Mittwoch, 11. Dezember 2019

Gold "Weitere Kaufkurse"

Was haben Großinvestor George Soros und Briten-Premier Gordon Brown gemeinsam? Beide haben ihren Stempel auf dem Goldmarkt hinterlassen. Wie das geschah und ob das Edelmetall noch immer eine glänzende Anlage ist, erklärt der Goldexperte Martin Siegel im Gespräch mit manager magazin.

mm: Herr Siegel, bei einem Goldpreis um die 1100 Dollar je Feinunze, wer hat denn nun Recht - die Chinesen, die Gold kaufen und offenbar weiter steigende Preise erwarten oder der IWF, der es verkaufen will?

Siegel: Sagen wir einmal so, die Geschichte hat gezeigt, dass der IWF sein Gold immer zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft hat. Die Bank of England hat es geschafft, bei einem Preis zwischen 250 und 290 Dollar je Feinunze zu verkaufen und damit den Begriff des Brown-Tiefs geprägt.

mm: Nach dem Premierminister?

Siegel: Genau nach dem.

mm: Sie sehen also weiterhin Kaufkurse?

Siegel: Auf jeden Fall. Ich rechne mit einem Preis von um die 1600 Dollar.

mm: Warum das?

Siegel: Die Nettoproduktionskosten von Gold liegen zwischen 450 und 700 Dollar je Feinunze. Dazu müssen jedoch noch erhebliche Aufwendungen berücksichtigen, die von der Exploration bis zur betriebsbereiten Mine oft mehrere 100 Millionen Dollar verschlingen und über das Minenleben abgeschrieben werden müssen. Und dann muss man noch die Risiken einkalkulieren, dass so eine Exploration auch mal ins Leere geht. In der Summe landet man auf dem fairen Preis von 1600 Dollar, den die Produzenten brauchen.

mm: Wenn die Spekulanten mitmachen.

Siegel: Das ist richtig. Anfang des Jahrtausends war es einfacher, in Gold zu investieren. Da war Gold billig und musste einfach teurer werden, einfach aufgrund der Angebots-Nachfrage-Situation. Heute sind etliche Investoren unterwegs, die sehr kurzfristig agieren und mit ihrem Papiergold manchmal schon den Preis bewegen. Inzwischen sind 30 Prozent des Marktes in den Händen der Investoren.

mm: Sie sind selbst Berater eines Investmentfonds. Wie geht man mit diesen neuen Spielern um?

Siegel: Das lässt sich nur durch langfristige Investitionen aussitzen. Das Minengeschäft ist glücklicherweise sehr langfristig geprägt. Und da ich das Geld meiner Kunden in Aktien investiere, kann ich das Risiko über die verschiedenen Goldunternehmen verteilen. So wie auch George Soros übrigens und Henry Paulsson, die Anfang März in NovaGold eingestiegen sind, ein recht teures Unternehmen, aber mit erheblichen Goldreserven. Der Buchgewinn der beiden Spekulaten beträgt seit ihrem Einstieg in wenigen Tagen etwa 40 Prozent.

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