Sonntag, 21. April 2019

K1-Affäre Die K-Frage oder die Suche nach der tiefen Tasche

Helmut Kiener ist Gründer der Finanzkonstruktion K1. Und er wurde Ende Oktober 2009 von der Staatsanwaltschaft Würzburg festgenommen. Ihr Verdacht - Betrug und Untreue in Millionenhöhe. Doch die Hintergründe sind noch bunter.

Hamburg - Helmut Kiener trägt eine randlose Brille und einen Schnurrbart. Auf dem Foto wirkt er wie ein milder Oberstudienrat. Einer, der auf jugendliche Verfehlungen seiner Zöglinge höchstens mit sanftem Tadel reagiert. Offenbar eine Täuschung - wie so vieles in der K1-Affäre. Denn auch bei der Geschichte um diese Finanzkonstruktion ist längst nicht klar, was genau geschehen ist. Eine Geschichte im Konjunktiv.

Wo ist das Geld? So einfach ist die Frage nicht zu beantworten
Könnte, dürfte, müsste - es gibt nur Hinweise, Vermutungen und Schlussfolgerungen. Eine davon hat die Staatsanwaltschaft Würzburg gezogen, indem sie einen Haftbefehl gegen Helmut Kiener, den geistigen Vater von K1, ausgestellt hat. Sie ermittelt weiter wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Ihre Arbeit wird Monate brauchen. Und nur langsam fügt sich Kapitel um Kapitel der Geschichte zusammen.

Gleich mehrere davon könnte Klaus Nieding erzählen. Der Anwalt berichtet von vielen Betroffenen. "Diesmal sind es nicht Otto Normalanleger, sondern auch 'smart money'", sagt er gegenüber manager-magazin.de. Banken zum Beispiel. Tatsächlich werden im Kontext K1 immer wieder die Namen von JP Morgan, BNP Paribas und Barclays genannt. Auch sie sollen Kiener Geld anvertraut haben, genau wie Normalanleger. Sie selbst lehnen gegenüber manager-magazin.de jeden - zumindest offiziellen - Kommentar ab. Doch zu ihren Lasten soll nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch der Betrug und die Untreue erfolgt sein, schlüsselt Nieding den juristischen Vorwurf auf. Und als ginge er mit Sommerschuhen über blankes Eis, fügt er hinzu: "Es gibt offenbar ein komplexes Firmengeflecht, zu dem ich an dieser Stelle noch nicht viel sagen möchte. Indes scheint mir die Intransparenz geeignet zu sein, Geld abzuziehen."

Er spricht von zwei Polen, von zwei extremen Richtungen, in die sich die Ermittlungen entwickeln könnten. "Es könnte sich erweisen, dass es sich um ein Schneeballsystem handelt." Eines wie jenes, mit dem Bernard Madoff seine Kunden narrte und um Milliarden Dollar prellte. Statt das Geld seiner Kunden zu investieren, ließ Madoff es offenbar auf verschlungenen Kanälen auf separate Konten strömen. Die Fondsentwicklung wurde nur durch die Investitionen neuer Anleger gespeist. Das ist der eine Pol, das eine mögliche Ergebnis der Untersuchungen, die Staatsanwaltschaft wie Anlegeranwälte gleichzeitig vorantreiben.

Der andere Pol, so Nieding, könnte so aussehen: "Es wurde zwar Geld investiert, indes so spekulativ oder nachlässig, dass das Geld weg ist." Beides ist möglich. Und für beides suchen Staatsanwaltschaft und Anwälte nach weiteren Hinweisen. Für die Advokaten ist es auch eine Suche nach den "tiefen Taschen" - rechtlich Beteiligten wie zum Beispiel Treuhändern, die über viel Geld verfügen, und bei denen es sich daher lohnt, sie juristisch zur Rechenschaft zu ziehen.

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