LyondellBasell 10-Milliarden-Gebot für Pleitefirma

Vom Gläubigerschutz zur umworbenen Braut: In der Chemiebranche zeichnet sich einer der größten Zukäufe indischer Investoren ab. Der Mischkonzern Reliance will die auch in Deutschland große Petrochemiefirma LyondellBasell übernehmen. Das einst von BASF und Shell verstoßene Unternehmen ist teilweise insolvent.

Chicago/Mumbai - Indiens größter Mischkonzern Reliance Industries  will Kreisen zufolge bis zu zwölf Milliarden Dollar für den insolventen Petrochemieriesen LyondellBasell bieten. Es wäre einer der größten Zukäufe eines indischen Unternehmens im Ausland. Zudem entstünde einer der führenden Petrochemiekonzerne der Welt.

Wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag erklärten, bietet der vor allem in der Energiebranche aktive Reliance-Konzern zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar für eine Kontrollmehrheit des in Luxemburg ansässigen Unternehmens. LyondellBasell gehört der Investmentfirma Access Industries des russischstämmigen Investoren Len Blawatnik und betreibt auch Werke in Deutschland.

Das Unternehmen hatte Samstag mitgeteilt, Reliance habe eine unverbindliche Barofferte für einen Kontrollanteil abgegeben. Das Gebot sei eine mögliche Alternative zur geplanten Neuordnung des Konzerns unter Gläubigerschutz. Auch Reliance bestätigte die Abgabe einer vorläufigen Offerte. Eine Summe nannte jedoch keines der Unternehmen.

LyondellBasell war vor rund zwei Jahren entstanden, als das 2005 an Access verkaufte Kunststoff-Joint Venture von BASF  und Shell , Basell, die US-Firma Lyondell für 12,7 Milliarden Dollar kaufte. In Deutschland betreibt es unter anderem einen großen Chemiekomplex in Wesseling bei Köln und eine Anlage in Ludwigshafen. Im Zuge der Wirtschaftskrise erlitt LyondellBasell einen massiven Nachfrageeinbruch. Daraufhin geriet es wegen einer Schuldenlast von mehr als 20 Milliarden Dollar in Zahlungsschwierigkeiten.

Im Januar stellte der Konzern dann für sein US-Geschäft und seine europäische Holding Basell Germany einen Antrag auf Gläubigerschutz. Das Verfahren sollte bis Jahresende abgeschlossen sein. Reliance hatte zuletzt angekündigt, sein konventionelles Energiegeschäft internationalisieren zu wollen. Das Unternehmen betreibt neben einer Petrochemiesparte auch Raffinerien und ist in der Öl- und Gasförderung aktiv. Auch seine neueren Geschäftsbereiche wie Einzelhandel und Erneuerbare Energien plant der Konzern auszubauen.

Seine Kriegskasse füllte Reliance erst im September, als es für 660 Millionen Dollar Aktien verkaufte. Die Barreserve des Unternehmens schätzen Analysten auf vier Milliarden Dollar. Zudem könnte Reliance Experten zufolge eigene Anteile im Umfang von acht Milliarden Dollar verkaufen.

In den vergangenen Jahren haben mehrere indische Unternehmen in Europa kräftig dazugekauft. 2007 übernahm Tata Steel  den britisch-niederländischen Stahlkonzern Corus für 13 Milliarden Dollar. 2006 kaufte Mittal  den luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor für mehr als 32 Milliarden Dollar und stieg so zum Branchenführer auf.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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