Samstag, 21. September 2019

Schwächelnder Export Bringt der Euro den Aufschwung in Gefahr?

Der Euro ist auf ein 14-Monats-Hoch geklettert. Kaum zeigt die Konjunktur hierzulande erste Anzeichen der Erholung, sind deutsche Güter damit auf dem Weltmarkt so teuer wie lange nicht. Bringt das die Rückkehr der Wirtschaft aus der Rezession in Gefahr?

Hamburg - "Das ist nichts, was wir uns gewünscht haben", sagt Olaf Wortmann, Konjunkturexperte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). "Die Nachfragesituation ist schon schlecht. Da kommt die Euro-Entwicklung als Belastung noch obendrauf."

Warten auf die Fähre: Deutsche Exporte werden im Ausland teurer
Die Maschinenbauer zählen zu den am stärksten exportorientierten Branchen hierzulande. Sie leiden daher besonders heftig unter dem seit Monaten zunehmenden Wert der europäischen Gemeinschaftswährung.

Zuletzt stieg der Euro Börsen-Chart zeigen im Vergleich zum US-Dollar Börsen-Chart zeigen am Mittwoch auf den höchsten Stand seit knapp 14 Monaten. Fast 1,50 Dollar kostet ein Euro bereits wieder - im Frühjahr waren es noch 1,25 Dollar gewesen.

Meist werden für die Entwicklung vor allem drei Gründe angeführt: Inflationsängste, die Anleger in vermeintlich sichere Häfen wie Gold treiben und den Dollar daher schwächen, das amerikanische Haushaltsdefizit, das das Vertrauen in die US-Währung unterminiert, und schließlich die immer wieder aufkommende Diskussion um die Zukunft des Greenback als Weltleitwährung.

"Diese Ursachen sind bei genauer Betrachtung eigentlich nicht stichhaltig", sagt Lutz Karpowitz, Devisenstratege bei der Commerzbank. "Das ist aber nicht entscheidend. Da die Anleger an die Argumente glauben, beeinflussen sie auch den Markt."

Karpowitz sieht indes einen anderen Hauptgrund für die seit Monaten erodierenden Dollar-Wert: Die wieder in Schwung kommenden Carry-Trade-Aktivitäten am Markt. Als Carry Trade bezeichnet man ein Geschäft, bei dem ein Investor Geld in einem Land mit niedrigem Zinsniveau ausleiht, dieses dann in die Währung eines Landes mit höherer Verzinsung tauscht und dort anlegt.

"Diese Geschäfte laufen seit Monaten wieder gut", sagt Karpowitz. "Vor allem Hedgefonds sind sehr aktiv geworden." Die Besonderheit: Während früher vor allem Yen für solche Deals entliehen wurden, stürzen sich die Trader laut Karpowitz inzwischen auf die US-Währung. "Der Dollar ist wegen des niedrigen Zinsniveaus der Fed derzeit die Weltfinanzierungswährung schlechthin", so der Fachmann. "Viele Anleger setzen auf den weiter anhaltenden Abwärtstrend des Dollar und verstärken diesen gleichzeitig noch, weil sie immer mehr Geld aus den USA auf den Markt schwemmen."

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