Mittwoch, 17. Juli 2019

ING EU-Auflage sorgt für rote Zahlen

Der niederländische Finanzriese ING hat 2009 einen noch größeren Verlust geschrieben als im Vorjahr. Dazu trug vor allem die teilweise Rückzahlung von Staatshilfen bei - eine Bedingung der Europäischen Kommission. Zudem soll sich das Konglomerat aus Bank und Versicherung auf Druck aus Brüssel aufspalten.

Amsterdam - Der vom Staat gestützte niederländische Finanzkonzern ING Börsen-Chart zeigen steckt weiter tief in der Krise. Belastungen aus dem Umbau des Konzerns drückten das Unternehmen im vergangenen Jahr noch stärker in die roten Zahlen als 2008. Der Verlust habe 2009 bei 935 (Vorjahr: Minus 729) Millionen Euro gelegen, teilte das im EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen notierte Unternehmen am Mittwoch in Amsterdam mit. Experten hatten mit einem geringeren Verlust gerechnet.

Regiert aus Den Haag und Brüssel: ING-Zentrale in Amsterdam
Vor den Sondereffekten kehrte das Unternehmen allerdings in die schwarzen Zahlen zurück, blieb dabei aber auch hinter den Erwartungen von Analysten zurück. Der einstige Vorzeigekonzern der niederländischen Wirtschaft musste Ende 2008 wegen der Finanzkrise mit zehn Milliarden Euro vom Staat gestützt werden. Inzwischen konnte ING mit Hilfe einer Kapitalerhöhung die Hälfte der Stütze zurückzahlen.

Der Nettoverlust im vierten Quartal sank von 3,7 Milliarden Euro in der Vorjahresperiode auf 712 Millionen Euro. Darin enthalten war die Rückzahlung von 930 Millionen Euro an den niederländischen Staat. Dies hatte die Wettbewerbsbehörde der Europäischen Kommission verlangt, als sie die staatliche Beihilfe für ING als zu großzügig verurteilte.

Operativ verbuchte die Banksparte einen Gewinn von 132 Millionen Euro, vor allem wegen des hoch profitablen Privatkundengeschäfts, während die Firmenkunden- und die Immobiliensparte weiterhin Geld verloren. Die ING erhöhte die Vorsorge für faule Kredite auf 686 Millionen Euro. ING-Chef Jan Hommen führte den Geschäftserfolg der Bank auf erhöhte Zinsmargen, höhere Erträge an den Finanzmärkten und gesenkte Kosten zurück.

Der Konzern hat im vergangenen Jahr 7,9 Prozent der Stellen abgebaut und beschäftigt nun noch 107.713 Menschen. Unter Druck der EU plant ING, ihre Bank- und Versicherungssparten bis 2012 voneinander zu trennen. Die Versicherung verlor 47 Millionen Euro, vor einem Jahr waren es sogar 2,5 Milliarden Euro. Analysten waren hier von einem Gewinn von 380 Millionen Euro ausgegangen. Wie ING erklärte, führte eine veränderte Bewertung des Rentengeschäfts in den USA und Japan zu zusätzlichen Belastungen. Der Verlust im Versicherungsgeschäft werde die Trennungspläne nicht beeinträchtigen. Zudem bezeichnete das Unternehmen einen Börsengang der Sparte weiterhin als interessanteste Option.

Mit der Zerschlagung löst sich der einzige europäische Finanzkonzern auf, der ein in etwa gleich starkes Bank- und Versicherungsgeschäft hat. ING war 1991 aus der Fusion des Versicherers Nationale-Nederlanden und der NMB Postbank Group entstanden. Der deutsche Versicherer Allianz Börsen-Chart zeigen wollte dieses Ziel auch einmal erreichen, hat die Pläne wieder ad acta gelegt und sich im Jahr 2008 von der Dresdner Bank getrennt, die wegen der unterschiedlichen Geschäftsmodelle und Kulturen nicht in den Versicherungskonzern integriert werden konnte. Die Dresdner Bank wurde für die Allianz zum Milliardengrab und kurz vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers an die Commerzbank Börsen-Chart zeigen losgeschlagen.

manager magazin mit Material von dpa-afx, ap und reuters

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