Preussag Rekordbilanz dank Tourismus

Nach einem Rekordgewinn im letzten Geschäftsjahr will der Mischkonzern seine florierende Tourismussparte weiter ausbauen. Die Industrie-Geschäfte sollen in eine eigenständigen AG ausgründet und 2001 an die Börse gebracht werden.

Hannover - Preussag-Vorstandschef Michael Frenzel verkündete am Montag "das beste Ergebnis in der Geschichte der Preussag". Die verbliebenen Industriesparten Energie/Grundstoffe und Gebäudetechnik würden in der neuen Aktiengesellschaft Preussag Industrie AG gebündelt, teilte Frenzel weiter mit. Die inzwischen wichtigste Preussag-Tochter TUI soll außerdem als Europas größter Reiseanbieter auch Marktführer im Online-Geschäft werden.

Erstmals überschritt das Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 1998/99 die Schwelle von einer Milliarde Mark. Der Gewinn vor Steuern stieg um elf Prozent. Der Reingewinn kletterte um 15 Prozent und stieg auf 676 Millionen Mark.

Allein die Konzerntochter TUI (TUI, Hapag Lloyd, Thomas Cook und First Reisebüro) steuerte mit 600 Millionen Mark mehr als die Hälfte zum Betriebsergebnis bei. Der Preussag-Vorstand kündigt an, der Hauptversammlung die Ausschüttung einer auf 1,50 Mark je Aktie erhöhten Dividende vorzuschlagen, so Frenzel.

Im laufenden Geschäftsjahr sollen der Konzernumsatz von 32 Milliarden Mark auf 40 Milliarden Mark und der Gewinn erneut um mehr als zehn Prozent steigen, so der Preussag-Chef.

"Die Zahlen und die Aussagen des Konzerns am Montag sind vom Markt positiv aufgenommen worden", sagte ein Händler. Auch die Charttechnik des Wertes sehe gut aus. Besonders die Ankündigung des Börsengangs der Industriesparte habe den Markt bewegt, sagte der Händler. "Wenn die Schlusskurse stimmen," prognostizierte er, "dann wird das Papier Anlegern noch weiter Freude machen".

Verstärkte Präsenz der Reisbranche im Internet

Frenzel kündigte für diesen Dienstag den Internet-Start von TUI an. Er schloss nicht aus, dass der wachsende E-Commerce bei den Reisebüros zu Problemen führen könnte. 20 Prozent der Reiseumsätze könnten nach Expertenschätzungen schon bald per Internet erzielt werden.

Konkrete Pläne gebe es für Zukäufe in der Toristikbranche derzeit nicht. Gleichwohl kündigte Frenzel für die Hauptversammlung am 12. April eine Reihe vorsorglicher Beschlüsse für Kapitalmaßnahmen wie Eigenkapitalerhöhung und Aktienrückkauf an. Bekannt ist, dass Preussag seit längerem nach potenten Tourismuspartnern in Frankreich, Spanien und Italien Ausschau hält.

Bündelung der Industriesparten

Die Bündelung der Sparten Gebäudetechnik sowie Energie und Grundstoffe soll nach den Worten Frenzels nicht den Verkauf dieser Bereiche einläuten. Allerdings schloss er dies auch nicht aus. Die neue Tochter Preussag Industrie AG soll mit Beginn des Jahres 2001 die beiden Sparten gemeinsam führen. Ein Jahr später ist der Börsengang mit bis zu 49 Prozent der Anteile geplant.

Für das eigenständige Unternehmen soll für das erste Planjahr der Außenumsatz von jetzt zwölf auf 15 Milliarden Mark steigen. Erster Schritt hierbei ist die Mehrheitsbeteiligung an der bayerischen Hebel, des nach den Angaben europaweit führenden Herstellers von Porenbeton.