Bankaktien Die Zweiklassen-Gesellschaft

Goldman Sachs legte vergangene Woche prächtige Zahlen vor, das Quartalsergebnis der Bank of America macht die Anleger dagegen wieder nervös - und diese Woche glänzte Credit Suisse. Wie gut sind Bankaktien derzeit wirklich? manager-magazin.de spricht mit Paul Vrouwes, Bankenexperte bei bei ING Investment Management.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Vrouwes, was ist Ihr Eindruck nach der ersten Runde der Bankzahlen - wo liegt die Realität der Branche? Bei den schlechten Zahlen von Bank of America (Kurswerte anzeigen) oder den guten von Goldman Sachs (Kurswerte anzeigen)?

Vrouwes: Heutzutage lassen sich die großen Banken in den USA anhand mindestens zweier Kriterien unterscheiden. Da finden Sie zum einen die kapitalstarken Banken wie JP Morgan (Kurswerte anzeigen). Diese Banken waren die relativen Gewinner der Finanzkrise. Und sie sind die Gewinner der aktuellen Krise, weil sie lukrative Marktanteile der schwächeren Wettbewerber übernehmen. Die anderen Banken hatten ihr Augenmerk in erster Linie darauf gerichtet, die Qualität ihrer Bilanzen wiederherzustellen - so wie die Bank of America  - und einen Teil ihrer Operationen zu verkaufen. Das waren zumeist regionale Banken in den USA.

mm.de: Und weiter?

Eine andere Unterscheidung kann zwischen den Banken gemacht werden, die größtenteils auf dem Kapitalmarkt arbeiten, wie Goldman, und jenen, die sich auf Darlehen und den Endkunden spezialisiert haben. Denn die Aktivitäten auf dem Kapitalmarkt waren groß und lukrativ. Die Banken, die sich dagegen auf dem Kreditmarkt tummeln, sahen ihre Profite unter Normallevel, weil sie immer noch hohe Rückstellungen für schlechte Kredite bilden mussten. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass die Erträge im dritten Quartal und vermutlich auch der nahen Zukunft sehr davon abhängen, über welche Art Bank wir sprechen.

Beruhigende Zahlen?

mm.de: Einige sagen, Bankaktien seien inzwischen schon recht teuer geworden. Was meinen Sie?

Vrouwes: Ich muss zugeben, dass sich Bankaktien in diesem Jahr großartig geschlagen haben. Anfang März, zu Beginn der Rally, waren sie noch sehr billig, weil alle auf Ausfälle warteten. Später und heutzutage sowieso wurde es klar, dass die meisten Banken mit der Hilfe von Geld und Fiskalpolitik die Kredit- und Wirtschaftskrise überleben würden. Aber die Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei - und je mehr die Banken eine starke Kreditausrichtung haben, umso mehr müssen sie mit überdurchschnittlichen Kreditkosten in den kommenden Quartalen arbeiten.

mm.de: Ist die Bankenparty an der Börse damit vorbei?

Vrouwes: Nein, ich denke, dass Banken auch in den kommenden Quartalen andere Sektoren überflügeln sollten. Diese Aktien sind noch immer nicht teuer bewertet. Und wenn die ökonomische Krise vorbei ist, werden sie ihren Teil der Ernte einfahren. Allerdings werden sie aufgrund der erhöhten regulatorischen Hürden die nicht mehr die Profitabilität der Vergangenheit erreichen. Allerdings werden nicht alle Banken Gewinner sein. Stockpicking, ein Auge auf der Kapitalstärke und dem Zuwachs der Marktanteile, das alles wird sehr wichtig sein.

mm.de: Hat sich Ihre Methode, Risiken einzuordnen, durch die Krise verändert?

Vrouwes: Ja. Ich glaube, dass ich und infolgedessen der Fonds  zu Beginn des Jahres sehr risikofeindlich waren. Aber es wurde deutlich, dass die Dinge nicht ewig abwärtsgehen würden, da die meisten Regulatoren und Regierungen die Wirtschaft massiv stimulierten. Das war für mich der Anlass, etwas risikofreudiger zu werden. Und ich sah Chancen für die zumeist günstig bewerteten Banken, zu überleben.

Allerdings blieben wir bei der 'Hantelaufstellung'. Das heißt, auf der einen Seite hatten wir die kapitalstarken Banken, die relativen Gewinner des Jahres 2008. Auf der anderen Seite jene, die gerade so überlebt hatten und sehr günstig waren.

Oder irreführende Zahlen?

mm.de: Einige Experten sagen, Ergebnisse wie die von Goldman seien irreführend. Denn immerhin stamme das Gros der Erträge aus volatilen Geschäftszweigen, sodass der Schluss auf eine nachhaltige Besserung der Lage nicht stichhaltig sei.

Vrouwes: Es ist in der Tat sehr wahrscheinlich, dass einige Geschäftszweige mehr verdient haben als andere. Nicht nur wegen der hohen Volatilitäten, sondern auch wegen der hohen Margen. Aber das wird nicht ewig andauern. Aber immerhin, jeder Penny stärkt die Bilanzen, ob nun qualitativ hochwertig oder nicht. Sogar bei einer weniger profitablen Zukunft sollten wir diese Firmen wie Goldman oder Credit Suisse (Kurswerte anzeigen) im Auge behalten.

mm.de: Welche Banken werden sich als eigentlich erste nachhaltig erholen - weltweit gesehen?

Vrouwes: Die Gewinner der Krise sind wahrscheinlich die relativen Gewinner der Zukunft. Banken mit einer starken Kapitalisierung, die Marktanteile gewinnen, relativ immun sind gegen ein Mehr an Regularien und attraktiv für Talente. Und diese Gewinner dürfe man wahrscheinlich unter den bereits genannten Namen finden.

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