Anthony Bolton Zurück in den Ring

Anthony Bolton ist so etwas wie der Altmeister der Fondsverwaltung aus dem Hause Fidelity. 2007 hat der heute 59-jährige Brite sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Nun kündigt er seine Rückkehr an - mit einem eigenen Fonds.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Anthony Bolton verkörpert das, was anglophile Deutsche an England so sehr mögen. Der Anzug in gedeckten Farben, silberne Schläfen und ein kristallklares Englisch, das an Eton oder Oxford erinnert. Anthony Bolton hat aber auch einen exzellenten Ruf als Fondsmanager, den er sich über Jahre erarbeitet hat. Nun meldet er sich zurück und will wieder als Fondsmanager aktiv werden - mit einem neuen Fonds.

Der soll in China investieren. "China bietet fulminante Investmentchancen", erklärt Bolton. "Seit 2004 habe ich regelmäßig Unternehmen im Reich der Mitte besucht und dort investiert. Die letzten Monate, die ich in Asien verbrachte, haben mich zunehmend dafür begeistert, in China und sein enormes Wachstumspotenzial über ein Portfolio zu investieren." Anfang 2010 will Bolton nach China übersiedeln, im März soll der neue Fidelity-Fonds aufgelegt werden. "Ich glaube fest daran, dass China die Anlagechance der kommenden Dekade ist."

Eine gute Nachricht? Nicht zwangsläufig. Zum einen fußt Boltons guter Ruf vor allem auf seinen Kenntnissen des europäischen Aktienmarkts, nicht aber asiatischer Märkte. Gut zwölf Jahre war er Lenker des Fidelity European Growth Funds und das sehr erfolgreich. Das gleiche Bild beim Special Situation Fund, der sich auf britische Aktien konzentrierte. Zum anderen sind die Chancen Chinas keine Neuentdeckung. Manager wie Mark Mobius trommeln seit Jahren für diesen Markt. Ob Bolton auch dort reüssieren kann, muss sich erst zeigen. Experten zumindest halten einiges von ihm.

"Bolton ist ein wirklich sehr guter Fondsmanager", sagt der Kölner Vermögensverwalter und Portfoliomanager Markus Zschaber. "Zweifelsohne ist er einer der ganz großen Fondsmanager, davon gibt es nicht mehr viele." Für den geplanten Fond ist Zschaber daher zuversichtlich. "Ich glaube dabei kommt es jetzt nicht darauf an, ob Europa oder China. Wenn jemand gut analysieren und Abwägungen treffen kann, dann kann er es in jedem Markt, in jedem Land und in jeder Branche."

Über die Gründe der Rückkehr Boltons lässt sich trefflich spekulieren. "Er kommt sicherlich durch zwei Beweggründe zurück", mutmaßt Zschaber. "Ihn fesseln Erfolg, Börse und die neuen Entwicklungen in China. Es ist aber auch eine Krise, bei der auch Fidelity hat Federn lassen musste. Und da er Anteile am europäischen Unternehmen hält, tut er Gutes, wenn er zurück kommt."

Die Nachricht seiner Rückkehr dürfte auch Marktkenner überrascht haben. Denn zuletzt machte Bolton als Buchautor von sich reden. In "Investing Against the Tide" blickt er auf sein Anlegerleben zurück und geizt nicht mit Ratschlägen. Fast wirkt es wie ein Schlussstrich.

Bei Fidelity selbst ist man verständlicherweise stolz auf das Zugpferd. John Ford, Fidelitys Anlagevordenker für den asiatisch-pazifischen Raum, sagt: "Anthonys Entscheidung nach Hongkong zu ziehen und zum Portfoliomanagement zurückzukehren, ist ein klares Bekenntnis zu den Anlagechancen, die China über die nächsten zehn Jahre bietet."

Und wer weiß, vielleicht kehrt ja nun bald auch Peter Lynch zurück - ehemals erfolgreicher Manager des Fidelity Magellan Funds.