CGU/Norwich Union Neuer Versicherungs-Riese in Großbritannien

Die beiden Versicherer schließen sich zum größten britischen Assekuranz-Konzern zusammen. Mit Einnahmen von zusammen rund 83 Milliarden Mark rückt das neue Unternehmen zudem auf Platz 5 in Europa vor.

London - Der neue Konzern mit dem Namen CGNU werde in Europa eine führende Rolle spielen, betonte am Montag CGU-Chef Bob Scott, der auch den Gesamtkonzern leiten wird. Mit Einnahmen von zusammen 26 Milliarden Pfund (rund 83 Milliarden Mark) wären die beiden Partner nach Berechnungen der britischen Medien die Nummer 5 in Europa. Das verwaltete Vermögen werde bei rund 200 Milliarden Pfund liegen.

Die Fusion soll als Aktientausch (ohne Aufgeld) abgewickelt werden. Norwich Union-Anteilseigner werden 0,48 Aktien des Gesamtkonzerns für eine Norwich Union-Aktie erhalten. Das entspricht einem Wert von 382,3 Pence und liegt 12,2 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag. CGU-Anteilseigner bekommen für jede Aktie eine neue. Sie werden damit insgesamt 58,5 Prozent des neuen Unternehmens halten.

Analysten in London spekulierten am Montag allerdings darüber, dass ein ausländischer Konzern wie Allianz die Fusion noch verhindern könnte, indem er sich eines der beiden Unternehmen einverleibt. Scott sagte dazu: "Wir sehen keinen einzigen Grund dafür, warum so etwas geschehen sollte. Beide Unternehmen haben einen sehr starken Fusionsplan ausgearbeitet." Dadurch ergäben sich ausgezeichnete Wachstumschancen auf dem europäischen Markt.

CGU ist erst 1998 aus einer Fusion von General Accident und Commercial Union entstanden und ist heute der zweitgrösste Versicherer in Grossbritannien. Norwich Union ist der fünftgrösste Lebensversicherer der Insel. Beide Unternehmen leiden, wie ihre Konkurrenten vom Festland auch, unter verstärktem Wettbewerb und dadurch sinkende Margen auf Versicherungsprodukte.

Nach der Fusion sollen nicht nur Kunden gemeinsam kostengünstiger bedient werden. CGU und Norwich Union wollen auch kräftig Personal einsparen: Rund 5000 Jobs werden nach dem Zusammenschluss gestrichen; 4000 davon in Großbritannien, heißt es. Das entspricht rund sieben Prozent der insgesamt rund 70.000 Beschäftigten. Ob es auch Entlassungen geben wird, konnte Scott noch nicht sagen. Jedes Jahr sollen 250 Millionen Pfund (800 Millionen Mark Mark) eingespart werden.

An der Börse sind CGU und Norwich Union zusammen rund 19 Milliarden Pfund wert - eben so viel wie ihr schärfster Konkurrent auf der Insel, Prudential. Dessen Kurs legte in den vergangenen zwölf Monaten rund 9,5 Prozent zu, während CGU 18 Prozent verlor und Norwich Union vier Prozent einbüßte.

CGU-Chef Scott werde den Gesamtkonzern führen, sein Stellvertreter werde der Norwich-Mann Richard Harvey. Beabsichtigt sei, dass nach dem geplanten Ausscheiden von Scott im Juni 2001 Harvey dessen Nachfolger wird, heißt es in einer Mitteilung. CGU-Chairman Pehr Gyllenhammar werde Chairman der neuen Gruppe; Norwich-Chairman George Paul sein Stellvertreter. Hauptquartier werde London sein, das britische Lebengeschäft werde seine Zentrale in York haben, das britische Kompositgeschäft in Norwich.