Montag, 24. Februar 2020

Thilenius-Kolumne Korrektur im Rohstoff-Superzyklus

Rohstoffe befinden sich im Superzyklus, heißt es oft. Langfristig spreche vieles für dieses Anlagesegment. Das stimmt auch. Aber kurzfristig deutet einiges auf eine größere Korrektur hin. Kluge Investoren reagieren darauf - eine Alternative ist bereits in Sicht.

Wenn man vielen Analysten und Fondmanagern zuhört, dann fällt in der branchenüblichen Bescheidenheit regelmäßig das Wort vom Superzyklus in dem sich Rohstoffe angeblich befinden. Hier wird der Wiederaufstieg der Industrieländer aus der Rezession sowie die Industrialisierung von China, Indien und Brasilien neben der zunehmenden Knappheit mancher Rohstoffe genannt.

Schwarzes Gold: Ölwerte blieben zuletzt stabil, während sich Minenwerte verschlechtert haben
Tatsächlich haben Rohstoffe seit dem Beginn der Hausse nach dem Irak-Krieg und wieder in der Erholung seit dem letzten Frühjahr beachtliche Zuwächse erzielt. Nachdem der Konjunkturzug wieder Fahrt aufgenommen hat, dürfte also eigentlich alles für die nächsten Jahre, zumindest für die Laufzeit dieses Konjunkturzyklus in Butter sein, denkt man. Genau dies könnte jedoch ein großer und wie im Investmentgeschäft dann häufig, sehr teurer Fehler sein.

Wer genauer hinsieht, bemerkt seit dem Jahreswechsel eine relative Schwäche vieler Rohstoffwerte. Während die Ölwerte zusammen mit den Indices relativ stabil geblieben sind, haben sich die Minenwerte verschlechtert. Dazu gehören vor allem die Produzenten von Kupfer, Eisenerz, Kohle und anderen Materialien. Auf den ersten Blick sieht die Differenzierung merkwürdig aus. Befinden sich nicht alle Rohstoffe in einem Superzyklus?

Nein, heißt die Antwort. Hier muss man unterscheiden. Der Ölmarkt ist ein weltweiter Markt. Der Preis des Öls hängt im wesentlichen an der weltweiten Konjunktur, die sich ordentlich entwickelt, wenn auch unter Schwankungen. Die Preise der verschiedenen Metalle, (außer Gold Börsen-Chart zeigen) und Kohle, hängen jedoch ganz wesentlich an der Entwicklung in China. Und hier hat die chinesische Regierung im Januar angefangen, den Märkten Liquidität zu entziehen.

Es sieht so aus, dass viele der zuvor abgeräumten Läger in China inzwischen wieder ausreichend gefüllt sind. Gleichzeitig wird das Geld dort teurer, so dass sich auch die Lagerhaltung verteuert. Mancher Einkäufer wird deshalb weniger Kupfer Börsen-Chart zeigen und Eisenerz kaufen. Nach dem der chinesischen Wirtschaft die Überhitzung droht, dürfte diese Entwicklung sich eher noch verschärfen statt nachzulassen.

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