Sonntag, 15. September 2019

Dollar-Schwäche Trichet redet gegen den Markt an

2. Teil: Brasilien antwortet mit Devisensteuer, EU will mit China reden

Der schwache Dollar werde weltweit zum Problem, heißt es in der Commerzbank-Analyse. Der Wechselkurs des Dollar zum brasilianischen Real etwa habe nahezu wieder Vorkrisenniveau erreicht. "Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würde er zu einer signifikanten Belastung der brasilianischen Exportwirtschaft." Um das zu verhindern, hat die Regierung nun erneut eine Steuer eingeführt, die Ausländer beim Kauf brasilianischer Aktien oder Anleihen zu entrichten haben. Die Steuer war gerade vor einem Jahr abgeschafft worden - als weltweit ein Stillstand der Kapitalimporte drohte. Diese Sorge wiegt nun geringer als die um den Warenexport.

Für die Dollar-Schwäche ist unter anderem die wieder gestiegene Risikobereitschaft vieler Anleger nach einem guten Start in die Berichtssaison der Unternehmen zum dritten Quartal verantwortlich. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte der Dollar-Kurs von der Flucht der Anleger in Sicherheit profitiert. Im Oktober und November 2008 notierte der Euro zeitweise unter 1,25 Dollar.

Die lockere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, die den Markt mit Dollars flutet, trägt dazu bei, dass riskantere Anlagen etwa in Aktien oder Unternehmensanleihen nun wieder attraktiver erscheinen als Dollar-Reserven. Die Fed testet erste Maßnahmen, Liquidität zurückzunehmen. Doch "natürlich steht keine Änderung der US-Geldpolitik unmittelbar bevor", schreiben die Commerzbank-Experten. Ökonomen halten die Versorgung der Wirtschaft mit billigem Geld über Nullzinsen und eine Ausweitung der Geldbasis noch auf Jahre für geboten.

Die Nullzinspolitik lässt allerdings auch die vor der Krise berüchtigten Carry Trades wieder aufleben: Investoren leihen sich in Nullzinsländern wie den USA billig Geld und investieren es in Hochzinsländern wie Brasilien, wo der Leitzins auch nach mehreren Senkungen noch 8,75 Prozent beträgt.

Statt um den Dollar zu ringen, richtet sich die europäische Währungsdiplomatie auf ein anderes Ziel. Trichet, Juncker und EU-Währungskommissar Joaquín Almunia wollen noch vor Jahresende nach China fahren, um mit der Pekinger Führung über die auch noch nach Jahren der kontrollierten Aufwertung als unterbewertet geltende Yuan-Währung zu sprechen.

China hat mit dem billigen Yuan gezielt die heimische Exportindustrie aufgebaut. Wegen der dafür nötigen Stützungskäufe hat das Land die weltgrößten Devisenreserven von rund zwei Billionen Dollar angehäuft. In der Vergangenheit haben sich Vertreter der chinesischen Zentralbank wiederholt unzufrieden über die Wertverluste ihrer Dollar-Anlagen geäußert. Womöglich ist ihre Bereitschaft angesichts einer starken Binnenkonjunktur nun größer, mit einem stärkeren Yuan die eigene Exportwirtschaft zu belasten.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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