Märkte Dax stürzt ab - größtes Minus seit Monaten

Im Oktober haben europäische Aktien so stark verloren wie seit acht Monaten nicht mehr. Am Freitag Nachmittag verloren die Papiere im Dax plötzlich rapide an Wert, weil das Vertrauen der US-Verbraucher einen Dämpfer erhalten hat. Siemens und Infineon sind die größten Verlierer.

Frankfurt am Main/New York - Der Dax  ist am Freitag auf Talfahrt gegangen und hat in den letzten Handelsminuten hart um die Marke von 5400 Punkten gekämpft. Misstrauische Anleger hätten vor dem Wochenende rasch noch Gewinne eingestrichen, sagten Händler. Der Leitindex ging mit einem Minus von 3,09 Prozent auf 5415 Punkten aus dem Handel und verbuchte damit im Wochenverlauf einen Abschlag von 5,7 Prozent.

Für den MDax  mittelgroßer Werte ging es am Freitag um 2,32 Prozent auf 6732 Punkte nach unten. Der TecDax  sank um 0,68 Prozent auf 727 Zähler.

Der FTSEurofirst 300 Index europäischer Aktien verlor 2,3 Prozent auf 974 Punkte. Der Index gab im Oktober mit 2,3 Prozent so stark nach wie seit acht Monaten nicht mehr.

"Das ist meines Erachtens erstmal nur eine Korrekturbewegung und noch keine Trendwende", beruhigte ein Händler. Neue Tiefstände seit Anfang Oktober hätten Anschlussverkäufe ausgelöst. Die Gewinne am Donnerstag in Reaktion auf die starken Wirtschaftsdaten aus den USA, die das Ende der Rezession eingeläutet hatten, seien "wohl eher ein kurzes Strohfeuer" gewesen, sagte er.

Die Siemens-Aktien  zählten zu den größten Dax-Verlierern und gaben um 4,73 Prozent auf 61,47 Euro nach. Sie reagierten damit laut Händlern auf einen Artikel im "Handelsblatt". Die Wirtschaftszeitung hatte berichtet, dass der von der Bahnindustrie erwartete Milliardenauftrag für insgesamt 300 neue IC- und ICE-Züge der Deutschen Bahn zu platzen drohe, da die einzigen vorliegenden zwei Angebote, nämlich von Siemens und Alstom  zu teuer seien.

"Das Wegfallen des Auftrags wäre zwar schon eine herbe Niederlage für die betreffende Siemens-Sparte, aber viel wichtiger ist die Signalwirkung, die von der Verfahrensweise der Bahn ausgeht", sagte Händler Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade. Bisher seien solche Verhandlungen immer nur einem sehr begrenzten Kreis zugänglich gewesen. Das jetzige Vorgehen erlaube hingegen eine schnelle Reaktion der Konkurrenz und verschärfe somit auch in diesem Bereich den Wettbewerb enorm.

Finanzwerte auf der Verkaufsliste

Erneut zeigten sich auch die Finanzwerte sehr schwach: Die Titel der Deutschen Bank  verloren im Einklang mit der europäischen Bankenbranche rund 4 Prozent und die der Commerzbank  gaben um 3,6 Prozent nach.

Im MDax gaben die Anteilsscheine der Aareal Bank  um 5,6 Prozent nach. Auch Versicherer wie Munich Re und Allianz  zeigten sich sehr schwach mit minus 3 bis minus 4,4 Prozent. Die EU plant, ähnlich wie bei den Banken, auch einen Stresstest für Versicherer.

Nachdem die Tui-Aktien  am Tag zuvor gegen den Markttrend kräftig eingebrochen waren, stemmten sie sich nun gegen die Talfahrt. Sie gaben um moderate 0,32 Prozent auf 4,715 Euro nach. Der Reisekonzern hat die Konditionen seiner Wandelanleihe mit einem Kupon von 5,50 Prozent und dem Wandlungspreis 5,63 Euro festgelegt.

Aixtron  zeigten sich an der TecDax-Spitze sehr fest mit plus 6,09 Prozent auf 20,37 Euro. Die Unicredit hob in Reaktion auf die am Vortag präsentierten Zahlen die Aktien von "Hold" auf "Buy" und erhöhte das Kursziel von 16 auf 23 Euro.

Laut Händler haben außerdem die Experten von Exane BNP Paribas  die Papiere von "Neutral" auf "Outperform" erhöht. JPMorgan Chase  bestätigte das Papier des Spezialmaschinen-Herstellers mit "Overweight" und einem Ziel von 25,00 Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters