Milliardenverlust LBBW vor dem Kahlschlag

Die größte deutsche Landesbank rechnet auch für 2009 mit einem Verlust von rund zwei Milliarden Euro, heißt es. LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter wolle die Einsparungen auf 400 Millionen Euro jährlich steigern. Statt 800 Stellen stünden nun bis zu 2000 Jobs zur Disposition - und alle Beteiligungen der Bank auf dem Prüfstand.

Stuttgart - Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet für das laufende Jahre mit einem Verlust von rund zwei Milliarden Euro. Gründe dafür seien die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie Ausfälle durch riskante Immobiliengeschäfte, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Donnerstag in Stuttgart aus Kreisen der Eigentümer der Bank.

LBBW-Vorstandschef Hans-Jörg Vetter habe den Vorsitzenden der Trägerversammlung, Baden- Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), bereits über das erwartete Minus informiert. Ein LBBW-Sprecher sagte lediglich, das geplante Restrukturierungskonzept werde Anfang Oktober vorgestellt.

Der neuerliche Milliardenverlust könnte gravierende folgen für die Träger der Landesbank haben. "Wenn es sich weiter so entwickelt wie das zu befürchten ist, kommen wir um eine weitere Kapitalerhöhung womöglich nicht herum", zitieren die "Stuttgarter Nachrichten" (Freitagausgabe) einen Spitzenbeamten aus dem Umfeld von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Es zeichne sich ab, dass die LBBW "nur einen Teil der Verluste durch Gewinne" wieder erwirtschaften könne. Träger der Landesbank sind das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und die Sparkassen.

Jetzt könnten sogar 2000 Stellen wegfallen

Wie das Blatt weiter berichtet, soll der geplante Stellenabbau nun deutlich höher als bisher bekannt ausfallen. Bislang sei man davon ausgegangen, dass der neue LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter rund 800 der 13. 500 Stellen abbauen will. Nun sei von bis zu 2000 Stellen die Rede.

Obwohl noch drei Monate des Geschäftsjahres ausstehen, sei schon jetzt absehbar, dass die Abschreibung von Planungskosten für nicht realisierte Bauprojekte die Bank stark belasten werde, hieß es. Zudem sei die LBBW gezwungen gewesen, hochdefizitäre Projekte preiswert abzustoßen.

Höhere Risikovorsorge drückt wieder auf die Bilanz

Hinzu kommt, dass die wegen der Krise dramatisch nach oben geschnellte Risikovorsorge die Bilanz des Branchenprimus nach unten drückt. Zahlreiche Unternehmen kämpfen mit den Folgen der Krise, dadurch steigt das Risiko von Insolvenzen und möglicher Kreditausfälle. Die Bank wappnet sich dagegen mit einer höheren Risikovorsorge.

Damit war der Aufwind für den Branchenprimus nur vorübergehend. Nach der Rückkehr in die Gewinnzone zu Jahresanfang hatte die LBBW auch im ersten Halbjahr 2009 noch schwarze Zahlen geschrieben. Allerdings schmolz der Überschuss im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 21 Millionen Euro. Während von Januar bis März unter dem Strich noch ein Gewinn von 236 Millionen Euro stand, waren es im ersten Halbjahr noch 215 Millionen Euro.

Vorstand will jährlich 400 Millionen Euro einsparen

Angesichts dieser Entwicklung hatte der als harter Sanierer geltende Vetter Ende August die Erwartungen gedämpft und einen harten Sparkurs angekündigt. Nach dpa-Informationen will der Vorstandschef pro Jahr 400 Millionen Euro einsparen. Vetter, der im Frühsommer für den lange umstrittenen Vorstandschef Siegfried Jaschinski nach Stuttgart gekommen war, hatte zudem erklärt, es müssten Belastungen eliminiert und schnell die notwendigen Schritte vorgenommen werden.

Im vergangenen Jahr hatte das Geldhaus infolge der Finanzmarktkrise einen Verlust von rund 2,1 Milliarden Euro eingefahren. Danach hatten die Träger dem Institut mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro und Garantien für riskante Wertpapiere in Höhe von 12,7 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen.

Die Hilfen der Träger hat die EU-Kommission bisher nur unter Auflagen genehmigt. Dank der Hilfe stieg die Eigenkapitalquote der Bank deutlich auf 9,4 Prozent. Zuvor war dieser Wert auf gut 6 Prozent zusammengeschmolzen. Die Eigenkapitalquote spiegelt das Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgegebenen Krediten wider.

Sanierungskonzept stellt Beteiligungen komplett auf den Prüfstand

Zur Bedingung für die Hilfen hat die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes gemacht, dass die Bank ein Restrukturierungskonzept vorlegt. Der Plan soll bis Anfang Oktober stehen. Angeblich stellt die Bank dabei ihre kompletten Beteiligungen auf den Prüfstand. Womöglich trennt sich das Institut auch von seiner Immobiliensparte.

Am 1. Oktober sollen Trägerversammlung und Verwaltungsrat über das Konzept befinden. Nach Oettingers Angaben wird es Mitte oder Ende Oktober ein Spitzengespräch mit Kroes geben.

Die LBBW will sich künftig vor allem auf ihr Kerngeschäft mit mittelständischen Unternehmen sowie Privatkunden und Sparkassen konzentrieren. Das risikoreichere Kreditersatzgeschäft soll dagegen abgeschmolzen werden.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen