Insiderhandel Skandal-Manager schließt alle Fonds

Anleger treten die Flucht an und ziehen Milliarden aus seinen Fonds ab. Jetzt muss Raj Rajaratnam alle seine Hedgefonds schließen. Der Milliardär steht im Zentrum eines der größten Insider-Skandale eines US-Hedgefonds an der Wall Street. Rajaratnam beteuert weiter seine Unschuld.

Boston - Der im Zentrum des bislang größten Falls von Insiderhandel stehende Hedgefonds Galleon schließt angesichts der Anlegerflucht seine Fonds. "Ich habe entschieden, dass es das Beste für unsere Investoren und Angestellten ist, die Fonds ordentlich abzuwickeln, während wir nach anderen Alternativen für unser Geschäft suchen", teilte der 52-jährige Milliardär und Galleon-Gründer Raj Rajaratnam am Mittwoch in einem Schreiben an seine Mitarbeiter mit.

Seit der Festnahme des Managers am Freitag versuchen Investoren ihre Gelder aus den Anlagen des vor zwölf Jahren gegründeten Hedgefonds abzuziehen. Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person hatten Anleger bereits am Montag erklärt, insgesamt rund 1,3 Milliarden Dollar aus dem Fonds abzuziehen. Am Tag der Festnahme Rajaratnams hatte der Hedgefonds etwa 3,7 Milliarden Dollar verwaltet.

Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, dass zwei von Galleons rund ein Dutzend Brokerhäusern - die Bank of America Merrill Lynch und Barclays nicht mehr mit dem Fonds zusammenarbeiten. Dutzende der 130 Angestellten des Unternehmens befinden sich zudem bereits auf Jobsuche. Unterdessen wurde der Hedgefonds bereits von Kaufinteressenten kontaktiert, wie eine eingeweihte Person sagte, ohne Einzelheiten zu nennen.

Im wohl größten Insider-Skandal eines US-Hedgefonds war Rajaratnam am vergangenen Freitag mit fünf angeblichen Komplizen festgenommen worden. Sie sollen mit illegalen Aktiengeschäften 20 Millionen Dollar Gewinn eingestrichen haben. Die Beschuldigten bestreiten alle Vorwürfe. Der in Sri Lanka geborene Rajaratnam ist inzwischen gegen eine Kaution von 100 Millionen Dollar auf freiem Fuß.

Der Rest der Galleon Group könnte verkauft werden, zitierte die Zeitung einen mit der Gesellschaft vertraute Person. Es gebe bereits einige Interessenten. Rajaratnam betonte in dem Brief erneut seine Unschuld. "Ich werde mich gegen die Anschuldigungen mit demselben Einsatz und Fokus verteidigen, wie ich sie auch beim Management des Kapitals unserer Anleger eingebracht habe."

Rajaratnam soll indes keineswegs immer ein "goldenes Händchen" gehabt haben, wie die "New York Times" berichtet. Allein bei einem einzigen schlechten Aktiengeschäft habe er 30 Millionen Dollar verloren - also weit mehr als die mutmaßlich illegalen Gewinne. Er habe das Minus beim Handel mit Aktien des US-Chipbauers AMD erlitten, so die Zeitung nach einer Analyse der Deals des Hedgefonds-Managers.

Allerdings ist das Handeln mit Aktien aufgrund geheimer Vorabinformationen immer illegal - ganz gleich, ob am Ende Gewinne oder Verluste stehen. Die Beweisführung der Staatsanwaltschaft könnte aber durch die Verluste Rajaratnams geschwächt werden, zitierte das Blatt Experten. Zahlreiche Mitarbeiter von Rajaratnams Galleon Group suchen unterdessen laut US-Medien das Weite. Angesichts des Skandals sähen sich bereits viele nach einem neuen Job an der Wall Street um.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen