Rückkehr der IPOs Lockruf der Börse

Nach zwei Jahren Flaute zeichnen sich in Deutschland wieder die ersten großen Börsengänge ab. Wegbereiter könnte der größte deutsche Baukonzern Hochtief werden, der Finanzkreisen zufolge auf eine Platzierung seiner milliardenschweren Flughafensparte zusteuert.

Frankfurt am Main - Ein Börsengang wäre bis Ende des Jahres machbar, zitierte die Nachrichtenagentur reuters am Dienstag mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Hochtief  habe bereits eine Reihe von Banken in die engere Wahl gezogen. Noch größer könnte der Börsengang des Chemikalienhändlers Brenntag in der ersten Jahreshälfte 2010 ausfallen, der dem Finanzinvestor BC Partners gehört.

Insgesamt sollten alte und neue Brenntag-Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro platziert werden, hieß es in den Kreisen. Das wäre der größten Börsengang seit dem Dieselmotorenhersteller Tognum, der Mitte 2007 rund zwei Milliarden Euro einsammelte.

"Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren", zitierte die Agentur einen Insider. Eine Mandatierung von Banken noch in diesem Jahr sei wahrscheinlich, Investmentbanken seien bereits angesprochen worden. Am Ende nach Börsengang und Kapitalerhöhung werde BC Partners wohl weniger als 50 Prozent an Brenntag halten. Der Finanzinvestor hatte den Chemikalienhändler 2006 für mehr als drei Milliarden Euro gekauft.

"Im ersten Halbjahr 2010 könnten wir eine regelrechte IPO-Welle in Deutschland erleben", sagt Joachim von der Goltz, der das Kapitalmarktgeschäft von JP Morgan im deutschsprachigen Raum leitet. Das eine oder andere Unternehmen sei technisch darauf vorbereitet, sogar noch in diesem Jahr den Sprung zu wagen.

Seit Ausbruch der Finanzkrise hat nahezu keine Firma in Deutschland mehr den Gang aufs Börsenparkett gewagt.

Die Krise ließ den Marktwert vergleichbarer börsennotierter Unternehmen dahinschmelzen, so dass die Neulinge keine guten Preise durchsetzen konnten. In den vergangenen Monaten machten die nervösen Investoren um Aktien unbekannter Unternehmen einen großen Bogen. Mittlerweile haben sich die Kurse aber wieder kräftig erholt.

Im am strengsten regulierten Segment Prime Standard war das inzwischen im TecDax  gelistete Solartechnikunternehmen SMA Solar im Juni 2008 der letzte Börsengang. In diesem Jahr gingen bisher nur zwei kleinere Unternehmen in den Entry Standard, der mit geringeren Veröffentlichungspflichten lockt.

IPO-Welle 2010?

Am 1. Oktober will die chinesische Vtion Wireless Technology nach zwei Jahren einen zweiten Anlauf zum Börsengang im Prime Standard nehmen, wie aus dem am Montagabend veröffentlichten Angebotsprospekt hervorgeht. Doch der Hersteller von Mobilfunk-Datenkarten, die das Abrufen von E-Mails oder das Surfen im Internet von unterwegs ermöglichen, ist mit einem Umsatz von 38,2 Millionen Euro in den ersten acht Monaten des Jahres und 150 Mitarbeitern ein kleiner Fisch. Der Umsatz von Brenntag stieg seit der Übernahme durch BC Partners dagegen von 5,3 Milliarden auf 7,4 Milliarden Euro.

Private-Equity-Firmen kommen wegen der Finanzkrise kaum noch an Kredite zur Finanzierung neuer Übernahmen. Damit sind größere Weiterverkäufe an andere Finanzinvestoren praktisch unmöglich. Die Beteiligungshäuser sind daher darauf angewiesen, dass die jüngste Erholung der Aktienmärkte Börsengänge wieder möglich macht.

BC Partners hat noch andere Börsenkandidaten im Portfolio, etwa die Kabelfirma Unity Media. Hier seien die Bewertungen vergleichbarer Firmen aber noch nicht zufriedenstellend, zitierte die Agentur eine mit den Plänen vertraute Person. Brenntag werde daher vor Unity Media an die Börse kommen. Von offizieller Seite gab es keinen Kommentar.

Hochtief hatte im August erklärt, "strategische Optionen" für den Bereich Concessions zu prüfen, darunter einen Gang auf das Börsenparkett. Hochtief wolle aber eine Mehrheit behalten.

Zu der Sparte gehören neben den Flughafenbeteiligungen auch die mit der öffentlichen Hand betriebenen Projekte wie Mautstraßen.

Den Gesamtwert des Portfolios hatte Hochtief mit 1,54 Milliarden Euro beziffert. Ein Hochtief-Sprecher wollte sich zu konkreten Überlegungen nicht äußern.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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