Devisenmarkt Bernanke sorgt sich um US-Währung

Der schwache Dollar ruft die US-Notenbank auf den Plan. Die Zentralbank beobachte die Abwertung des Greenbacks genau, sagte Notenbankchef Ben Bernanke zum Dollar-Kurs. Dabei zog er eine Verbindung zwischen der derzeitigen Schwäche der Währung und Inflationsgefahren. Experten sind verblüfft.

New York - Die US-Notenbank will die Kursverluste des US-Dollars genau beobachten. "Wir sind mit Blick auf die Auswirkungen der Wechselkursschwankungen des Dollars auf die Beschäftigung und der Preisstabilität sehr aufmerksam", sagte US-Notenbankchef Ben Bernanke am Montag in New York.

Der jüngste Kursverfall des Dollar habe zu steigenden Rohstoffpreisen beigetragen. Normalerweise äußert sich die US-Notenbank nicht zu Wechselkursfragen sondern überlässt dies dem Finanzminister. Der Euro-Kurs geriet nach den Aussagen stark unter Druck. Er fiel von zuvor 1,4970 US-Dollar bis auf ein Tagestief von 1,4878 Dollar. Zuletzt erholte sich der Euro aber wieder auf 1,4925 Dollar.

Die US-Devise hat seit Mitte März gegenüber einem Korb von Währungen rund 16 Prozent nachgegeben. Damals waren die Konjunktursorgen besonders groß und die Investoren flüchteten sich in sichere Anlagen. Diese Abwanderung habe sich abgeschwächt und der Dollar folglich wieder zugelegt, sagte Bernanke weiter. "Bernanke macht, was jeder anständige Notenbanker tut: einräumen, dass die Schwäche der Reservewährung der Welt eine Rolle spielt", sagte Peter Boockvar, Aktienstratege von Miller Tabak and Co.

Der Fall des Dollars hat von Peking bis Paris Unruhe ausgelöst. In Europa sorgen sich die Politiker, dass die Stärke des Euro die Konjunkturerholung behindert. In China mindert der schwache Greenback den Wert der gewaltigen Währungsreserven. Bernanke bekräftigte zugleich, Amerikas Notenbank werde ihre Zinsen wohl längere Zeit auf einem außergewöhnlich niedrigem Niveau belassen.

"Deutliche Änderungen" der wirtschaftlichen Bedingungen oder den Prognosen könnten jedoch auch zu einem Wechsel in der Politik der Währungshüter führen. Die Bedingungen an den Finanzmärkten hätten sich binnen Jahresfrist verbessert, sagte Bernanke weiter. Es gebe jedoch weiterhin große Herausforderungen und Rückschläge seien nicht ausgeschlossen.

Die knappe Kreditvergabe und hohe Arbeitslosigkeit stellen nach Einschätzung Bernanke die größten Probleme dar. Obwohl es erste Anzeichen für eine Erholung gebe, sei noch immer unklar, wie sich die Rücknahme der staatlichen Anreizmaßnahmen auswirken werde. "Meine persönliche Sicht ist, dass der jüngste Aufwärtstrend mehr als bloß temporäre Faktoren widerspiegelt und dass ein anhaltendes Wachstum im kommenden Jahr wahrscheinlich ist", sagte Bernanke.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters