US-Banken Goldman toppt Erwartungen

Nach JP Morgan Chase trumpft auch Goldman Sachs mit einem Milliardengewinn im dritten Quartal auf. Die Entwicklung könnte so weiter gehen - zumindest ein Quartal, sagen Beobachter. Doch die Citigroup zeigt, wo die Gefahren lauern. Jetzt schauen die Experten mit Spannung auf die Deutsche Bank.

Hamburg - Der gefürchtete Einbruch an den Märkten und im Investmentbanking ist ausgeblieben. Und so profitieren derzeit jene großen US-Banken, die in der Finanzkrise weder ihr Investmentbanking noch ihren Eigenhandel eingekocht haben. Lieferten diese Sparten zum Höhepunkt der Krise nach enormen Abschreibungen Milliardenverluste ab, sind sie auch im dritten Quartal die Gewinngaranten.

Das zeigte sich bereits am Mittwoch bei JP Morgan Chase, die einen nahezu verzehnfachten Nettogewinn von 3,6 Milliarden Dollar vorlegte und setzte sich am Donnerstag mit Goldman Sachs  fort. Die US-Investmentbank steigerte nach ersten Meldungen vom Donnerstag ihren Gewinn um das Dreifache auf 5,25 Dollar je Aktie.

Es seien insbesondere das jetzt kundengetriebene Eigenhandelsgeschäft mit Aktien und anderen risikoreicheren Papieren sowie der kaum abreißende Boom an den Märkten für Unternehmens- und Staatsanleihen, die die Gewinne der US-Banken trieben, sagen Analysten wie Manfred Jakob (SEB) und Konrad Becker (Merck Finck) im Gespräch mit manager-magazin.de. Und weil ehemals große Wettbewerber wie Lehman Brothers und Merrill Lynch nun weggefallen sind, generierten die verbliebenen Banken nun um so höhere Erlöse in diesen Segmenten.

Darüber hinaus profitierten die Institute im Zuge anziehender Märkte und der sich erholenden Konjunktur von Bewertungszuwächsen in ihren Portfolien. So konnte JP Morgan im dritten Quartal zum Beispiel einen Wertzuwachs rund 400 Millionen Dollar allein bei Portfolien mit Krediten für Übernahmefinanzierungen und Hypotheken verbuchen. Und so mancher Marktbeobachter erwartet, dass diese Tendenz vorerst anhalten dürfte, sprich ein weiteres starkes "Handelsquartal" die Bilanzen der Banken auch im vierten Geschäftsquartal stützen werde.

Trotz seiner optimistischen Grundeinschätzung warnt Jakob davor, diese Tendenz fortschreiben zu wollen, wie es die stark gestiegenen Kurse mitunter unterstellten. Die Ergebnisse im Investmentbanking und Eigenhandel müssten zwangsläufig volatil bleiben, weil sie eben sehr stark an der Entwicklung der Kapitalmärkte hängen. "Sie sind also kein sicherer Hafen", warnt Jakob. Und einen Blankoscheck auf den erwarteten Konjunkturanstieg im kommenden Jahr gebe es ebenso wenig.

"In den USA wird den Banken das Geld hinterher geworfen"

Eine steigende Arbeitslosigkeit und damit zunehmende Kreditausfälle im privaten Sektor könnten die Institute quasi als Spätfolge der Finanzkrise in naher Zukunft verstärkt unter Druck setzen, sagen die Experten. Das scheint auch JP Morgan Chase so zu sehen, die ihre Rückstellungen für mögliche Kreditverluste im dritten Quartal um 40 Prozent erhöhte. "Bei ausfallenden Verbraucherkrediten und im Kreditkartengeschäft dürften die Belastungen für die involvierten Banken noch kräftig steigen", meint SEB-Analyst Jakob. Diese habe sich bereits bei JP Morgan und der Citigroup  abgezeichnet und werde sich sicherlich auch in der Bilanz der Bank of America  (Freitag Quartalszahlen) bemerkbar machen.

Die im Zuge der Finanzkrise teilverstaatlichte Citigroup  musste im abgelaufenen Quartal Kreditverluste in Höhe von acht Milliarden Dollar verkraften. Das Institut wies am Donnerstag einen Verlust von 3,2 Milliarden Dollar aus. Die Märkte hatten noch ein höheres Minus erwartet, dennoch gab die Aktie am Nachmittag nach.

Letztlich hinge die Frage fauler Kredite und die damit einhergehende Gefahr für die Banken ganz entscheidend von der konjunkturellen Entwicklung ab. Ziehe die Konjunktur in den USA an, würden zeitverzögert auch die Belastungen durch faule Pivatkundenkredite zurückgehen. "Verläuft die Konjunktur im Zweifelsfall aber W-förmig, dann müssen sich die Banken noch auf sehr holprige Quartale einstellen", sagt Becker.

Klar ist auch, dass die nun für das dritte Quartal ausgewiesenen Gewinnzuwächse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sich so nicht wiederholen lassen. Denn das dritte Jahresviertel 2008 gilt als eines der schlechtesten der Bankengeschichte und folglich hoch ist jetzt der Basiseffekt ein Jahr später.

"In den USA wird den Banken das Geld hinterher geworfen"

Zudem profitieren die Institute derzeit nach wie vor von historisch günstigen Refinanzierungsbedingungen. "In den USA wird den Banken das Geld ja geradewegs hinterher geworfen", sagt Becker von Merck Finck. Dies zeige sich auch an ihren deutlich gefallenen Zinsaufwendungen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum - bei JP Morgan Chase fielen sie um rund 60 Prozent. Da die Zinserträge zugleich aber prozentual im einstelligen Bereich fielen, sei damit bereits ein Gutteil der steigenden Gewinne abgebildet.

Auch Becker hält es für möglich, dass die anhaltende Liquidität sowie halbwegs stabile Märkte das vierte Quartal der Banken noch einmal beflügeln könnten. "Das kann noch ein paar Monate gut gehen, aber niemand weiß, wann hier die Luft raus ist. Ich weiß jedenfalls nicht, wann hier der Stöpsel gezogen wird."

Deutsche Bank jetzt im Blick

Jetzt richten sich die Blicke mit Spannung auch auf die Deutsche Bank . Unter den europäischen Instituten steht der deutsche Branchenprimus den wieder erstarkten US-Banken noch am nächsten. Auch die Deutsche Bank dürfte im dritten Quartal erneut von den steigenden Anlagemärkten profitiert haben, sagen Analysten.

Becker zum Beispiel erwartet ein gegenüber dem Vorquartal um rund 5 Prozent gestiegenes Vorsteuerergebnis von 1,38 Milliarden Euro. Im dritten Quartal 2008 schlugen hier gerade 'mal 93 Millionen Euro zu Buche. "Ein Vergleich mit diesem Horrorquartal ist aber eigentlich nicht statthaft", sagt der Analyst. Unter dem Strich wiederum dürfte das Ergebnis im dritten Quartal wegen wegfallender Steuereffekte dagegen leicht fallen - auf rund 935 Millionen Euro, erwartet der Analyst.

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