Verschuldungsmisere Griechenlands Staatskrise ängstigt Europa

Die Bonitätsprüfer der Agentur Fitch haben Griechenland aus der Klasse der bestangesehenen Schuldner verbannt - und damit für einen Flächenbrand gesorgt. Der Euro-Kurs fällt, die Notierungen an den bedeutendsten europäischen Aktienmärkten knicken ein. Griechenlands Schuldenstaat ist zur Belastung für die gesamte Euro-Zone geworden.

Athen - Griechenland gerät wegen seines hohen Staatsdefizits akut unter Druck. Erstmals seit zehn Jahren hat eine Ratingagentur ein Euro-Land aus der obersten Klasse der sicheren Schuldner verbannt und die Anleihen des Mittelmeeranrainers nur noch in die zweitbeste Kategorie eingestuft. Dies verteuert den Schuldendienst für das südeuropäische Land - und nicht nur das: Ganz Europa ist betroffen.

Erst rutschten die Kurse griechischer Bank-Aktien ab, dann belastete die Bonitätskrise Griechenlands den Euro - und drückte schließlich die Börsenkurse selbst in Frankfurt am Main und in ganz Europa teils tief ins Minus. Griechenlands Schuldenstaat ist zur Belastung für die gesamte Euro-Zone geworden.

Der deutsche Aktienleitindex Dax beispielsweise rutschte bis zum frühen Dienstagnachmittag um 1,7 Prozent auf 5659 Punkte, nachdem er am Vormittag noch leicht gestiegen war. Kaum anders das Bild an den anderen bedeutenden Aktienmärkten Europas: In London fiel der FTSE-100-Index bis 17 Uhr um 1,6 Prozent, in Zürich gab der SMI-Index 1,2 Prozent ab, Frankreichs CAC-40-Index büßte 1,45 Prozent ein , Österreichs ATX rutschte um 0,9 Prozent ab, das führende spanische Börsenbarometer Ibex 35 gab 1,75 Prozent nach und der europäische Leitindex EuroStoxx 50 knickte um 1,6 Prozent ein.

Die griechische Staatskassenkrise zog zudem gleich den Devisenmarkt in Mitleidenschaft. Der Euro fiel auf 1,4748 Dollar nach 1,4822 Dollar im späten Handel am Montag. Der Dollar gilt wegen seiner Rolle als Weltreservewährung als sicherer Anlagehafen am Devisenmarkt. "Die Herabstufung Griechenlands ist ganz klar ein Belastungsfaktor für die Euro-Zone. Man darf das nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Die Ratingagentur Fitch hatte die Kreditwürdigkeit von Griechenland auf "BBB+" von "A-" heruntergenommen. Zuvor hatten bereits die Bonitätswächter von Moody's und Standard & Poor's angekündigt, in den nächsten tagen ein wachsames Auge auf die Entwicklung in Griechenland werfen zu wollen.

Papaconstantinou beschwichtigt

Griechenlands Regierung versprach prompt und nervös alles zu tun, was nötig sei, um das Haushaltsdefizit zu reduzieren, sagte Finanzminister George Papaconstantinou am Dienstag. Die Entscheidung der Agentur zeige, dass es Griechenland an den Märkten an Glaubwürdigkeit fehle. Fitch habe allerdings die Initiativen der Regierung zur Stabilisierung der Finanzlage nicht umfassend berücksichtigt. Papaconstantinou kündigte Pläne an, Steuern auf einer breiteren Basis zu erheben und überflüssige Maßnahmen aus dem Staatsbudget zu streichen.

Schon am Montag hatte sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet besorgt über die hohe Verschuldung Griechenlands geäußert. Auch Standard & Poor's hat das südeuropäischen Land auf dem Prüfstand stehen. Die Unsicherheit über die Bonität Griechenlands äußerte sich am Rentenmarkt in steigenden Risikoaufschlägen für die Papiere des Landes. Der Renditeaufschlag zehnjähriger griechischer Staatsanleihen stieg gegenüber den gleichlang laufenden Bundesanleihen auf über 225 Basispunkte und damit den höchsten Wert seit April. Auch die Kreditderivate (CDS) zur Absicherung griechischer Staatsschulden verteuerten sich. Die Kosten stiegen auf 203.000 Euro pro zehn Millionen Euro Schulden von 190.600 Euro am Montagabend.

Die hohen Schulden führen nun in Griechenland zu einem Teufelskreis: Griechenland muss den Gläubigern seiner Staatsanleihen immer höhere Renditen zahlen, da der Risikoaufschlag im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen, die am Finanzmarkt als Gradmesser angesehen werden, wegen der steigenden Staatsschuld immer höher wird. Am Dienstag vergrößerte sich dieser Unterschied auf 230 Basispunkte und war damit so groß wie seit dem 21. April nicht mehr.

"Die finanzielle Situation ist sehr schwierig und es ist klar, dass eine Herabstufung die Lage nicht verbessert, sagte Analyst Diego Iscaro von Global Insight. "Das Land bezahlt nun den Preis dafür, dass es seine Finanzen in Boom-Zeiten nicht in Ordnung gebracht hat."

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und reuters

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