HRE Erst Verstaatlichung, dann Börsenrückzug

Der Bund will den verstaatlichten Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate nach der vollständigen Übernahme von der Börse nehmen. Mittelfristig soll die Bank aber in den Markt zurückgeführt werden, sagt Soffin-Chef Hannes Rehm. Und dann sollten die Altaktionäre fair behandelt werden.

Berlin - Die Bundesregierung will die krisengeplagte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE)  nach der vollständigen Verstaatlichung rasch von der Börse nehmen. Auf mittlere Sicht soll das Institut, das einst im deutschen Leitindex Dax  gelistet war, aber wieder zurück an den Aktienmarkt.

"Der Staat ist auf Dauer nicht der bessere Banker, sondern nur temporär der bessere Eigentümer", sagte Hannes Rehm, Chef des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin), dem "Handelsblatt" vom Donnerstag. Rehm stellt auch Vorteile für die Altaktionäre der HRE in Aussicht, ohne diese genauer zu quantifizieren. Es gelte, bei der späteren Rückkehr an die Börse Wege zu finden, Altaktionäre fair zu behandeln. "Ich sage dies mit Blick auf das jetzt in der öffentlichen Diskussion stehende Rückkaufsrecht der Aktionäre." Zuletzt hatte die Aktionärsvereinigung DSW ein Rückkaufrecht für Altaktionäre der Bank gefordert.

Über rechtliche Risiken beim geplanten Herausdrängen (Squeeze-out) der letzten Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 5. Oktober ist sich der Soffin-Chef bewusst. "Klagen, die bis zum Verfassungsgericht gehen, sind durchaus möglich", sagte Rehm. Er verteidigte das Angebot an die verbliebenen freien Aktionäre von 1,30 Euro je HRE-Aktie. Man liege über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis, sagte Rehm. "Mit welcher Begründung hätten wir dem Steuerzahler sagen sollen, dass er mehr Geld für eine Bank ausgeben soll, die nach Bewertungsgutachten keinen Cent mehr wert ist? Ich sehe keine."

Die Hypo Real Estate will die Kleinaktionäre mit der Abfindung von 1,30 Euro aus dem Unternehmen drängen. Derzeit hält der Staat 90 Prozent an dem Münchner Institut, das vor einem Jahr mehrfach vor dem Aus stand und mit finanziellen Hilfen von rund 100 Milliarden Euro am Leben gehalten wird.

manager-magazin.de mit Material der Nachrichtenagenturen