Kreditklemme Licht am Horizont

Am angespannten Kreditmarkt scheint sich eine leichte Erholung abzuzeichnen. Laut einer EZB-Studie machten es im dritten Quartal noch 8 Prozent der Banken für Unternehmen schwerer, Kredite zu bekommen, nach 21 Prozent im Vorquartal. Allerdings nimmt die Nachfrage nach Darlehen krisenbedingt auch deutlich ab.

Frankfurt am Main - Trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise haben die Banken in der Euro-Zone im dritten Quartal ihre Kreditbedingungen nur noch in geringem Umfang verschärft. Wie aus der am Mittwoch in Frankfurt veröffentlichten aktuellen Kreditumfrage der Notenbank (Bank Lending Survey) hervorgeht, erhöhten nur noch 8 Prozent der teilnehmenden Banken ihre Standards bei Darlehen.

Im zweiten Quartal hatte noch gut ein Viertel der Geldhäuser angegeben, ihre Anforderungen an die Kreditwürdigkeit der Unternehmen anzuheben; im ersten Quartal waren es sogar 43 Prozent gewesen. Die EZB erklärte, nach neun Quartalen, in denen die Institute ihre Bedingungen verschärften, sei diese Entwicklung nun "nahezu zum Stillstand" gekommen. Dieser Trend ist laut Bundesbank auch in Deutschland zu beobachten.

Und die Lage dürfte sich weiter verbessern: Für das vierte Quartal gehen nun sogar einige Banken davon aus, dass sie ihre Kreditstandards wieder etwas lockern könnten. Die große Mehrheit von fast 90 Prozent will sie jedenfalls nicht weiter verschärfen. Von strengeren Kreditkonditionen spricht man unter anderem, wenn Banken höhere Zinsen, höhere Anforderungen an Sicherheiten und höhere Tilgungsraten verlangen, sowie Kredite mit kürzeren Laufzeiten als gewöhnlich ausreichen.

Die EZB führte die positive Entwicklung auf die sich Schritt für Schritt verbessernden Refinanzierungsbedingungen der Banken an den Kapitalmärkten zurück. Auch der gesamtwirtschaftliche Ausblick, sowie Perspektiven und Lage einzelner Geldhäuser - vor allem bei den Liquiditätspositionen - hätten sich verbessert.

Michael Schubert von der Commerzbank glaubt jedoch, dass die Zeit für eine Entwarnung noch nicht gekommen ist: "Die EZB dürfte dies zwar als Schritt in die richtige Richtung ansehen, aber es dürfte aus ihrer Sicht unverändert zu früh sein, die Finanzkrise für beendet zu erklären."

Die Skepsis hat Gründe: Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Banken in der Euro-Zone im September verglichen mit dem Vorjahr erstmals seit 1991 weniger Kredite an Unternehmen und Haushalte ausgereicht hatten. Ob es sich dabei um einen Beleg für eine bevorstehenden Kreditklemme handelt, bleibt unter den Experten allerdings umstritten, da die Kreditvergabe an private Haushalte im Monatsvergleich anzog. Für Unternehmen bleibt der Zugang zu Krediten allerdings nach wie vor oft versperrt.

Allerdings fragen laut EZB-Umfrage wegen der Rezession auch immer weniger Firmen bei ihrer Hausbank einen Kredit nach. So berichteten mehr als ein Drittel der Geldhäuser, dass im dritten Quartal weniger Kredite beantragt worden seien. Für das vierte Quartal erwarten etwa zwei Drittel der Institute, dass sich die Nachfrage nach Krediten nicht ändert, knapp ein Fünftel rechnet mit weniger Anfragen, ungefähr die selbe Anzahl mit einem wieder steigenden Bedarf an Fremdkapital von der Bank, sollte sich die konjunkturelle Lage weiter verbessern.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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