Sonntag, 15. September 2019

Konjunkturspekulation Ölpreis verdoppelt

Weil Ölhändler auf mehr Orders spekulieren, kostete Nordseeöl heute erstmals in diesem Jahr mehr als 79 Dollar und damit doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Sollte die Weltwirtschaft bald wieder Tritt fassen, würde wieder mehr Öl gekauft, so das Kalkül der Händler. Entsprechend steigen heute auch die Aktienkurse im Ölförderland Russland.

Hamburg - Der Preis für Rohöl ist zu Beginn der Woche auf den höchsten Stand des Jahres gestiegen. Im Computerhandel der New Yorker Rohstoffbörse kostete am Montag ein Barrel (159 Liter) Rohöl der wichtigsten Sorte zum Handelsschluss in New York 79,61 Dollar. Am vergangenen Freitag hatte das Barrel bei 78,53 Dollar notiert. Zu Jahresbeginn war Öl nur halb so teuer wie jetzt.

Im Aufwärtstrend: Ölpreis steigt
Damit hat der Ölpreis die Spanne zwischen 75 und 65 Dollar deutlich noch oben verlassen, in der er über Monate gependelt hatte. Die für Europa wichtige Ölsorte Brent Börsen-Chart zeigen kostete am Montag 77,84 Dollar. Das waren 85 US-Cent mehr als zum Handelsschluss in der Vorwoche.

Der russische Aktienmarkt hat heute bereits vom Anstieg des Ölpreises profitiert; in dem Staat haben viele Ölunternehmen wie beispielsweise Lukoil ihren Sitz. Der Moskauer RTS-Index gewann heute 1,8 Prozent auf 1433 Punkte.

Nach Meinung von Marktbeobachtern spekulierten derzeit viele Marktteilnehmer darauf, dass die Ölnachfrage bald weltweit steigen werden. Denn sobald die Wirtschaftskrise nachlässt und wieder mehr Güter produziert werden, steigt oftmals auch der Verbrauch des Rohstoffs - und dann bei konstantem Angebot auch der Preis für das Öl. Und nicht wenige Daten deuten tatsächlich auf so eine Entwicklung.

So haben Deutschlands Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums zuletzt wieder 1,7 Prozent mehr produziert als im Vormonat. Und jetzt legen womöglich auch die US-Unternehmen nach: Mehrere große amerikanische Konzerne wie Apple oder McDonald legen diese Woche die Ergebnisse des dritten Quartals vor. Händler hoffen auf Anzeichen für ein Anziehen der Wirtschaft.

Benzinpreis in Deutschland nicht auf Rekordniveau

Es gibt aber auch warnende Stimmen. Die Ölvorräte sind noch hoch, die Staaten des Ölkartells Opec hätten zudem durch die bisherigen Kürzungen der Pumpleistung große Reserven für zusätzliche Förderung, glaubt etwa die Analysefirma JBC Energy in Wien. Sollte diese Staaten nun wieder mehr Öl fördern, würde die möglicherweise bald steigende höhere Nachfrage nach dem schwarzen Rohstoff schnell durch das höhere Ölangebot ausgeglichen. Auch der schwache Dollarkurs beeinflusst den Ölpreis: Schon früher wurde beobachtet, dass Investoren Vermögen aus dem Dollar in Ölinvestments umschichten, um nicht auf den Kursverlusten ihrem bisherigen Deviseninvestment sitzen zu bleiben.

Der Benzinpreis in Deutschland lag am Montag nach Branchenangaben bei 1,31 Euro für einen Liter Superbenzin und bei rund 1,13 Euro für einen Liter Diesel. Beide Sorten waren im Oktober schon teurer.

Von Rekordpreisen des Sommer 2008 mit Literpreisen für Benzin um 1,50 Euro ist der Markt ohnehin noch weit entfernt. Allerdings liegen die Preise an der oberen Grenze der Pendelbewegungen der letzten Wochen. Der schwache Dollar schützt an dieser Stelle die Benzinkunden in Deutschland. Vor allem der Dieselpreis könnte aber steigen, falls Hausbesitzer angesichts der Kälte im Herbst anfangen, Heizöl zu bestellen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dow jones und reuters

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