Hilfe für Griechenland "Teuer genug, um erfolgreich zu sein"

Griechenland muss keine Staatspleite mehr fürchten, zumindest für ein Jahr. Die EU-Länder lassen sich Notkredite aber teuer bezahlen. Dies könnte nach Ansicht von Analysten der Schlüssel zum Erfolg sein - für Griechenland, für mögliche Gläubiger wie Deutschland, aber auch für die Finanzmärkte. Zu einem ersten Härtetest kommt es bereits morgen.

Hamburg - Ist das Griechenland-Gespenst nun von den Märkten vertrieben? Die Angst vor einer Staatspleite hatte in der vergangenen Woche die Risikoprämien für griechische Staatsanleihen auf Rekordhöhe getrieben und europäische Bankentitel unter Druck gesetzt: Nun, nachdem die EU-Finanzminister ihr Hilfsprogramm für Hellas konkretisiert haben, atmen Investoren am Anleihen- und Aktienmarkt erst einmal durch.

Der Risikoaufschlag für zehnjährige griechische Staatsanleihen ist am Montag auf rund 350 Basispunkte gefallen - am Donnerstag waren es noch 450 Punkte. Das bedeutet, dass die Rendite einer zehnjährigen Anleihe von 7,4 auf 6,6 Prozent gesunken ist.

"Das ist ein Zeichen der Beruhigung, aber noch keine Entwarnung", sagt Kornelius Purps, Anleihestratege bei der Unicredit. Entscheidend sei, dass die Risikoprämien für Griechenland nachhaltig sinken - und ob das Land künftig für frisches Geld weniger Zinsen zahlen muss, hänge vor allem von Griechenland selbst ab.

Der hoch verschuldete EU-Staat muss in diesem Jahr noch 32 Milliarden Euro refinanzieren. Die möglichen Kredite aus dem auf drei Jahre angelegten Hilfsprogramm sind deutlich höher: Die EU-Staaten stellen bis zu 30 Milliarden Euro, der IWF voraussichtlich bis zu 15 Milliarden Euro an Krediten zur Verfügung. Allein der Anteil der Bundesrepublik beträgt bis zu 8,4 Milliarden Euro.

"Das Risiko einer kurzfristigen Zahlungsunfähigkeit sinkt damit nahe null", sagt Purps. "Ob die EU-Hilfe zum Erfolg wird, darüber entscheiden der Markt und der Sparwille der Regierung in Athen."

Auch die EU-Länder verlangen stattliche Risikoprämie

Der Kreditstratege unterscheidet ein Best-Case- und ein Worst-Case-Szenario. Im besten Fall wird das Hilfsprogramm der EU-Staaten ein durchschlagender Erfolg - nämlich dann, wenn es gar nicht gebraucht wird, und Athen keine Hilfen beantragt. Das ist dann der Fall, wenn Griechenland für neue Kredite am Kapitalmarkt weniger Zinsen zahlen muss als an die EU-Mitgliedstaaten, die laut Kommuniqué der Euro-Gruppe rund 5 Prozent Zins für einen dreijährigen Kredit fordern. Das sind rund 300 Punkte Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen.

"Im günstigen Fall pendeln sich die Risikoaufschläge am Markt demnächst wieder bei rund 300 Basispunkten ein. Zu diesem Niveau hat sich Griechenland schon dreimal am Kapitalmarkt bedient", sagt Purps. Gelänge es Athen, in den kommenden Wochen Erfolge seines Sparkurses vorzuweisen, könnte die Prämie weiter fallen. "Mit einem Risikoaufschlag von nur noch rund 200 Punkten gegenüber deutschen Bundesanleihen könnte Griechenland voraussichtlich gut leben - das Land wäre nicht mehr auf EU-Hilfen angewiesen", sagt Purps.

Griechenland begibt zwei neue Anleihen am Dienstag

Der EU-Rettungsschirm wird dann ein durchschlagender Erfolg, wenn er gar nicht erst aufgespannt werden muss. Aus diesem Grund ist das Hilfsprogramm für Hellas auch nicht billig: Die Euro-Länder verlangen im Notfall von Athen 300 Basispunkte Risikoaufschlag sowie eine Bearbeitungsgebühr.

"Es ist weiterhin möglich, dass sich Griechenland künftig Geld zu günstigeren Konditionen am Kapitalmarkt holen kann", sagt der Experte der Unicredit.

Die griechische Regierung will bereits am Dienstag zwei neue Anleihen auflegen und betonte noch einmal: "Wir wollen es allein schaffen". Sollten die kurzfristigen Anleihen des Landes erfolgreich platziert werden, habe Hellas Chancen, sich weiterhin am Kapitalmarkt zu finanzieren.

Im schlimmsten Fall muss die EU schon bald Geld nachschießen

Muss die EU schon in einem Jahr Geld nachschießen?

Sollte Griechenland genug Investoren für seine kurzfristigen Verbindlichkeiten finden und zeigen, dass es sparen und sich selbst helfen kann, könne "ein positiver Kreislauf in Gang kommen", meint Purps. Voraussetzung sei jedoch, dass die Wirtschaftsaktivität des Landes aufgrund des Sparkurses nicht zusammenbricht.

Im schlechtesten Fall dagegen bleiben die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen auch weiterhin extrem hoch. Das Land dürfte dann die Nothilfe in Anspruch nehmen und die Kredite der EU-Länder abrufen. Dann müssten die EU-Länder möglicherweise bereits nach einem Jahr Geld nachschießen - es wäre ein weiterer Schritt der Europäischen Union in Richtung "Transferunion" oder "Schuldenunion".

Griechenland ist mit insgesamt rund 300 Milliarden Euro verschuldet - ein Hilfsprogramm im Wert von 45 Milliarden Euro kann vor diesem Hintergrund das Land nicht retten, sondern nur Zeit kaufen, bis Athen sich wieder Vertrauen und akzeptable Finanzierungsmöglichkeiten erarbeitet hat. "Die Regierung in Athen sollte die Zeit nutzen, die ihr die EU-Staaten verschaffen", sagt Purps.

"Das Hilfsprogramm spricht dagegen, dass Griechenland in den kommenden drei Jahren seine Anleihen nicht bedient. Davon sollten griechische Staatsanleihen mit bis zu drei Jahren Laufzeit und kurzfristig auch der Euro profitieren", ergänzt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Auf lange Sicht sei das Risiko eines Zahlungsausfalls jedoch nicht gebannt, solange das Land seine tiefgreifenden Probleme nicht in den Griff bekommt.

Im Jahr 2013 zum Beispiel muss Athen bereits 23 Milliarden Euro refinanzieren - wenn zu diesem Zeitpunkt sämtliche Kredithilfen der EU in Anspruch genommen sind und zusätzlich refinanziert werden müssen, dürfte es erneut eng für Griechenland werden.

Zu einem Test, ob Griechenland mittelfristig ohne das EU-Hilfsprogramm auskommen kann, dürfte es bereits am morgigen Dienstag kommen, wenn das Land weitere Anleihen begibt. Sollten die von den Investoren geforderten Zinsen deutlich die 5 Prozent übertreffen, dann könnte Athen schon Ende der Woche die Aktivierung des Notfallplans bei der EU beantragen.

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