Kommentar Internet-Phantasie im Dax - Probleme für Gründer

Die Investitionen der Banken für das Internet zeigen: Das Projektstadium ist vorbei, die Einsätze steigen. Anleger zahlen künftig Internet-Aufschläge für Dax-Titel, für Gründer wird es schwieriger, meint Martin Zeißler.

Die Deutsche Bank will die Nummer Eins im Internet werden und investiert dafür Milliarden. Die HypoVereinsbank lässt sich den Aufbau eines neuen Web-Portals bis Jahresende mehrere Hundert Millionen Euro kosten. Kein Zweifel, die Konzerne plündern ihre Kassen und nehmen das Internet jetzt richtig in Angriff.

Nicht, daß sie es bis jetzt nicht getan hätten. Doch die meisten Ansätze waren Projekte. Ideen, deren Machbarkeit von einzelnen Abteilungen oder ausgegründeten Start-Ups ausgelotet wurden. Dieses Projektstadium scheint nun vorbei.

Die Einsätze steigen. Gerechnet wird nun nicht mehr in wenigen Millionen, sondern in Milliarden. Die Beträge, die von den beiden Grossbanken eingesetzt werden, übertreffen das, was der Grossteil der am Neuen Markt notierten Internet-Unternehmen und -Dienstleister in nächster Zeit zusammen ausgeben kann.

Diese Kleinunternehmen werden an der Börse dank Internet-Phantasie hoch bewertet. Doch Anleger werden sich bald fragen, ob ein Grossinvestor im Internet nicht ebenso viel Phantasie auf zukünftige Gewinne verspricht wie ein kleinerer Börsen-Neuling. Dann werden auch für Dax-Unternehmen Internet-Aufschläge gezahlt - und viele Nemax-Titel verlieren ihre Attraktivität.

Noch schwerer könnte es für Gründer werden. Risikokapital findet sich derzeit reichlich, um den Start des zehnten Auktionshauses, der zwölften Nutzer-Community oder des zwanzigsten B2B-Portals im Internet zu finanzieren - ein Businessplan, ein vielversprechendes Gründerteam und einige leicht zu beschaffende Statistiken über die Aussichten im E-Business genügen.

Künftig werden aber auch die Venture Capitalists und Business Angel genauer hinschauen. Der Markt formiert sich, der Markteintritt wird teurer, die Claims werden abgesteckt - und ein Teil der Aufbruchstimmung geht verloren.

Martin Zeißler