Börsenwoche Neuemissionen und Hexensabbat

Die Kursentwicklung bei Infineon dürfte im Laufe der Woche bei Anlegern im Mittelpunkt stehen. Am Freitag drohen mit dem "dreifachen Hexen-Sabbat" und der Veränderung im Dax starke Kursschwankungen.

Frankfurt - Auf eine spannende Woche stellen sich Frankfurter Börsianer ein, denn am Freitag steht der große Verfallstermin an der Eurex auf dem Terminplan, bei dem der März-Kontrakt des DAX-Futures, die Optionen auf diesen Future sowie Optionen auf die Aktien auslaufen. Bekanntlich kann der sogenannte dreifache Hexensabatt die Aktienkurse so richtig durcheinander wirbeln. Und Anleger versuchen im Vorfeld mittels Open-Interest-Analysen oder Vergangenheitsvergleichen abzuleiten, in welche Richtung die Kurse zum Verfall laufen.

Gleichzeitig fließt nach dem Schlusskurs von Freitag die Deutsche Telekom nur noch mit 15 Prozent in die Berechnung des DAX ein, nachdem sie derzeit fast 23 Prozent der Indexbewegung ausmacht. Das könnte Fondsmanager, die ihre Portfolios entsprechend den Gewichten im Dax bauen, dazu bewegen, grössere Mengen Telekom auf den Markt zu werfen.

Telekom im Dax reduziert

Anleger dürften jedoch eher zurückhaltend in ihren Spekulationen um sinkende Kurse bei der T-Aktie sein. Bei der letzten Kappung zum Verfallstermin im Dezember haben sich einige Investoren die Finger verbrannt: Der Kurs hatte nicht wie erhofft nachgegeben, sondern vielmehr waren die Aktien trotz geringerer Indexgewichtung noch gesucht. Denn die meisten Institutionellen waren noch unterinvestiert in der T-Aktie und ohne diesen Titel kann kaum ein Fondsmanager den DAX als Benchmarke schlagen.

Auch wenn viele Börsianer der Aktie überdrüssig sind, denn zu lange warten sie nun schon auf den großen Coup von Ron Sommer, der endlich einen großen internationalen Partner präsentieren soll.

T-Online als zweite Chance

Demgegenüber steht der im April anstehende Börsengang von T-Online, der von der ungebrochenen Internet-Hausse profitiert. Und wie groß die Euphorie für Emissionen aus dem Technologiesektor ist, beweist in diesen Tagen Infineon. Konsortialführer Goldman Sachs meldete, dass die Aktien der Siemens-Tochter bereits 30-fach überzeichnet sind. Zugeteilt wird am Sonntag, am Montagmorgen wissen dann die Anleger, die wie Lemminge in der Hoffnung auf große Gewinne die Online-Broker und Wertpapierberater mit ihren Kaufaufträgen überforderten, ob sie zum Zuge gekommen sind.

Immerhin werden Infineon im Telefonhandel zwischen 90 und 95 Euro gehandelt. Spannend dürfte dabei sein, wie sich der Aktienkurs in der ersten Woche entwickelt, und ob nicht die Euphorie in Enttäuschung umschlägt. Nach Graumarktkursen von bis zu 110 Euro dürfte eine Notiz bei 70 Euro, was immer noch eine Verdoppelung des eingesetzten Kapitals bedeutet, als Rückschlag gewertet werden.

Rückendeckung erhält Infineon sicherlich von der Fantasie, dass die Aktie den nächsten freien Platz im DAX einnehmen dürfte. Wird Infineon ein Erfolg, worauf derzeit einiges hindeutet, dürften für das Going Public von T-Online einige Sparguthaben aufgelöst und in Aktien umgeschichtet werden.

Bankentitel - weiter runter?

Vielleicht ist es auch ein kluger Schachzug von Ron Sommer, dass er die Börse mit dem erwarteten großen Partner noch ein wenig hinhält. Denn nicht alle Geister, die die Börsianer rufen, münden in Kurssteigerungen.

Ein gutes Beispiel lieferte die Fusion zwischen der Deutschen und Dresdner Bank. Lange forderten Investoren eine Konsolidierung in der Bankenlandschaft, damit die deutschen Institute dem internationalen Wettkampf standhalten können. Dann schließen sich die Erzrivalen zur weltgrößten Bank zusammen, die Kurse schießen für einen Tag in den Himmel, um dann einen herben Einbruch zu verzeichnen.