Geplante Übernahme Deutsche Bank gibt Sal. Oppenheim weiteren Kredit

Die Deutsche Bank ist der geplanten Übernahme von Sal. Oppenheim einen großen Schritt nähergekommen und hat den Gesellschaftern der Privatbank nochmals einen Kredit gewährt.

Frankfurt am Main - Bislang hatte es geheißen, die Deutsche Bank  steige zunächst mit weniger als 50 Prozent bei Sal. Oppenheim ein, bevor das Bankhaus später die Kontrolle anstrebe. "Über alle Optionen wird gesprochen, es ist nichts mehr ausgeschlossen", sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag. Entscheidungen gebe es aber noch nicht. Bis Ende Oktober wird mit einem Abschluss der Verhandlungen gerechnet.

Hintergrund für die neuen Überlegungen könnte sein, dass die Deutsche Bank den Kreisen zufolge weitaus stärker mit Krediten bei Sal. Oppenheim engagiert ist als bislang gedacht. Demnach hat das Geldhaus den Luxemburgern insgesamt Darlehen von mindestens 650 Millionen Euro zur Verfügung gestellt - bekannt sind bislang nur 300 Millionen Euro. Das Geld diene der Kapitalstärkung und zur Ablösung anderer Kredite der Familiengesellschafter, die mit Sal.-Oppenheim-Aktien besichert waren. Im Gegenzug sei jetzt ein Großteil der Oppenheim-Papiere an die Deutsche Bank verpfändet. "Damit ist klar: Die Deutsche Bank wird keinen Rückzieher mehr machen", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Von offizieller Seite gab es keine Stellungnahme.

Sal. Oppenheim musste im vergangenen Jahr erstmals in der Nachkriegsgeschichte einen Verlust verschmerzen. Neben herben Einbußen im Zertifikategeschäft schlugen auch Beteiligungen an Krisenunternehmen wie Arcandor negativ zu Buche. Dies zehrte die Kapitaldecke so stark aus, dass die rund 40 Familiengesellschafter nun die Unabhängigkeit der mehr als 200 Jahre alten Bank opfern müssen. Parallel laufen Gespräche über einen Verkauf des Investmentbankings, an dem die Deutsche Bank kein Interesse hat. Kaufinteressenten sind hier die italienische Mediobanca und die australische Bank Macquarie.

Welchen Einfluss das Kreditengagement der Deutschen Bank bei Sal. Oppenheim auf den Kaufpreis haben wird, bleibt offen. Das "Handelsblatt" spekulierte am Montag, dies könne die Verhandlungsposition der Deutschen Bank verbessern und so den Preis drücken. Andere Insider betonen dagegen, es spiele für die Bewertung am Ende keine Rolle. In Verhandlungskreisen war zuletzt von einem Wert für Sal. Oppenheim - ohne Investmentbanking - von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro die Rede gewesen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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