Gold Einsteigen oder warten?

Der Goldpreis hat zuletzt deutlich nachgegeben. Ist die Hausse also schon vorbei? Oder handelt es sich nur um eine Korrektur? Und selbst wenn noch Potenzial besteht, wie viele Fachleute meinen; wann ist dann der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gekommen? Nicht nur nach oben hat der Preis des Edelmetalls schließlich viel Luft.

Hamburg - 1226,10 Dollar für eine Feinunze Gold, das ist ein stolzer Preis. Genau genommen ist es der höchste, der bislang gezahlt wurde. Erreicht wurde die Marke erst vor ein paar Tagen.

Die 1226 Dollar markieren den vorläufigen Höhepunkt einer rasanten Hausse - und den Beginn eines Preisrückgangs um beinahe 10 Prozent innerhalb weniger Tage. Am Donnerstag notierte die Feinunze bei nur noch rund 1122 Dollar.

"Seit einigen Tagen nimmt die Euphorie am Goldmarkt spürbar ab", schreibt dazu die Commerzbank in einem Marktkommentar. "Vor allem die spekulativen Anleger, die maßgeblich zum Goldpreisanstieg beigetragen haben, verlassen den Markt."

Anleger, die an einem Investment in das Edelmetall interessiert sind, müssen sich jetzt vor allem zwei Fragen stellen: Ist die Preishausse der vergangenen Monate schon am Ende, geht es also von nun an tendenziell eher bergab - oder handelt es sich lediglich um eine Korrektur? Und wenn letzteres der Fall sein sollte: Wie lange wird die Schwäche dauern, wann ist also der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg gekommen?

Zu Frage Nummer eins gibt es zum einen die mahnenden Stimmen, die darauf hinweisen, dass der Goldpreis bereits auf sehr hohem Niveau angekommen ist und ein weiteres Plus daher fraglich. "Der Preisanstieg der vergangenen Monate hängt vor allem mit dem schwachen Dollar zusammen", sagt etwa Vermögensberaterin Gabriele Radl aus Oberursel. "Anleger sollten in diesem Umfeld sehr vorsichtig sein."

Der Tenor am Markt lautet jedoch: Langfristig ist die Hausse intakt, es sprechen deutlich mehr Argumente dafür als dagegen. "Trotz der starken Gewinnmitnahmen der letzten Tage befindet sich der Goldmarkt langfristig in einem stabilen Aufwärtstrend", schreibt beispielsweise Fondsberater und Goldexperte Martin Siegel in einem aktuellen Kommentar. Als Gegenreaktion auf die Rückschläge könne daher "mit einer sprunghaften Erholung" gerechnet werden.

Korrektur noch nicht abgeschlossen

Goldexperte Uwe Bergold ist gleicher Meinung: "Die strategische Hausse läuft seit 2001 und wird noch länger anhalten", sagt er. "Langfristig orientierte Investoren können daher beruhigt auf einen weiteren Goldpreisanstieg setzen."

Aber wann geht es mit dem Preis wieder aufwärts? "Wir nutzen zurzeit jeden Rückgang als Gelegenheit zum Nachkaufen", sagt Bergold. Denn, so seine Begründung, der kurzfristig besonders starke Aufschwung am Markt, die "taktische Hausse", werde noch zwei bis drei Monate anhalten. "Ähnliche Phasen haben wir auch 2005 und 2007 gesehen", sagt der Experte. "Dieser Zwischenspurt wird sich noch bis Januar oder Februar fortsetzen, denn diese Zeit zählt traditionell zu den stärksten am Goldmarkt."

Auch Wolfgang Wrzesniok-Rossbach vom Gold-Handelshaus Heraeus glaubt auf lange Sicht an einen weiter steigenden Goldpreis. Seiner Ansicht nach ist die aktuelle Korrektur aber noch nicht abgeschlossen. "Aufgrund der Charttechnik, die gerade im Goldmarkt erfahrungsgemäß relativ verlässliche Hinweise gibt, muss man von weiteren Preisabschlägen ausgehen", sagt er. "In Extremszenarien werden Tiefstpreise von bis zu 1025 Dollar je Unze genannt. Ich halte 1080 Dollar für realistisch."

Wrzesniok-Rossbach rät daher, vor einem Einstieg noch zu warten, bis der Preis um weitere 4 oder 5 Prozent nachgegeben hat. "Anfang 2010 könnte es noch einmal zu Verkäufen kommen", sagt er. "Denn viele Investoren dürften einen Teil ihres Goldes wegen der im Jahresverlauf gestiegenen Bewertung noch bis zum Jahresultimo im Portfolio behalten."

Im neuen Jahr, so der Experte, könnten diese Anleger jedoch eine Neuallokation ihres Vermögens vornehmen. Dabei dürften sie feststellen, dass der Goldanteil stark gestiegen ist - und dieses Missverhältnis durch Verkäufe geraderücken.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.