Freitag, 23. August 2019

Dollar-Schwäche Trichet redet gegen den Markt an

Die Europäische Zentralbank und die Finanzminister der Euro-Länder haben sich kritisch über die Stärke des Euro geäußert. Sie sorgen sich um die Chancen europäischer Exporteure auf dem Weltmarkt. Etwas gegen die Entwicklung der Devisenkurse unternehmen wollen sie aber nicht.

Luxemburg - EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte am Montagabend nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Luxemburg, zu starke Ausschläge der Wechselkurse schadeten der Wirtschaft. Trichet wiederholte die Standardformulierung, wonach übergroße Bewegungen auf den Währungsmärkten negativ sind für die finanzielle und wirtschaftliche Stabilität.

EZB-Präsident Trichet: Erinnert den Markt an seine Hilflosigkeit, meint die Commerzbank
"Wir nehmen mit großem Interesse die Erklärungen der US-Regierung zur Politik des starken Dollars zur Kenntnis", meinte Trichet. Der Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker erklärte, dies sei gemeinsame Haltung der EZB und der 16 Euro-Länder. Ähnlich wie der luxemburgische Finanzminister hatte sich auch die französische Amtskollegin Christine Lagarde geäußert.

"Der Markt wird durch diese Statements eher an die Hilflosigkeit der EZB und der EU erinnert", kommentierten Devisenanalysten der Commerzbank. Es sei nicht anzunehmen, dass den Worten "auch nur irgendwelche Taten folgen". Die europäische Gemeinschaftswährung hat zum Dollar seit März um rund 20 Prozent auf Kurse von knapp 1,50 Dollar aufgewertet.

Im frühen Handel am Dienstag kostete der Euro Börsen-Chart zeigen bis zu 1,4994 Dollar. Ein Dollar war demnach nur noch 0,6669 Euro wert. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Euro mehrere Anläufe auf die Marke von 1,50 Dollar genommen. Händlern zufolge ist dieses Niveau "fällig". Zuletzt hatte der Euro Mitte August 2008 über dieser Marke notiert.

In der Wirtschaft wächst die Sorge, ein zu starker Euro könnte die gerade erst zaghaft beginnende Konjunkturerholung abwürgen. Zwar macht er Importe aus dem Dollar-Raum für Europäer billiger, dafür haben die Produkte europäischer Exporteure weniger Chancen auf dem Weltmarkt. Besonders die deutsche Wirtschaft ist stark vom Export abhängig. Rechnerisch führt der schwache Dollar dazu, dass die Notierungen in Dollar gehandelter Rohstoffe wie Öl oder Gold Börsen-Chart zeigen steigen.

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