Donnerstag, 27. Februar 2020

Gold "Weitere Kaufkurse"

2. Teil: Goldende Zukunft?

mm: Was wird auf dem Goldmarkt in fünf Jahren anders sein?

Gold-Mann: Siegel verwaltet unter anderem den Stabilitas Pacific Gold + Metals Fonds
Siegel: Die Chinesen werden wichtiger. Noch haben sie, statistisch gesehen, eine weit unterdurchschnittliche Menge Gold. Mit steigernder Kaufkraft wird sich das ändern. Wenn die Schmucknachfrage zum Bespiel auf europäisches Niveau steigt, werden 200 bis 300 Tonnen Gold zusätzlich nachgefragt werden. Das sind 10 bis 15 Prozent der Weltproduktion eines Jahres.

Und dort, in Asien, verschwimmen auch die Grenzen zwischen den Nutzungsarten von Gold, der Schmuck- und der Anlageseite. Denn dort wird das Metall traditionell auch als Anlage betrachtet. In Thailand sollen Menschen ihren Lohn teilweise sogar in Gold umtauschen und bei Bedarf wieder zurück. Oder sie kaufen ein Schmuckstück, das ist der Materialwert plus Design, was einen Aufschlag von rund 10 Prozent ausmacht. In Deutschland sind das übrigens zwischen 300 bis 400 Prozent. In Asien wird der Ring dann auch wieder eingeschmolzen und mit einem aktuellen Design und einem Aufschlag von etwa 10 bis 15 Prozent wieder zurückgekauft.

mm: Wie werten Sie eigentlich das große Interesse an Gold - Signale einer Blase?

Siegel: Welches Interesse? Nach meinen Augen gibt es nur einen kleinen Teil der Bevölkerung, der sich für Gold interessiert.

mm: Warum?

Siegel: Weil die Banken am Verkauf von physischem Gold nichts verdienen. Vor zehn Jahren sah man in den Räumen der Banken noch viele Vitrinen mit Münzen, den Krügerrands und so weiter. Heute sind sie weg. Kein Wunder, die Banken verdienen einmal am Verkauf netto so um die 2 Prozent des Wertes und dann nichts mehr. Bei Fonds oder Zertifikaten ist das anders.

mm: Noch einmal zurück zur Stimmung - inzwischen gibt es sogar Werbung, die dazu auffordert, Zahngold einzusenden. Ist das nicht ein Zeichen der Überhitzung?

Siegel: Nein, es ist nur eine gute Geschäftsidee, da die Verkäufer den wahren Wert des Goldes nicht kennen und ihr Gold viel zu billig abgeben. Erst wenn der Goldpreis über die Marke von 1600 Dollar steigt, würde ich eine Blase erkennen. Da wir durch die überdehnte Geldmenge jedoch in einen inflationären Wirtschaftsboom hineinlaufen, wird der faire Wert für den Goldpreis in den nächsten Jahren sicherlich noch angehoben werden müssen. Richtig ist nur, dass die Kursschwankungen wegen der neuen Marktteilnehmer größer werden dürften.

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