Griechenland-Krise Jannis Bond, übernehmen Sie!

Hedgefonds und CDS sollen zu den Geburtshelfern der griechischen Krise gehören, wird gemunkelt. Sogar der hellenische Geheimdienst ermittelt angeblich. Die Welt auf der Suche nach einem Dunkelmann - oder?
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Der Geheimdienst soll es richten, der griechische EYP. Er soll untersuchen, inwieweit Hedgefonds und Credit Default Swaps (CDS) zum Niedergang der Wirtschaft beitragen. Jannis Bond, übernehmen Sie? So ganz klar ist das nicht. Im Gegenteil.

"Ich erkenne zwischen den CDS und dem Griechen-Problem keinen Zusammenhang, höchstens einen sehr konstruierten", sagt Thomas Heidorn, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. "Griechenland hat ein Überschuldungsproblem, das ist es." Und die CDS? "Sind halt einfache Gegner."

Eine Konsequenz der menschlichen Psyche? Wirtschaftspsychologe Karl Heinz Hilberath nickt. "In der griechischen Antike wurde einfach der Überbringer schlechter Nachrichten getötet. Im Mittelalter waren es der Teufel, Dämonen und dann die Hexen, die die Schuldigen waren", erzählt er. "Es ist für die menschliche Psyche einfacher, mit Krisen jeglicher Art dahingehend umzugehen, einen 'Sündenbock' zu finden. Dieses Verhalten dient der Angstreduktion und ist leider einfacher, als sich sachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen."

Der globale Verband der Hegdefonds mit Sitz in London haut in die gleiche Kerbe und bittet um mehr Sachlichkeit. Dazu legt die Aima, die Kurzform für Alternative Investment Management Association, einige Zahlen vor. Die Investoren in Griechenland sind danach ganz überwiegend Kontinentaleuropäer - und nicht die gescholtenen Angelsachsen. Nur 5 Prozent der Investments in Griechenland stammen nicht aus der Euro-Zone. Und das lege, aus Sicht der Aima, den Schluss nahe, dass die großen Spieler eher europäische Banken sind als angelsächsische Hedgefonds.

Sachlich gesehen hatten CDS ursprünglich tatsächlich vor allem eine Aufgabe - die Absicherung. Wer zum Beispiel eine Anleihe kaufte, konnte sich gegen das damit verbundene Ausfallrisiko mit einem CDS absichern. Auch heute gelten sie als wichtiges Instrument des Risikotransfers. "Es gibt zwei Möglichkeiten des Risikotransfers für Banken", sagt Heidorn. "Das sind Asset Backed Securities, kurz ABS, und eben CDS. ABS laufen heutzutage nicht, es bleiben die CDS. Wie soll ohne sie eine vernünftige Risikokontrolle der Banken erfolgen? CDS haben leider kaum Fürsprecher."

Katze oder Kanarienvogel

Freilich, CDS werden inzwischen auch gehandelt, ohne dass der Käufer die entsprechende Anleihe besitzt. "Einige sehen es als Handelsinstrument, die großen Banken zum Beispiel", sagt Heidorn. "Vor der Krise waren es auch vielfach Versicherungen, die mit CDS handelten. Und dann natürlich die Hedgefonds." Auch Ben Bernanke dachte mehr als einmal über CDS nach. "Die Verwendung dieser Instrumente in einer Weise, die ein Unternehmen oder ein Land absichtlich destabilisiert, ist offenkundig kontraproduktiv", sagte der US-Fed-Chef erst am Donnerstag während einer Anhörung vor dem US-Kongress.

Sind Hedgefonds und CDS also doch nicht so unschuldig an den griechischen Verwerfungen? "Sind sie die Katze unter Tauben?", formuliert Barclays Capital die Frage in einer aktuellen Studie. "Oder der Kanarienvogel in der Kohlegrube?" Ist die Entwicklung der CDS also nur ein Indikator für die Gesundheit eines Anleihenmarktes, wie es früher Kanarienvögel unter Tage waren? Sie zeigten den Arbeitern an, wann das lebensgefährliche und geruchsneutrale Kohlenmonoxid in der Dunkelheit überhand nahm - übrigens, indem sie verstarben. Oder waren es doch die Hedgefonds, die mit den CDS in den Klauen wie eine Katze unter die Tauben sprangen und damit die Märkte in die Höhe auffliegen ließen?

Noch einmal Aima. Der griechische CDS-Markt sei sehr klein - die Transaktionen damit machen rund 8 Prozent derer mit Griechenland-Bonds. Und anders gerechnet: Das griechische CDS-Exposure als Anteil an den griechischen Regierungsschulden ist mit 4 Prozent recht gering. Das spräche also für den Kanarienvogel.

Gleichviel, Verschuldung auf der einen Seite, die CDS auf der anderen, was nun? Das Problem mit der Verschuldung wird Griechenland selbst lösen müssen. Und die CDS? Es dürfte die Stunde der Regulatoren sein. Immerhin ringt man seit einiger Zeit darum, die bislang kaum regulierten und an den herkömmlichen Börsen vorbei gehandelten CDS zu standardisieren und zu mehr Transparenz zu verhelfen. Bis es so weit ist, dürfte es bei den Schuldzuweisungen gegen die Instrumente und jenen bleiben, die sie nutzen. Da nützt auch der Geheimdienst nichts.