Autoindustrie BMW ruft die Trendwende aus

In diesem Jahr soll bei BMW alles besser werden. Der Münchener Autobauer will deutlich mehr Autos als 2009 verkaufen und rechnet wieder mit schwarzen Zahlen in der Autosparte. Der Plan steht und fällt mit dem Erfolg des neuen 5er-Modells.

München - Der Münchener Autobauer BMW  will nach einem schmalen Gewinn im vergangenen Jahr das Ergebnis 2010 deutlich steigern. "Wir wollen 2010 einen sichtbaren Schritt in Richtung unserer Profitabilitätsziele 2012 machen", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in München. Für 2012 strebt der Konzern im Autogeschäft unverändert eine Marge auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 8 bis 10 Prozent an.

Für das laufende Jahr geht das Unternehmen für die Autosparte von einer Ebit-Marge im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Sparte aus dem operativen Geschäft einen Verlust von 265 Millionen Euro.

Zum erwarteten Ergebniswachstum sollen alle Sparten, neben den Autos auch die Motorräder und Finanzdienstleistungen beitragen. An der Börse reagierte die BMW-Aktien mit einem Plus von 0,58 Prozent und notierte bei 32,95 Euro.

Bei den erwarteten Verkäufen bleibt das Unternehmen vorsichtig. Reithofer präzisierte, der Absatz solle 2010 "im soliden einstelligen Prozentbereich" steigen und am Ende des Jahres über 1,3 Millionen Fahrzeuge liegen. Dabei setzen die Münchener in erster Linie auf die neue Generation des besonders als Geschäftswagen beliebten 5ers.

Der Renditebringer soll nahezu ein Fünftel des Gesamtabsatzes der Kernmarke BMW ausmachen. Durch eine neue Produktionsweise, die umfangreich auf Baukästen setzt, soll profitabler gefertigt werden. Dieses kostensparende Baukastenprinzip soll künftig über alle Marken und Modelle zum Einsatz kommen.

Baukastenmodell soll Effizienz erhöhen

Die bereits vorab mitgeteilten Zahlen für das vergangene Jahr wurden bestätigt. Unterm Stich erzielte der Konzern einen Gewinn von 210 Millionen Euro, nach 330 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz ging um knapp 5 Prozent auf 50,68 Milliarden Euro zurück. Die Verkäufe von Personenwagen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce sanken um über zehn Prozent auf knapp 1,29 Millionen Wagen. Für das vergangene Jahr will der Konzern eine stabile Dividende von 30 Cent je Stamm- und 32 Cent je Vorzugsaktie zahlen.

Das schlechte Abschneiden der Autosparte erklärte Finanzvorstand Friedrich Eichiner unter anderem mit den gesunkenen Verkäufen, dem hohen Preisdruck im Markt sowie dem Trend zu kleineren Fahrzeugen. Diese Effekte machten zusammen 3,3 Milliarden Euro aus. Hinzu kamen Sonderbelastungen über 194 Millionen Euro aus negativen Wechselkurseffekten sowie Aufwendungen für Abfindungen über 324 Millionen Euro. Besonders im vierten Quartal hätten zahlreiche Beschäftigte vor dem Auslaufen der gesetzlichen Regelung eine Altersteilzeit vereinbart. Insgesamt ging die Zahl der BMW-Mitarbeiter um fast 4000 auf 96.230 Beschäftigte zurück.

Das Autogeschäft habe aber im vierten Quartal die Trendwende geschafft, betonte Eichiner. Im Januar und Februar legten die weltweiten BMW-Verkäufe im Vergleich zum schwachen Vorjahresauftakt um insgesamt gut 15 Prozent auf rund 174.000 Wagen zu. Wegen der im März anstehenden Modellwechsel wird der laufenden Monat den Unternehmensangaben zufolge schwächer ausfallen. "Generell erwarten wir noch kein starkes erstes Quartal", sagte Eichiner.

Reithofer bekräftigte, die Modellpalette der Marken Mini und BMW werde nach unten im Kleinwagensegment ausgeweitet. Dazu könnte eine gemeinsame Fahrzeugarchitektur für front- und allradgetriebene Fahrzeuge entwickelt werden. Auch in der Kernmarke BMW werde es künftig Fahrzeuge mit Frontantrieb geben.

Nach Angaben von Eichiner hat sich die Situation an den Kapitalmärkten im Verlauf des vergangenen Jahres entspannt. Die Refinanzierungskosten seien kontinuierlich zurückgegangen. Per Ende 2009 lagen die liquiden Mittel des Konzerns bei 9,4 Milliarden Euro. Bezüglich der Marktchancen von Leasingrückläufern sagte Eichiner, die Gebrauchtwagenpreise in Nordamerika und Großbritannien hätten sich erholt. In Europa seien die Preise wegen der staatlichen Abwrackprogramme stark unter Druck geraten. Dort sehe man zum Jahresende eine Bodenbildung. Deshalb ergebe sich auch nicht die Notwendigkeit, die Risikovorsorge für Leasingrückläufer weiter auszustocken.

manager magazin mit Material von dpa-afx