Harvard/Yale-Fonds Das Imperium will zurückschlagen

In ihrem Geschäftsjahr 2009 mussten die milliardenschweren Stiftungsfonds der renommierten US-Universitäten wie Harvard oder Yale Verluste wie noch nie einstecken. Doch nun soll alles anders werden.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Sie, die Götter, sind gestürzt. Sie, die bislang alles richtig gemacht zu haben scheinen. Sie, die Verwalter der renommierten US-Stiftungsfonds, haben zwischen 2008 und 2009 Verluste wie noch nie hinnehmen müssen. Nun sortieren sie sich unter den skeptischen Blicken der Fachwelt neu. Keine einfache Aufgabe.

Beispiel Harvard University. Deren Fonds, die Harvard Management Company (HMC), hatte zwischen der Mitte des Jahres 2008 und der Mitte 2009 27,3 Prozent an Wert verloren. Das gleiche Bild in Yale, deren Fonds Yale Investments Office um 24,6 Prozent schrumpfte. Kein rein numerischer Verlust - denn die Erträge dieser Fonds sollen die laufenden Ausgaben der Universitäten decken. Sie sollen jedes Jahr "einen positiven Cashflow erzielen, um den Universitätshaushalt zu speisen", heißt es einer Studie des Assetmanagers Aquila Capital.

"In der Krise selbst mussten gerade die Eliteuniversitäten massivste Abschreibungen hinnehmen, denn es wurde ja bekannt, dass das Kapital für Stipendien ausgegangen war", beobachtet der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber. Dabei hatten die Stiftungsfonds jahrelang vorgemacht, welche Wirkung die konsequente Streuung über verschiedene Anlageklassen hinweg bei der Geldanlage tatsächlich haben kann - nämlich die Schlaglöcher des Börsengeschehens wegzufedern. HMC zum Beispiel schaffte damit nach eigenem Bekunden über die vergangenen zehn Jahre ein durchschnittliches Plus von 8,9 Prozent, Yale Investments Office unter Federführung des renommierten David Swensen sogar eines von 11,8 Prozent. Die Herren der Stiftungsfonds waren damit so etwas wie die heimlichen Vorbilder vieler Fondsmanager, auch wenn das nur hinter vorgehaltener Hand geraunt wurde. Und nie, ohne hinterherzuschieben, dort genieße man ja ganz andere Freiheiten, als sie ein normaler Fondsmanager in der freien Wirtschaft hätte. Die freie Wirtschaft in der Wall Street warb die Geldverwalter aus den eufeuumrankten Universitätsgebäuden dennoch gern ab.

Dass eben jene hofierten Männer und Frauen zuletzt in Schwierigkeiten gerieten, ist zum Teil ein buchhalterisches Problem. Denn das Geschäftsjahr von Yale als auch Harvard erstreckt sich von Mitte 2008 bis 2009 und umfasst damit die heftigsten Ausschläge der Finanzkrise. Anlagevehikel, deren Geschäftsjahr bereits mit dem 31. Dezember endeten, konnten 2009 mit neuem Schwung beginnen.

Fatale Streuung

Doch das schwache Ergebnis der Stiftungsfonds ist auch Folge des Konzepts der Manager. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Vermögensverwalters Aquila Capital. Denn eben jenes Konzept sieht vor, dass zu einer breiten Streuung zum Beispiel auch alternative Anlagen wie Hedgefonds, Private Equity oder Waldgrundstücke gehören. Doch genau solche Investments erwiesen sich in der Krise als nicht liquide.

"In der perfekten Rückschau hätten wir und die meisten anderen Anleger das Wirtschaftsjahr mit höherer Liquidität und mit geringerer Ausrichtung auf einige alternative Anlagen begonnen", schreibt Jane Mendillo, die HMC inzwischen lenkt, selbstkritisch im Jahresrückblick. Und erklärt, was sie künftig anders machen will. Neben Sofortmaßnahmen wie Budgetkürzungen will HMC künftig vermehrt auf eigene Manager zurückgreifen statt wie bislang zu 70 Prozent auf fremde Verwalter. Vor allem aber habe man die Liquidität des Portfolios erhöht sowie dessen Hebel reduziert. Zum Beispiel, indem der Anteil der alternativen Anlagen im Portfolio von 26 auf 23 Prozent reduziert wurde. Außerdem "schärfe man den Blick über die existierenden Anlageklassen hinaus. "Wir kennen den Wert, sich frühzeitig neuen Strategien zu widmen", sagt Mendillo in einem Interview. Genauere Daten will man auch auf Nachfrage nicht nennen.

In Yale gibt man sich schmallippiger. Dort verharrt der Anteil der alternativen Anlagen bei 31 Prozent. Und erteilt der Liquidität eine Absage. Weil sie mit einer niedrigen Kapitalrendite einhergehe. Schon wegen des Drucks. Stattdessen will Swensen weiterhin zweistellige Renditen einfahren. "Die Aufgabe und Intention der Stiftungsfonds wird auch weiterhin unter anderem darin bestehen, eine möglichst attraktive Rendite zu erzielen, um die jeweiligen Universitäten bestmöglich finanziell auszustatten und eine optimale Grundlage für die Lehre und Forschung zu bieten", sagt Marcus Rost, Initiator der Studie und bei Aquila zuständig für Multi Asset Class Management. "Es geht somit weiterhin um Wettbewerb, um Wettbewerb zwischen den Universitäten."

Seine Prognose: "Im Großen und Ganzen aber wird alles seinen üblichen Gang gehen. Sehen Sie zum Beispiel die Veränderungen nach der Krise im Bankensektor: Sie vollziehen sich in engen Grenzen. Die Regulierungen der Aufsichtsbehörden werden sich verschärfen, worauf die Banken reagieren müssen. Darüber hinaus gibt es keinen Paradigmenwechsel in der Bankenlandschaft." Und Clemens Schuerhoff, Geschäftsführer von Kommalpha Institutional Consulting, sagt voraus: "Sicher werden die Fonds wieder gute Renditen erzielen und Ihre Lektion gelernt haben. Sie haben eine hohe Qualität in den Gremien und werden sicher immer am Zahn der Zeit agieren oder sogar wieder im Sinne von innovativen Konzepten Vorbildfunktion erlangen."

Doch egal, ob Mendillo oder Swensen recht behalten sollen, eines ändert sich nicht. Das Selbstbewusstsein der Universitäten der "Ivy-League", der Efeu-Liga, wie die Amerikaner sagen, bleibt hoch. In einer aktuellen Stellenausschreibung des Yale Investment Offices für einen Analysten heißt es, dieser Job sei nicht wie jeder andere in der Wall Street. Selbst der Nimbus scheint dort eine Anlageklasse zu sein.