Donnerstag, 2. April 2020

Rekordhoch Selbst die Notenbanken kaufen Gold

2. Teil: Notenbanken stocken auf - allen voran Russland

Verkäufe der Notenbanken eingebrochen - einige stocken schon auf

"Die Zentralbanken haben in den vergangenen Jahren regelmäßig mehrere hundert Tonnen Gold auf den Markt geworfen. Doch selbst die Schweizer Notenbank, die vormals zu den besonders aktiven Verkäufern gehörte, hat jetzt die Bremse gezogen und sich darauf festgelegt, mindestens 1000 Tonnen Gold als Reserve zu behalten", erläutert Schallenberger im Gespräch mit manager-magazin.de. Offenbar sei es für viele Zentralbanker zu einer Frage der Glaubwürdigkeit geworden, entsprechende Reserven zu halten.

Vor allem Russland und China stocken derzeit ihre Goldbestände auf. Während die russische Zentralbank im abgelaufenen dritten Quartal rund 30 Tonnen Gold zugekauft hat, gibt es aus Peking keine offiziellen Zahlen. "Dennoch kann man davon ausgehen, dass China bei Währungsreserven in Höhe von 2 Billionen Dollar nicht ausschließlich auf Staatsanleihen setzt", sagt Schallenberger.

EZB und Frankreich als Goldverkäufer - noch

Doch bereits die Käufe der Notenbanken aus Russland, den Philippinen und Mexiko reichten aus, um die Goldverkäufe aus Frankreich, Deutschland und Schweden überzukompensieren. "Im dritten Quartal traten die Zentralbanken unter dem Strich bereits als Käufer auf dem Goldmarkt auf", fasst der Rohstoffexperte zusammen.

Zu den größten Verkäufern seit Jahresbeginn zählen derzeit noch Frankreich mit rund 60 Tonnen und die EZB mit etwa 33 Tonnen Gold. Dem stehen Käufe der russischen Notenbank von mehr als 70 Tonnen Gold gegenüber. Moskau hat seine Goldreserven inzwischen auf knapp 600 Tonnen aufgestockt.

"Insgesamt sind die Verkäufe der Notenbanken in diesem Jahr dramatisch zurückgegangen", sagt Schallenberger: Waren es im Jahr 2005 noch mehr als 600 Tonnen Gold und im Jahr 2007 noch knapp 500 Tonnen des Edelmetalls, so dürften die Notenbankverkäufe im laufenden Jahr deutlich unter der Marke von 100 Tonnen zurückbleiben. Das ist der niedrigste Stand seit 10 Jahren.

Nach Ansicht der LBBW liefern daher nicht nur die Charttechnik und der Herdentrieb der Investoren Gründe dafür, kurzfristig mit weiter steigenden Goldpreisen zu rechnen. Denn selbst die Notenbanker als Hüter der Währungsstabilität setzen derzeit offenbar verstärkt auf die Krisenwährung Gold.

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