Sozialer Abstieg Erst arbeitslos, dann überschuldet

Der Jobverlust führt in Deutschland so oft wie kein anderer Lebenseinschnitt in die Schuldenfalle - und die droht vielen Mitbürgen schon bei Verbindlichkeiten in Höhe von 36.000 Euro. Schicksalsschläge wie Trennung oder Krankheit gehen dagegen offenbar weniger häufig an die Substanz.

Wiesbaden - Arbeitslosigkeit ist die häufigste Ursache für Überschuldung. 28 Prozent aller Menschen, die im vergangenen Jahr Hilfe bei einer Schuldnerberatungsstelle suchten, nannten den Verlust des Jobs als Grund für ihre Lage, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Auch andere Schicksalsschläge wie Trennung, Scheidung, Krankheit oder ein Unfall führten demnach häufig dazu, dass Menschen über einen längeren Zeitraum mehr Geld ausgaben als sie einnahmen.

Rund 36.000 Euro Schulden hat nach Angaben der Statistiker der durchschnittliche Schuldner, der Hilfe in einer Beratungsstelle sucht. Das meiste Geld schulden diese Menschen ihrer Bank.

Die meisten Schuldner, die in eine Beratungsstelle kommen, haben laut Statistik tatsächlich keine Aussichten, ihre Ausstände zurückzuzahlen: 55 Prozent von ihnen haben demnach weniger als 900 Euro netto monatlich zur Verfügung, bei den alleinstehenden Männern und Frauen waren dies sogar 71 Prozent. Bei 990 Euro liegt zur Zeit die Pfändungsgrenze - dieser Betrag darf also von den Gläubigern nicht zur Abzahlung der Schulden eingezogen werden.

Die Angaben der Statistiker beruhen auf einer Befragung von 214 der insgesamt 950 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland. Diese stellten die Daten von insgesamt 66.500 beratenen Schuldnern mit deren Einverständnis bereit.

Wer aus der Schuldenfalle herauskommen möchte, kann seit 1999 mit Hilfe einer Schuldnerberatung, eines Anwalts oder Steuerberaters bei Gericht einen Antrag auf Privatinsolvenz einreichen. Das Verfahren ermöglicht die sogenannte Restschuldbefreiung. Dafür müssen Verbraucher sechs Jahre lang so viele Schulden wie möglich abstottern. Danach werden ihre Restschulden gestrichen.

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.