SAP-Zahlen "Die Perspektive fehlt"

Die Wirtschaftskrise trifft SAP härter als erwartet. Wegen der zögerlichen Investitionsbereitschaft der Kunden muss der mit Oracle und Microsoft konkurrierende weltgrößte Firmensoftware-Hersteller seine Geschäftsziele für 2009 zurückstutzen. Vor allem die Perspektive fehle, so eine Experteneinschätzung. Die Konsequenz - die Aktie stürzt ab.

Walldorf - Nachdem Vorstandschef Leo Apotheker zuletzt noch eine Belebung in Aussicht gestellt hatte, stimmt der Konzern aus Walldorf bei Heidelberg nun wieder pessimistischere Töne an. "Während wir Anzeichen für eine Stabilisierung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds sehen, bleibt unser Markt weiterhin schwierig", räumte Finanzvorstand Werner Brandt am Mittwoch während einer Telefonkonferenz ein.

Im dritten Quartal waren die Umsätze stärker zurückgegangen als von Analysten vorausgesagt. Die Börse reagierte verschnupft, da Technologieunternehmen wie IBM, Microsoft und Apple zuletzt positive Signale ausgesandt hatten.

"Die gesenkte Erwartung für 2009 bei SAP wiegt stärker als die wenigen positiven Effekte in der heutigen Miteillung, beispielsweise das auf cost cutting zurück zu führende ordentliche Rentabilität im dritten Quartal", sagt Roger Peeters, Vorstand von Close Brothers Seydler Research in einer ersten Reaktion gegenüber manager-magazin.de. "Das Ausmaß der Veränderung bei dem Ausblick ist letztlich noch nicht mal dramatisch, aber es fehlt eine Perspektive, wann das Unternehmen auf einen richtigen Wachstumspfad zurückkehrt. Somit sind die heutigen Verluste bei der Aktie absolut konsistent, gleichwohl in ihrer Höhe etwas überraschend."

Die Aktien von SAP  rutschten zeitweise um mehr als 7 Prozent ab auf 31,94 Euro. Für den Zeitraum von Juli bis September gab der Konzern einen Einbruch des Umsatzes mit neuen Software-Lizenzen um 31 Prozent auf 525 Millionen Euro bekannt, nach einem Rückgang von 40 Prozent im vorangegangenen Quartal.

Geringe Nachfrage in Schwellenländern

Vor allem in Japan und Schwellenländern wie China hat SAP mit schwacher Nachfrage zu kämpfen. Auch in Deutschland rutschten die Umsätze in den Keller, da die Unternehmen wegen der schwachen Konjunktur ihre Ausgaben zurückfuhren und Investitionen in Informationstechnik meiden. Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass die Unternehmensausgaben für IT 2009 weltweit um rund sieben Prozent sinken werden.

Kunden vermeiden große Aufträge

SAP erwartet für das laufende Jahr nun einem Rückgang seiner Software- und Wartungserlöse von sechs bis acht Prozent. Die bisherige Kalkulation lag bei einem Minus von lediglich vier bis sechs Prozent. Der Konzern, der weltweit 89.000 Kunden zählt, halte Verfolger Oracle allerdings auf Abstand, sagte Apotheker .

Der seit dem Frühjahr als alleiniger Vorstandschef an der Konzernspitze stehende Manager hatte noch Ende Juli eine baldige Trendwende vorhergesagt: Das Schlimmste liege hinter SAP, die Geschäfte kämen in Schwung. Zu Jahresbeginn war der frühere Vertriebschef sogar nur von einen minimalen Rückgang der Software- und Wartungserlöse um ein Prozent ausgegangen.

Stellenabbau weiter als geplant

Nach den ebenfalls als schwach gewerteten jüngsten Umsatzzahlen von Oracle beurteilen Analysten mittlerweile auch die Aussichten für SAP skeptischer. "Die Auftrags-Pipeline von SAP leidet immer noch darunter, dass es wenig große Software-Deals gibt", erläutern Commerzbank-Experten. Das geschäftsträchtigste Vierteljahr hat für SAP zwar gerade erst begonnen. Die Umsätze würden jedoch auch im Schlussquartal 2009 um zweistellige Prozentsätze unter den Werten vor Jahresfrist liegen, sagten Analysten voraus.

Beim Gewinn muss das 1972 von früheren IBM-Managern aus der Taufe gehobene Unternehmen ebenfalls kleinere Brötchen backen. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn gab im dritten Quartal um acht Prozent auf 674 Millionen Euro nach, da SAP Geld für den geplanten Abbau von 3000 Stellen aufwenden musste. Dieses Ziel wurde schon übertroffen.

So waren Ende September nur noch 47.800 Mitarbeiter bei SAP beschäftigt, 3700 weniger als Ende 2008. Apotheker verwies auf eine verbesserte Ertragskraft. Die um Sondereffekte und Wechselkurseffekte bereinigte operative Rendite liegt in der für 2009 angestrebten Spanne von 25,5 bis 27 Prozent. Sie kletterte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,8 Prozentpunkte auf 26,9 Prozent. Denn die Umsätze fielen im abgelaufenen Vierteljahr stärker als das Ergebnis. Einschließlich Wartungsarbeiten bei den Kunden sowie Schulungen beliefen sich die Konzernerlöse auf 2,5 Milliarden Euro, neun Prozent weniger als vor einem Jahr.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

Mehr lesen über