Rekordaufschläge Für Griechenland wird es eng

Bis Ende April muss Griechenland Anleihen über 8 Milliarden Euro refinanzieren. Investoren verlangen Rekordaufschläge. Laut einer Studie könnte der Notfallplan für Hellas schon bald eintreten: An den Börsen steigt die Nervosität. EZB und EU-Kommission versuchen, die Gemüter zu beruhigen.

Frankfurt am Main - Der Kapitalmarkt wendet sich zusehends von Griechenland ab. Der Risikoaufschlag für zehnjährige griechische Staatsanleihen kletterte am Donnerstag auf einen neuen Rekordstand. Mit 4,11 Prozentpunkten war der Aufschlag so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro. Zehnjährige Papiere rentierten zuletzt mit 7,25 Prozent.

Zudem gerieten griechische Bankenwerte am Donnerstag deutlich unter Druck. Hintergrund sind laut Marktteilnehmern Spekulationen, dass internationale Geldhäuser Mittel aus den Finanzinstituten des krisengeschüttelten Landes abziehen. Engagiert seien neben der Commerzbank  vor allem die britischen Banken Barclays  , HSBC Holdings  und Royal Bank of Scotland .

Ein Sprecher der Commerzbank wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern. Am Athener Börsenplatz rutschte der Sektorindex Banken bis zum Mittag um fast 6 Prozent ab.

Anleihen über 8,2 Milliarden Euro stehen bis 20. April aus

Gerüchte, dass die griechische Regierung über eine Veränderung des Hilfspakets der Europäischen Union verhandeln wolle, hatten die Rendite am Dienstag bereits deutlich steigen lassen. Nach den Spekulationen wollen die Griechen die strengen Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) umgehen. Der griechische Finanzminister hatte die Gerüchte allerdings dementiert. Zudem habe man sich auch nicht bemüht, den Hilfsmechanismus von Europäischer Union und IWF in Anspruch zu nehmen.

Angesichts der dramatischen Lage rückt nach Einschätzung der Commerzbank für Griechenland der Fall der Fälle näher. Mit steigender Risikoprämie nehme die Wahrscheinlichkeit zu, dass die anderen Euro-Länder Griechenland zur Seite springen müssen, schreibt Commerzbank-Experte Christoph Weil in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie.

Das neue Misstrauen des Marktes sei der Tatsache geschuldet, dass am 20. April Staatsanleihen im Wert von 8,2 Milliarden Euro getilgt werden müssten und derzeit unklar sei, woher das Geld kommen werde, schreibt Weil.

Eine Finanzierung über den Kapitalmarkt werde immer teurer und es sei zweifelhaft, ob der griechische Finanzminister bereit sei, Zinsen von deutlich mehr als 7 Prozent zu bezahlen.

EU-Kommission: "Kein Anlass, Notfallplan in Gang zu setzen"

Die EU-Kommission sieht unterdessen keinen Anlass, den Notfallplan für das hoch verschuldete Griechenland in Gang zu setzen. "Für uns gibt es in dieser Frage keine Entwicklung", sagte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag Nachmittag in Brüssel.

Bisher fehlten eine Reihe von Voraussetzungen für Hilfen der EU und des IWF. So gebe es zum Beispiel keine Anfrage aus Athen für Hilfen.

Brüssel beobachte aufmerksam die Finanzmärkte. Griechenland hatte nicht mehr kategorisch ausgeschlossen, Geld aus dem EU-Notfallplan zu nehmen. "Für den Moment schließen wir es aus", sagte der griechische Regierungssprecher Giorgos Petalotis am Donnerstag in Athen. Griechische Beobachter werten dies als ersten Schritt hin zu einer Inanspruchnahme.

Einschläge kommen näher

IWF-Hilfen und wohl auch bilaterale Kredite andere Euro-Länder dürften zu günstigeren Konditionen zu haben sein. Dieser Weg habe jedoch den Nachteil, dass Griechenland diese Gelder nur gegen harte Auflagen bekommen würde.

