Donnerstag, 19. September 2019

Finanzministerium "Inflation löst Schuldenprobleme nicht"

Das Bundesfinanzministerium lehnt trotz weltweit steigender Verschuldung eine höhere Inflation strikt ab. Mehr Teuerung zuzulassen, sei in Krisenzeiten zwar eine Versuchung. Denn öffentliche und private Schulden würden so entwertet. Ein laxer Umgang mit der Inflation sei aber vor allem eine Flucht aus der Verantwortung.

Berlin - Entschuldung durch eine bewusst in Kauf genommene höhere Inflation sei eine verlockende Option. Die Risiken einer solchen Politik seien aber offensichtlich, warnt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter.

 Nur noch halb so viel wert: Inflation entwertet Schulden, bringt die Sparer aber auch um ihren Ertrag und schlimmstenfalls um ihre Altersvorsorge
[M] Corbis; mm.de
Nur noch halb so viel wert: Inflation entwertet Schulden, bringt die Sparer aber auch um ihren Ertrag und schlimmstenfalls um ihre Altersvorsorge
"Vorhandenes Geldvermögen wird vernichtet, die Reallöhne sinken, die Armut steigt. Alle Versuche, über höhere Inflation Arbeitslosigkeit abzubauen, scheiterten mittelfristig und führten in den ökonomischen Niedergang statt in den Aufschwung", schreibt der CDU-Finanzexperte am Sonntag im einem Gastbeitrag für die Nachrichtenagentur Reuters. Deshalb gebe es keine Alternative zu einer Entschuldung durch konsequente Konsolidierung der öffentlichen Haushalte.

Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard, hatte eine Verdoppelung der Inflationsziele wichtiger Notenbanken auf 4 Prozent angeregt, um Staaten in Krisenzeiten einen größeren geldpolitischen Spielraum einzuräumen. "Das wäre ein drastischer Sinneswandel, denn bisher hat sich der IWF stets für ein inflationsarmes Wachstum der Weltwirtschaft und für Geldwertstabilität eingesetzt", wandte Kampeter gegen den Vorschlag ein. "Erfreulicherweise haben sowohl Bundesbank wie EZB diese Überlegungen entschieden zurückgewiesen." Bundesbankchef Axel Weber hatte den IWF-Vorstoß als "grob fahrlässig und schädlich" bezeichnet.

Inflation helfe den Staaten nicht beim Ausstieg aus ihrer Verschuldungspolitik, betonte der Staatssekretär. Stattdessen müssten neben nationalen Konsolidierungsanstrengungen "auch die Kontrollinstrumente der europäischen Stabilitätskultur geschärft werden", forderte er. "Und die Zentralbanken haben bisher keinen Zweifel daran gelassen, mit einem sensiblen Timing den rechtzeitigen Ausstieg aus der Überflussliquidität vorzunehmen. Dieser doppelte Exit ist notwendig und im Interesse der nachfolgenden Generationen", schrieb Kampeter.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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