Die tägliche Wirtschaftsglosse Arme Superreiche

Die zehn reichsten Menschen der Welt haben binnen Jahresfrist 88 Milliarden Dollar mehr angehäuft. Kein Grund, neidisch zu sein, denn der Chefvolkswirt des Weltwährungsfonds IWF hat schon die Peitsche ausgepackt. Am Ende des Tages sitzen Carlos Slim, Bill Gates und Warren Buffett in der Falle.

Carlos Slim Helu, Bill Gates und Warren Buffett haben ein gemeinsames Problem. Jeder von ihnen besitzt rund 50 Milliarden Dollar, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Buffett ist laut Ranking des US-Magazins Forbes in diesem Trio im Moment der arme Tropf, doch das kann sich rasch ändern. Schließlich konnte Buffett sein Vermögen in den vergangenen zwölf Monaten um rund zehn Milliarden Dollar steigern. Er hat gute Chancen, bald wieder die 50-Milliarden-Grenze zu knacken und damit zu den wirklich Reichen aufzuschließen.

Neidisch, irgendjemand? Dazu besteht kein Anlass. "Ich investiere nur in Unternehmen, die so gut sind, dass jeder Idiot sie führen kann - denn irgendwann wird es so kommen", lautet einer von Buffetts Anlagegrundsätzen. Wer so investiert, hat jeden Cent redlich verdient.

Außerdem ist diese ewige Neiddiskussion auch extrem uncool, eine deutsche Spezialität. Weltweit haben durch die Wirtschaftskrise Millionen Menschen ihre Jobs verloren, allein in den USA sind es bislang mehr als sechs Millionen. Doch man kann das auch sportlich sehen, als Herausforderung begreifen, nach vorne schauen: Millionen Menschen haben jetzt die Chance, sich beruflich neu zu orientieren. Und die Superreichen? Sie sind alt, Slim 70, Buffett 79, Karl Albrecht 90. Sie sitzen auf Bergen von Geld und wissen dank ihrer überdurchschnittlichen ökonomischen Einsicht, dass es sehr bald zusammenschmelzen wird.

Der Chefökonom des Weltwährungsfonds, Olivier Blanchard, erscheint bereits regelmäßig in ihren Albträumen. Nicht 2 oder 3, sondern 4 Prozent könnten ein angemessenes Inflationsziel sein, schrieb er kürzlich in einer Krisenanalyse. Und Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff setzte gleich noch einen drauf und warb für "mindestens einige Jahre mit 6 Prozent Inflation". Nur so hätten die Staaten der Welt eine Chance, ihre gigantischen Defizite abzubauen und sich bequem zu entschulden.

6 Prozent Inflation pro Jahr. Das bedeutet, Geld verliert binnen zwölf Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft. Carlos Slim verliert also 27 Milliarden Dollar, Bill Gates 26 Milliarden Dollar, Buffett 24 Milliarden Dollar. Kalte Enteignung der Vermögen. So schnell können die das gar nicht aus dem Fenster schaufeln. Grauenhaft.

Die kalte Enteignung trifft natürlich auch die vielen Sparer. Wer 100.000 Euro hat, würde bis zum Jahr 2022 rund 50.000 Euro verlieren - wenn er nicht rechtzeitig ein Häuschen in der richtigen Lage kauft, viel Gold im Garten vergräbt oder mal eben ein paar idiotensichere Firmen übernimmt. Doch mal ehrlich: Was sind schon 50.000 Euro gegen einen Verlust von 27 Milliarden Dollar?

Der arme Tropf dagegen, den kein Besitz quält, muss keine Inflation fürchten. Muss nicht hektisch hin und her schichten. Hat nichts, und hat nichts zu verlieren. Kann sich auf wirkliche Werte konzentrieren und muss nicht auf seine alten Tage die Vergänglichkeit des Geldes erleben. Danke, Carlos, danke Bill, danke Warren, dass ihr diese Last für uns schultert.

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