Mittwoch, 29. Januar 2020

Irland, Portugal, Spanien Wer ist der nächste Pleitekandidat?

Die Europäische Union hat Griechenland ein Ultimatum gestellt. Das Land soll seine Finanzen bis Mitte März in den Griff bekommen. Notfalls werde die EU nachhelfen. Doch schon laufen sich weitere Länder für die Rolle des Pleitekandidaten warm. Anleiheexperten sind hin- und hergerissen, wen es am ehesten treffen wird.

Hamburg - Die Zeichen stehen auf Sturm. Genauer, die Entwicklung des Preises der Absicherung für Irland-Investments. Die entsprechenden Credit Default Swaps (CDS), die gehandelt werden wie andere Wertpapiere, sind in der vergangenen Woche deutlich gestiegen. Um 5,34 Prozent, errechnen die Experten von CMA Datavison. Das bedeutet, dass Investoren das Risiko, das mit einem Irland-Investment einhergeht, höher als zuvor einstufen. Irland - ein keltisches Griechenland? So einfach ist es nicht.

Europäische Union: "In Ländern mit einer niedrigen Bruttosparquote - wie in Griechenland und Portugal - stellt die Refinanzierung der Schulden die Regierung vor ein zweifaches Problem"
Denn auch andere Länder werden von den Anlageprofis inzwischen skeptisch betrachtet. Spanien zum Beispiel, dessen CDS um 3,33 Prozent zulegten. Portugals CDS dagegen gingen um 1,16 Prozent zurück. Der Gefährdungsgrad einer Volkswirtschaft lässt sich allein daraus allerdings noch nicht ablesen. Eher die Nervosität des Marktes, besser, der Investoren.

Legt man deren Einschätzung zugrunde, beläuft sich die Ausfallwahrscheinlichkeit, die "Cumulative Probability of Default" (CPD), im Fall Irlands auf 12,84 Prozent. 15,91 Prozent sind es bei Portugal. Und zum Vergleich - auf 9,22 Prozent kommen die Experten von CMA Datavision für Peru. Die Schwäche ist kein originär griechisches Problem.

"Wenn man unter den schwächeren Staaten ein nächstes potenzielles Ziel von Marktspekulationen ausmachen soll, dann dürfte Portugal der erste Kandidat sein", findet Florian Späte, Bondstratege bei Generali Investments. "Dafür sprechen schlechte Fundamentaldaten, beispielsweise die schwache Produktivitätsentwicklung, sowie zum Beispiel im Vergleich zu Irland die geringere Bereitschaft der relativ schwachen Minderheitsregierung zu deutlicheren Schritten bei der Haushaltskonsolidierung."

In der Tat tun die Iren einiges dafür, wieder zum keltischen Tiger zu werden. Bereits 2009 haben sie zum Beispiel die Ausgaben für den öffentlichen Dienst deutlich beschnitten. Und die Iren wollen Kurs halten. "Wir müssen unser Defizit in fairer Weise stabilisieren", sagte erst im Dezember Finanzminister Brian Lenihan. "Wir müssen jene beschützen, die von der Rezession am schlimmsten getroffen wurden und die wichtigen Sektoren der Wirtschaft stimulieren, um Jobs zu erhalten und zu schaffen."

Und Irland ist vergleichsweise deutlich in seiner Analyse der Fehler seiner Vergangenheit. "Um es einfach zu machen, wir haben uns selbst aus dem Markt gekreist", so Lenihan. "Wir werden uns nicht gegen das Ausbluten unserer Jobs stemmen können, so lange unsere Preise und die Arbeitskosten nicht im Einklang mit unseren Haupthandelspartnern gesunken sind." Vermögensverwalter Markus Zschaber würde diese Analyse unterschreiben. "In den Boomjahren wurden weder in Portugal, Spanien, Irland noch in Griechenland die Steuern erhöht noch die Staatsausgaben gesenkt. Im Gegenteil - die Steuern wurden sogar noch gesenkt beziehungsweise die Ausgaben erhöht, so dass die guten Zeiten nicht für eine Bereinigung des Staatshaushalts genutzt wurden."

Da passt es ins Bild, dass die Ratingagentur Moody's Anfang des Jahres Portugal einen langsamen Tod vorhersagte - nicht aber Irland. Aber auch Spanien wird als Nachfolger Griechenlands gehandelt.

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