Sonntag, 22. September 2019

Griechenland-Krise Jannis Bond, übernehmen Sie!

Hedgefonds und CDS sollen zu den Geburtshelfern der griechischen Krise gehören, wird gemunkelt. Sogar der hellenische Geheimdienst ermittelt angeblich. Die Welt auf der Suche nach einem Dunkelmann - oder?

Hamburg - Der Geheimdienst soll es richten, der griechische EYP. Er soll untersuchen, inwieweit Hedgefonds und Credit Default Swaps (CDS) zum Niedergang der Wirtschaft beitragen. Jannis Bond, übernehmen Sie? So ganz klar ist das nicht. Im Gegenteil.

Die Suche läuft: Doch wie wird sie ausgehen?
"Ich erkenne zwischen den CDS und dem Griechen-Problem keinen Zusammenhang, höchstens einen sehr konstruierten", sagt Thomas Heidorn, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. "Griechenland hat ein Überschuldungsproblem, das ist es." Und die CDS? "Sind halt einfache Gegner."

Eine Konsequenz der menschlichen Psyche? Wirtschaftspsychologe Karl Heinz Hilberath nickt. "In der griechischen Antike wurde einfach der Überbringer schlechter Nachrichten getötet. Im Mittelalter waren es der Teufel, Dämonen und dann die Hexen, die die Schuldigen waren", erzählt er. "Es ist für die menschliche Psyche einfacher, mit Krisen jeglicher Art dahingehend umzugehen, einen 'Sündenbock' zu finden. Dieses Verhalten dient der Angstreduktion und ist leider einfacher, als sich sachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen."

Der globale Verband der Hegdefonds mit Sitz in London haut in die gleiche Kerbe und bittet um mehr Sachlichkeit. Dazu legt die Aima, die Kurzform für Alternative Investment Management Association, einige Zahlen vor. Die Investoren in Griechenland sind danach ganz überwiegend Kontinentaleuropäer - und nicht die gescholtenen Angelsachsen. Nur 5 Prozent der Investments in Griechenland stammen nicht aus der Euro-Zone. Und das lege, aus Sicht der Aima, den Schluss nahe, dass die großen Spieler eher europäische Banken sind als angelsächsische Hedgefonds.

Sachlich gesehen hatten CDS ursprünglich tatsächlich vor allem eine Aufgabe - die Absicherung. Wer zum Beispiel eine Anleihe kaufte, konnte sich gegen das damit verbundene Ausfallrisiko mit einem CDS absichern. Auch heute gelten sie als wichtiges Instrument des Risikotransfers. "Es gibt zwei Möglichkeiten des Risikotransfers für Banken", sagt Heidorn. "Das sind Asset Backed Securities, kurz ABS, und eben CDS. ABS laufen heutzutage nicht, es bleiben die CDS. Wie soll ohne sie eine vernünftige Risikokontrolle der Banken erfolgen? CDS haben leider kaum Fürsprecher."

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