aus: Bis Ende Mai wird sich zeigen, ob Hellas weiterhin ohne EU-Notkredite auskommt.

Frankfurt am Main - Die Euro-Länder haben ihren Rettungsschirm gespannt, und Griechenland hat die Gunst der Stunde genutzt: Erstmals seit Bekanntgabe des Hilfspakets hat der hoch verschuldete Mittelmeerstaat am Dienstag zwei neue kurzfristige Anleihen platziert - und ist auf rege Nachfrage der Investoren gestoßen.

Statt des geplanten Volumens von 1,2 Milliarden Euro für die Titel mit Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten, sogenannte T-Bills, sammelte das Land 1,56 Milliarden Euro ein. Die Emission war siebenfach überzeichnet.

Wie die staatliche Schuldenagentur PDMA am Dienstag mitteilte, lag die Durchschnittsrendite bei den Sechs-Monats-Titeln bei einem Volumen von 780 Millionen Euro bei 4,5 Prozent. Die Zwölf-Monats-Papiere mit einem Volumen von 780 Millionen Euro wurden zu einer Rendite von 4,85 Prozent zugeteilt.

Damit liegt die Rendite unter dem von den Euro-Ländern als Orientierungsmarke ausgegebenen Niveau von rund 5 Prozent - was dieser Erfolg wert ist, wird sich allerdings erst zeigen, wenn Griechenland in Kürze längerfristige Staatsanleihen anbietet.

Die Platzierungen waren von Analysten als ein Test für den Marktzugang des Landes gesehen worden. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen gingen nach der Auktion etwas zurück. Am Mittag lag die Rendite von zehnjährigen griechischen Staatsanleihen jedoch mit 6,6 Prozent weiterhin etwa auf dem Niveau des Vortags.

"Ausfallrisiko bei diesen Laufzeiten extrem gering"

Der Erfolg der beiden griechischen Schatzanweisungen liegt laut Peter Schaffrik, Analyst bei der Commerzbank, auch in ihrer kurzen Laufzeit begründet: Aufgrund der EU-Hilfszusagen sei ein Ausfall der Papiere über sechs und zwölf Monate Laufzeit nahezu ausgeschlossen. Griechenland hat in diesem Jahr noch einen Finanzbedarf von rund 32 Milliarden Euro. Die EU-Länder hatten Griechenland für den Notfall Darlehen von bis zu 30 Milliarden Euro zu einem Zins von rund 5 Prozent zugesagt.

Bei dem extrem geringen Ausfallrisiko seien Renditen von 4,5 Prozent und 4,8 Prozent attraktive Konditionen für Investoren, betonte Schaffrik. Die Schatzanweisungen mit kurzer Laufzeit seien eines der Vehikel für das hoch verschuldete Land, sich zunächst weiter allein durchzuschlagen und zu versuchen, die zugesagten Kredithilfen der EU nicht in Anspruch zu nehmen.

Vor dem Härtetest - langfristige Staatsanleihen stehen noch aus

Bis Ende Mai muss Athen jedoch weitere knapp 20 Milliarden Euro refinanzieren - und kann sich dabei nicht nur auf kurzfristige Anleihen stützen.

Bis Ende April will Athen in den USA eine langfristige Dollar-Anleihe in voraussichtlich zweistelliger Milliardenhöhe platzieren: Nur wenn Hellas auch für längerfristige Anleihen in diesem Volumen ausreichend Investoren zu akzeptablen Zinssätzen findet, kann das Land auf die EU-Hilfen zunächst verzichten.

"Die kommenden sechs Wochen sind die entscheidende Phase, in der sich zeigen wird, ob Griechenland bereits in diesem Jahr die EU-Hilfen in Anspruch nehmen muss", meint Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus. Griechenland müsse bis Ende Mai hohe Beträge refinanzieren - zu Zinsen von mehr als 7 Prozent, wie sie in der vergangenen Woche von Investoren gefordert wurden, sei dieser Refinanzierungsprozess nicht durchführbar.

"Die EU musste einen Schlussstrich ziehen"

"Die EU musste einen Schlussstrich ziehen"

"Die EU musste einen Schlussstrich ziehen und der Spekulation auf noch höhere Risikoaufschläge ein Ende bereiten", sagt Schilbe. Nur dann sei es für Griechenland noch sinnvoll, weiterhin am Markt Geldgeber zu suchen. Zudem hätten die Spekulationswellen gegen den Euro  am Devisenmarkt ein Ausmaß angenommen, wie man es seit Einführung der Gemeinschaftswährung noch nicht gekannt habe.

Die Refinanzierung Griechenlands am Markt hat jedoch nur dann eine Chance, wenn die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen dauerhaft sinken - und zwar unter das Niveau von aktuell 6,6 Prozent für zehnjährige Anleihen. Die EU-Länder verlangen zum Beispiel für einen Dreijahreskredit inklusive Bearbeitungsgebühr Zinsen von rund 5,3 Prozent: Auf etwa dieses Niveau müssten die Zinsen am Anleihemarkt fallen, damit Griechenland die Reißleine des EU-Rettungsschirms nicht ziehen muss.

Zinsen beim IWF deutlich günstiger

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Griechenland zu günstigeren Konditionen am Markt finanzieren kann - wenn das Sparprogramm der griechischen Regierung Erfolge zeigt", meint Kornelius Purps, Kreditstratege der Unicredit. Der von den Euro-Ländern geforderte Risikoaufschlag von 300 Basispunkten entspricht nach Auskunft des Bundesfinanzministeriums in etwa dem, was Griechenland seit Oktober für dreijährige Anleihen im Durchschnitt habe zahlen müssen. Kein anderes Euro-Land habe derzeit höhere Finanzierungskosten.

Zum Vergleich: Der IWF würde für einen dreijährigen Kredit an Griechenland in Höhe von zehn Milliarden Euro nur etwa 3,3 Prozent Zins verlangen. Der Kredit wäre jedoch an strenge Auflagen gebunden. Auf Drängen von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind Kredithilfen der Euro-Länder für Griechenland daran gebunden, dass der IWF beteiligt wird.

"Kredite der Euro-Partner dürfen nicht zu günstigen Konditionen zu haben sein. Das wäre ein fatales Signal", sagt Schilbe. Andere verschuldete EU-Länder hätten keinen Anreiz, ihre Haushalte durch einen schmerzhaften Sparkurs in Ordnung zu bringen, wenn sie sich am Ende darauf verlassen könnten, dass andere für ihre Schulden aufkommen. Die Hilfe müsse teuer und an rigide Sparvorgaben geknüpft sein, sagt der Experte von HSBC.

Die Hoffnung, doch noch ohne die Hilfe der Euro-Staaten auszukommen, hat man nach dem heutigen Tag zumindest in Athen noch nicht aufgegeben.

"Wir halten an unserem Ziel fest, und ich glaube, dass wir uns weiterhin problemlos Geld an den Märkten leihen werden, so wie wir es heute mit den Geldmarktanleihen getan haben", sagte der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am Dienstag im griechischen Parlament.

mit Material von reuters

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