Freitag, 6. Dezember 2019

Kurssturz an der Börse Die Wirtschaft wächst, die Skepsis auch

Die US-Wirtschaft ist wieder gewachsen - doch die Sorgen nehmen zu, dass auf den durch Staatshilfe ausgelösten Schub ein neuer Dämpfer folgt. Beunruhigende Konjunkturdaten haben Dow und Dax in den Keller geschickt. Die Skepsis der Investoren hat viele Gründe.

New York/Frankfurt am Main - Auf das Fest folgte der Katzenjammer. Noch am Donnerstag meldete das US-Handelsministerium, dass die Wirtschaftsleistung der USA im dritten Quartal um 3,5 Prozent gewachsen sei - Börsianer riefen daraufhin das Ende der Rezession aus. Die Wall Street, vom Blick in den Rückspiegel berauscht, feierte.

Nur einen Tag später holten enttäuschende Konjunkturdaten die Investoren jedoch in die graue Gegenwart zurück. Nachdem die staatliche Auto-Abwrackprämie (Cash for Clunkers) im August ausgelaufen war, sind die Ausgaben der US-Verbraucher im September prompt und zum ersten Mal seit 5 Monaten wieder zurückgegangen. Auch die Aussichten für die kommenden Monate sind mau, da das Vertrauen der Verbraucher gesunken ist.

Kann die US-Wirtschaft auch dann noch wachsen, wenn sie nicht mehr am staatlichen Tropf hängt? Bei vielen Investoren wachsen die Zweifel.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen gab am Freitag um 2,5 Prozent nach und verbuchte nur 24 Stunden nach der Börsenparty den größten Tagesverlust seit Juli. Der Dax Börsen-Chart zeigen war zuvor um 3,1 Prozent abgestürzt. Das Wochenminus des deutschen Leitindex beträgt 5,7 Prozent.

Wer seinen Job verliert, kauft weniger ein

Kann der Dow Jones Börsen-Chart zeigen nachhaltig über die Marke von 10.000 Punkten klettern, wenn gleichzeitig die Erwerbslosenquote bei rund 10 Prozent liegt? Bei der aktuell hohen Arbeitslosigkeit in den USA könnte das nahende Weihnachtsgeschäft in den USA enttäuschend ausfallen, sagte Analyst Ian Morris von HSBC. Die Quote dürfte in Kürze Schätzungen zufolge sogar über die 10-Prozent-Marke steigen.

Denn Unternehmen bauen weiter Jobs ab und versuchen, sich aus der Krise zu sparen - allein in der vergangenen Woche meldeten sich 530.000 US-Bürger arbeitslos. Die steigenden Gewinne vieler Konzerne sind Spareffekte und nicht Anzeichen einer soliden, von steigender Nachfrage getriebenen Erholung.

Hinzu komme die weiterhin hohe Verschuldung, welche die US-Bürger zum Sparen zwinge, ergänzte Analyst Chad Morganlander gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Der US-Verbraucher, bislang wichtigste Stütze der Konjunktur, dürfte bis auf weiteres als Konjunkturstütze ausfallen - die Impulse müssen aus anderen Bereichen kommen", ergänzte Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus, gegenüber manager-magazin.de.

Hohe Arbeitslosigkeit, hohe Verschuldung und schwacher Konsum sind nicht einmal die einzigen Sorgen. Auch in weiteren Bereichen droht ein neuer Schwächeanfall, sobald der Staat nicht mehr Milliarden in den Markt pumpt.

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