Luftfahrt "Nicht blenden lassen"

Der Flughafenbetreiber Fraport meldet leicht fallende Passagierzahlen und deutet bereits das als Zeichen der Erholung. Zeitgleich warnt der Flugkonzern Lufthansa vor weiteren Einbrüchen, weil bald selbst die deutschen Privatkunden beim Reisen knausern könnten. Tatsächlich dürften die Mahner Recht behalten, sagen Marktbeobachter.

Stuttgart - Die Signale aus der Luftfahrtbranche sind widersprüchlich - aber nur auf den ersten Blick. So meldet der Flughafenbetreiber Fraport , es gehe gut voran mit der Erholung: 4,6 Millionen Passagiere habe man im September gezählt. Das sind zwar 4,7 Prozent weniger als im September 2008, aber nachdem die Passagierzahlen am Jahresanfang um bis zu 13 Prozent eingebrochen waren, ist das eine gute Nachricht. Einerseits.

Andererseits warnt der Vertriebsvorstand der Lufthansa , Thierry Antinori, in einem Mediengespräch, die Talsohle sei noch nicht erreicht. Im Gegenteil, es könnte ein dritter Einbruch folgen, nachdem zuerst die Geschäftsreisenden der großen Konzerne auf viele Flüge verzichtet hatten und dann die aus der mittelständischen Wirtschaft. Er fürchtet, dass sich nun immer mehr Privatkunden ihre Flugreisen sparen.

Viel spricht dafür, dass die Warnungen berechtigt sind. Bereits Ende September hatte Tui Travel  mit seinen Buchungszahlen für den Sommer 2009 geschockt. Ein Minus von 12 Prozent bei der deutschen Kundschaft steht in den Büchern. Und die Wintersaison wird nicht besser. Tui rechnet mit einem Einbruch von 22 Prozent.

Zwar werden derlei Prognosen zunehmend schwieriger, weil die deutschen Urlauber immer später buchen und immer kurzentschlossener in den Urlaub fahren. Daran, dass vor den Winterzahlen aber ein dickes Minus stehen wird, zweifelt in der Branche niemand. Die Deutschen, so die gängige Erklärung, hätten zunehmend Angst um ihre Arbeitsplätze und würden lieber ihr Geld für schlechte Zeiten zusammenhalten als teure Urlaube buchen.

Nur das Tempo der Verschlechterung sinkt

Per-Ola Hellgren, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), gibt nicht allzu viel auf die vermeintlich positiven Zahlen bei Fraport. "Wir sehen hier klassische Basiseffekte", sagt er gegenüber manager-magazin.de. Die absoluten Zahlen lägen immer noch unter dem Vorjahresniveau, weisen also im Vergleich ein Minus auf. Nur das Tempo, mit dem sich das Geschäft verschlechtert, habe sich verlangsamt. Positiv sei das zwar schon, aber: "Davon sollte man sich nicht blenden lassen."

Das beste Beispiel liefert Fraport selbst: Im August stand noch eine viel bessere Zahl auf dem Papier, der Flughafenbetreiber verzeichnete ein Minus von lediglich 0,4 Prozent gegenüber dem August 2008. Allerdings plagte damals ein Streik die Branche. Viele Flüge fielen aus, deshalb brachen schon damals die Passagierzahlen punktuell ein. Aufschlussreicher für das laufende Jahr ist die Gesamtschau der ersten neun Monate 2009. Da ergibt sich ein Rückgang um 6,1 Prozent.

Für das vierte Quartal 2009 erwartet Analyst Hellgren abermals auf den ersten Blick erfreulich klingende Vorjahresvergleiche, die aber nicht allzu viel Wert sein dürften. Denn 2008 setzte genau in diesem Zeitraum der Abschwung der Branche ein. Da fällt es leicht, sich wieder zu steigern.

Erst ab Mitte nächsten Jahres sei mit einer ernstzunehmenden Erholung zu rechnen, glaubt Hellgren. Die werde allerdings langsam ausfallen, die Passagierzahlen dann wohl um 2 bis 3 Prozent wachsen. "Frühestens in der zweiten Hälfte 2011 könnte die Luftfahrtbranche wieder das Niveau von 2007 erreichen", so Hellgrens Prognose.