Wann der Notfall eintrete, liege letztlich in griechischer Hand. Ob sich ausreichend Käufer für griechische Staatsanleihen am Markt fänden, hänge vom Zinssatz ab, den der griechische Finanzminister biete. Der Test für die Hilfsbereitschaft der Euro-Länder könnte aus Sicht der Commerzbank bald kommen, denn der Markt werde angesichts der erheblichen Unsicherheit auf einer hohen Risikoprämie bestehen.

Auch wenn es Griechenland gelinge, bis zum 20. April die notwendigen Gelder am Kapitalmarkt aufzunehmen, werde der nächste Test nicht lange auf sich warten lassen. Bereits im Mai werden laut Commerzbank weitere Anleihen fällig.

Die Bundesregierung sieht allerdings auch angesichts des neuen Rekordhochs beim Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen keinen Handlungsbedarf. "Die Position der Bundesregierung ist unverändert", sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag. "Es bleibt bei den Verabredungen des letzten Europäischen Rates", betonte er. Die Bundesregierung hatte zuletzt am Mittwoch bekräftigt, dass sie Vertrauen in die Zusage Griechenlands habe, die zugesagten Maßnahmen zur Bewältigung der Krise voll umzusetzen.

Auch aus Sicht der HSH Nordbank dreht sich an den Rentenmärkten wieder alles um Griechenland. So werden griechische Banken wohl zusätzliche Stützungsmaßnahmen der Regierung in Anspruch nehmen müssen, weil sich ihre finanzielle Situation durch die Probleme des Staates alles andere als verbessert hätten. Zugleich werde die Qualität und Ernsthaftigkeit des Stützungspakets der Euro-Länder wieder in Zweifel gezogen.

"Griechenland soll freiwillig aus der Euro-Zone ausscheiden"

Aus Sicht der HSH Nordbank könnte man nun zwar die konkreten Bedingungen für eine Stützung Griechenlands veröffentlichen, sofern diese überhaupt hinreichend konkret ausverhandelt seien. Ob das jedoch helfe, die Ausweitung der Risikoaufschläge einzudämmen, sei nicht sicher. "Möglicherweise kann das sogar als Einladung verstanden werden, den 'Rettungswillen' zu testen", mahnt das Bankhaus.

Die griechische Schuldenkrise samt ihren bedrohlichen Auswirkungen für die gesamte Euro-Zone ist nach Ansicht des belgischen Liberalen und Ex-Premierministers Guy Verhofstadt noch lange nicht vorbei. Verhofstadt hatte bereits am Mittwoch im EU-Parlament den Kompromiss der EU-Staats- und Regierungschefs von Ende März zu einem Notfallplan für den Schuldensünder Griechenland kritisiert.

"Ich denke nicht, dass das funktioniert", schrieb der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Europaparlament nun in einem Gastbeitrag für die Brüsseler Tageszeitung "Le Soir". Die Finanzmärkte nähmen den Plan nicht an. Die EU hatte vereinbart, dass Athen im Ernstfall Finanzspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten erhalten soll.

In Deutschland werden inzwischen Stimmen lauter, Griechenland solle aus der Euro-Zone ausscheiden. Diese Forderung äußerte der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler. Die beste Lösung für die Probleme Griechenlands wäre "ein freiwilliger Austritt Griechenlands aus dem Euro", hieß es in einem Beitrag Schäfflers für das Internetportal steuer-wahnsinn.de. Griechenland könne dann durch eine Abwertung der eigenen Währung die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft wiederherstellen und mit seinen Gläubigern ein Moratorium seiner Euro-Schulden erwirken.

Die Pläne für einen Europäischen Währungsfonds lehnte Schäffler erneut ab. Der FDP-Politiker hatte bereits vor einigen Wochen mit dem Vorschlag, Griechenland solle zur Schuldentilgung auch einige seiner Inseln verkaufen, für Aufregung gesorgt.

manager magazin mit Material von dpa-afx, reuters und afp