Bayer Der Sparkurs zeigt Erfolg

Bayer sieht den Tiefpunkt überwunden: Der Umsatz sank um 7 Prozent, dennoch hat der Pharma- und Chemiekonzern im dritten Quartal operativ erstmals in diesem Jahr wieder mehr verdient. Der Konzern rechnet jedoch mit höheren Restrukturierungskosten. Nach schwachem Start dreht die Aktie ins Plus.

Leverkusen - Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen sei auf 1,499 Milliarden Euro geklettert, teilte Bayer  am Dienstag in Leverkusen mit. Im Vergleich zum zweiten Quartal ergab sich hier nahezu eine operative Ergebnisverdopplung. Gegenüber dem Vergleichsquartal im Vorjahr blieb immer noch ein Plus von 0,4 Prozent.

Alle anderen Kennziffern freilich zeigten weiterhin nach unten, wenn auch weniger dramatisch als in den Vorquartalen. Der in den Bereichen Arzneimittel, Kunststoffe und Agrarchemie tätige Konzern setzte im Zeitraum Juli bis September 7,392 (7,948) Milliarden Euro um - das ist ein Rückgang um 7 Prozent. Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von 249 (277) Millionen Euro, was 10,1 Prozent weniger ist als ein Jahr zuvor. Auch das Ebitda nach Sondereinflüssen sank um 0,6 Prozent auf 1,326 Milliarden Euro.

Das Gesundheitsgeschäft blieb Haupttriebfeder, während das Pflanzenschutzgeschäft einbrach und sich das Chemiegeschäft etwas erholte.

Für das Gesamtjahr 2009 peilt die Konzernspitze um Bayer-Chef Werner Wenning weiterhin an, den Rückgang des bereinigten Ebitda auf etwa 5 Prozent zu begrenzen. Das Ziel bezeichnete Wenning weiterhin als ambitioniert. "Wir sind sehr zufrieden, die Trendwende geschafft zu haben, obwohl viele Branchen noch unter der Wirtschaftskrise leiden", sagte der Konzernchef.

Die Umsatzprognose bekräftigte Wenning ebenfalls. Der Umsatz dürfte von 32,9 Milliarden Euro 2008 auf 31 bis 32 Milliarden Euro sinken. Die Weltwirtschaft scheine den konjunkturellen Tiefpunkt überwunden zu haben. Für den weiteren Verlauf des Jahres sei von einer Fortsetzung dieses Trends auszugehen. Allerdings sei es noch zu früh, von einem sich selbst tragenden Aufschwung in der Industrie zu sprechen.

350 Millionen Euro für den Umbau

Bayer rechnet im laufenden Jahr mit deutlich höheren Restrukturierungskosten. Die derzeit laufenden Restrukturierungsprogramme sollen im laufenden Jahr abgeschlossen werden, sagte Konzernchef Werner Wenning. In der Pharmasparte etwa läuft ein Programm unter dem Namen "Horizon", in dem laut Aussagen von Insidern alle Kosten auf den Prüfstand kommen. Vor allem den teuren Vertrieb will das Unternehmen kräftig zusammenstreichen.

Die für den Umbau anfallenden Sonderaufwendungen bezifferte Wenning nun auf rund 350 (bisher: 250) Millionen Euro. Darüber hinaus seien bereits in den ersten neun Monaten Sondereinflüsse für Rechtsfälle und die zusätzliche zeitanteilige Vorsorge für den Pensionssicherungsverein der deutschen Unternehmen in Höhe von rund 200 Millionen Euro angefallen.

Die Aktie von Bayer fiel zu Handelsbeginn um gut 1 Prozent, während der Dax  nahezu auf dem Schlusskurs des Vortags verharrte. Die Bilanz ist ersten Händlerkommentaren zufolge "enttäuschend" ausgefallen. Mit Ausnahme des bereinigten Ergebnisses vor Steuern und Zinsen (Ebit ex) seien vom Umsatz bis zum Nettoergebnis alle Daten unter der Markterwartung geblieben. Bis 10 Uhr drehte das Papier jedoch wieder in die Gewinnzone.

Pharmasparte wächst mit Generika, Agrargeschäft enttäuscht

Als einzige der drei Geschäftssparten steigerte Bayer Healthcare die Geschäftszahlen. Der Umsatz stieg um 3,5 Prozent auf 3,936 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn legte 14,6 Prozent zu und stieg über die Milliarden-Euro-Marke.

Das mit dem Berliner Schering-Konzern übernommene Geschäft mit Antibabypillen war auch im dritten Quartal der größte Umsatzbringer im Pharmageschäft. Von Juli bis September kam Bayer mit der Produktfamilie um die Verhütungspille Yasmin auf Erlöse von 320 Millionen Euro, ein Plus von 3,9 Prozent binnen Jahresfrist, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Dagegen sank der Umsatz mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon um 2,7 Prozent auf 283 Millionen Euro. Das bekannteste Bayer-Medikament, das Schmerzmittel Aspirin, spielt beim Umsatz eine kleinere Rolle: Erlöse von 99 Millionen Euro bedeuteten einen Rückgang um 5,7 Prozent.

Einen Umsatzsprung von 33,1 Prozent auf 161 Millionen Euro verzeichnete das Krebsmittel Nexavar. Dem Medikament werden, alle Indikationsgebiete zusammengenommen, Umsätze von mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr zugetraut. Das Medikament ist bereits zur Behandlung von Nierenkrebs und Leberkrebs auf dem Markt.

Weil die Bayer-Forscher ansonsten nicht viele Hoffnungsträger in der Produktpipeline haben, setzt der Konzern verstärkt auf billige Massenprodukte, die geringe Gewinnmargen bieten, dafür aber verlässliche Umsätze liefern. Der Umsatz mit rezeptfreien Generika stieg stark: Das Schmerzmittel Aleve brachte 23 Prozent mehr Erlöse, die Hautpflegelinie Bepanthen 9 Prozent. Bayer erlöste 15 Prozent mehr mit Blutzuckermessgeräten, auch Tiermedikamente wie Entwurmungs- oder Floh- und Zeckenmittel brachten mehr Umsatz.

In der Kunststoffsparte dürfte sich die wirtschaftliche Entwicklung im vierten Quartal weiter stabilisieren, hieß es. Wegen der üblichen saisonalen Abschwächung zum Jahresende dürfte das bereinigte Ebitda im vierten Quartal aber unter dem Niveau des dritten Quartals liegen, gleichzeitig aber deutlich über dem schwachen Vorjahresquartal. Die von der Autoindustrie abhängige Sparte erlöste mit 2,038 Milliarden Euro 20 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Der Betriebsgewinn verringerte sich um 8,8 Prozent auf 227 Millionen Euro.

Enttäuschend verlief das Quartal in der Agrarsparte Cropscience. Das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut schrumpfte um 8,7 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn halbierte sich auch wegen negativer Währungseffekte auf 78 Millionen Euro. Unterm Strich verlor die Sparte Geld. Bayer verwies auf "rückläufige Preise für wichtige landwirtschaftliche Kulturen, ungünstige Witterungsbedingungen und einen höheren Lagerbestand an Pflanzenschutzmitteln im Handel". Wenning senkte daher das Margenziel für die Sparte für das Gesamtjahr von 25 auf 23 bis 24 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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