Furcht vor Jobverlusten Angstsparen in der Euro-Zone

Aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes legen die Europäer so viele Euro auf die hohe Kante wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Auch die Immobilienkrise ist nach Meinung der Europäischen Zentralbank für das finanzielle Sicherheitsbedürfnis der Menschen verantwortlich. Besonders viel Geld legen derzeit Iren und Spanier beiseite.

Frankfurt am Main - In der Krise ist der Sparwille vieler Europäer deutlich gestiegen. Die Sparquote der privaten Haushalte in der Euro-Zone stieg zur Jahresmitte im Vergleich zum Vorjahr auf 15,4 Prozent. Das sind 1,3 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor, wie die Europäische Zentralbank ermittelt hat. Und der Trend setze sich fort: "Die Sparquote dürfte in der zweiten Jahreshälfte gestiegen sein", schreiben die Frankfurter Währungshüter in ihrem neuesten Monatsbericht.

Neben der Furcht vor einem Jobverlust machen sie auch die Immobilienkrise in einigen Ländern der Euro-Zone und massive Vermögensverluste durch die Krise etwa bei Aktienanlegern für das gestiegene finanzielle Sicherheitsbedürfnis der Menschen verantwortlich. Auch die Banken haben ihren Anteil an dem veränderten Verhalten. Sie schauen wegen der Krise deutlich genauer hin, wenn sie Privatleuten einen Kredit geben.

"Dies könnte Verbraucher dazu veranlasst haben, verstärkt zu sparen und ihre Verschuldung zu verringern". Hinzu komme die Angst vor künftigen einkommensmindernden Steuererhöhungen, wenn die Regierungen beginnen, die wegen der Krise überstrapazierten Haushalte zu sanieren, meint die EZB.

Die regionalen Unterschiede sind bei der Sparneigung sehr hoch. So erhöhten beispielsweise Spanier und Iren, die von der Rezession sehr stark betroffen sind, ihre Sparanstrengungen überproportional. Die Deutschen sparen trotz Krise dagegen in etwa genauso viel wie vor Beginn der Turbulenzen. Das könnte laut EZB daran liegen, dass sich der deutsche Arbeitsmarkt wegen der Kurzarbeit bislang robust entwickelt und die Abwrackprämie den Konsum anheizte. Hierzulande stieg die Sparquote im Sommer im Jahresvergleich lediglich um 0,2 Prozent auf 9,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt im November mitteilte.

Die Deutschen legen damit zwar einen geringeren Teil ihres Einkommens beiseite als andere Europäer, aber viel mehr als die US-Bürger. In den Vereinigten Staaten lag die Sparquote im Oktober bei 4,4 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters