Freitag, 18. Oktober 2019

Bankenmisere LBBW räumt weitere Verluste ein

Die angeschlagene Landesbank Baden-Württemberg kommt nicht aus den roten Zahlen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres betrug der Verlust nach Steuern 620 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum schlug ein Minus von 974 Millionen Euro zu Buche. Für das Schlussquartal rechnet die LBBW wegen höherer Risikovorsorge mit weiteren Belastungen.

Stuttgart - Drohende Kreditausfälle in Folge der Wirtschaftskrise haben die größte deutsche Landesbank LBBW tief in die roten Zahlen gedrückt. In den ersten neun Monaten erwirtschaftet die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) einen Verlust von 620 Millionen Euro nach einem Minus von knapp einer Milliarde Euro vor einem Jahr, wie die Bank am Donnerstag mitteilte.

Rückschlag: LBBW nach Zwischengewinn wieder in den roten Zahlen
Der Grund dafür war eine massiv erhöhte Risikovorsorge für faule Kredite von 1,25 Milliarden Euro. Vor einem Jahr musste die LBBW nur einen Bruchteil dessen für mögliche Darlehensausfälle zur Seite legen. Die LBBW ist durch ihren Fokus auf den Mittelstand besonders stark von der Wirtschaftskrise betroffen. Zudem kämpft die Stuttgarter Bank noch mit den Folgen der Finanzkrise, die ihr bereits 2008 Milliardenverluste eingebrockt hatte.

Profitieren konnte die LBBW in den vergangenen Monaten dagegen von der Erholung an den globalen Kapitalmärkten. In ihren Anlageportfolios verzeichnete sie Wertaufholungen von rund 650 Millionen Euro, was die höhere Risikovorsorge zumindest teilweise wieder wettmachte. Zudem legten Zins- und Provisionsüberschuss stark zu. Dadurch stand auf operativer Ebene ein Gewinn von 189 Millionen Euro in der Bilanz. Für das vierte Quartal erwarte die LBBW zwar ein anhaltend gutes Kundengeschäft, erklärte Vorstandschef Hans-Jörg Vetter.

Eine weiter steigende Risikovorsorge sowie Kosten im Zuge der Restrukturierung führten allerdings zu neuen Belastungen. Nach Angaben auf Finanzkreisen rechnet die Bank im Gesamtjahr 2009 mit einem Verlust von 1,8 Milliarden Euro. 2008 hatte ein Fehlbetrag von 2,1 Milliarden Euro zu Buche gestanden.

Wie viele andere Landesbanken hatte die LBBW wegen des Mangels an Erträgen im klassischen Bankgeschäft ein riesiges Portfolio komplexer Wertpapiere aufgebaut, das in Folge der Finanzkrise zu massiven Abschreibungen geführt hatte. Nur dank milliardenschwerer Hilfen ihrer Eigentümer konnte die LBBW dies verkraften. Auch die BayernLB, die HSH Nordbank und die WestLB mussten von ihren Eignern gestützt werden.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung