EU-Studie Schlechte Noten für europäische Banken

Komplizierte Preise, versteckte Gebühren und unklare und unvollständige Informationen - die Beratung europäischer Banken lässt ziemlich zu wünschen übrig. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der EU. Und in Deutschland werden die Kunden zudem deutlich stärker zur Kasse gebeten als in vielen anderen Ländern.

Brüssel - In Deutschland seien die Gebühren für ein Konto im EU-Vergleich überdurchschnittlich hoch, geht aus der Untersuchung hervor, die die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel vorstellte. Bei Information und Beratung ihrer Privatkunden liegen die deutschen Banken demnach nur im Mittelfeld.

"Die Banken lassen ihre Kunden im Stich", kritisierte EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva in einer Mitteilung. Oft könnten die Kunden nur auf Nachfrage die Kosten für die Kontoführung erfahren. Besonders die Angaben der Banken im Internet seien für die Verbraucher undurchsichtig.

Bei den Kosten für die Kontoführung belegt Deutschland laut der Studie den neunten Platz. Im Schnitt kommen auf den Verbraucher in Deutschland jährlich 89 Euro an Kosten für ein Konto zu, hieß es in dem Bericht. Am teuersten ist demnach die Kontoführung in Italien (253 Euro), gefolgt von Spanien (178 Euro). Die niedrigsten Gebühren gebe es in Bulgarien mit 27 Euro.

Österreich und Frankreich ernten am meisten Kritik in Sachen Transparenz und Einfachheit bei der Ermittlung der Kosten. Bei 66 Prozent aller untersuchten Banken sind dem Bericht zufolge die Gebühren derart undurchsichtig gewesen, dass die Experten zusätzliche Informationen einholen mussten, um die tatsächlichen Kosten zu ermitteln.

"Es gibt zahlreiche Hinweise, dass grundlegende Prinzipien des Verbraucherschutzes verletzt werden - angefangen bei komplizierten Preisen bis hin zu versteckten Gebühren und unklarer sowie unvollständiger Information", bemängelte Kuneva. Nur wenige Kunden - lediglich neun Prozent - wechselten 2007 und 2008 ihre Bank, hieß es in dem Bericht.

Problematische Provisionszahlungen

Fast jeder dritte Bankkunde sah sich außerstande, Angebote zu Girokonten zu vergleichen. Verbraucher beklagten, in dicken Packen kleingedruckter Informationen die wesentlichen Angaben nicht finden zu können. Statt in übersichtlichen Preislisten präsentierten Banken die Kosten in unverständlichem Fachchinesisch.

Je transparenter die Preispolitik der Banken sei, um so geringer seien die Gebühren, sagte ein Kommissionsexperte. Die Jahreskosten für ein Girokonto reichten von 27 Euro in Bulgarien bis 253 Euro in Italien. Mit sieben Prozent wagten in Deutschland noch weniger Kunden als im EU-Schnitt einen Kontowechsel. Die meisten von ihnen konnten dabei Geld sparen.

Die EU-Kommission beanstandete auch eine unzureichende Beratung der Kunden. Wegen der Provisionszahlungen für die Vermittlung bestimmter Produkte bekämen die Kunden oft nicht die bedarfsgerechte Finanzanlage. Nach einer Studie im Auftrag des deutschen Verbraucherschutzministeriums kündigen 50 bis 80 Prozent der Kunden in Deutschland ihre Finanzanlage vorzeitig, weil sie falsch beraten worden seien. Der jährliche Schaden sei auf 20 bis 30 Milliarden Euro geschätzt worden.

Die EU-Kommission wertete nationale Umfragen aus und nahm sich die Angebote von 224 Banken in der EU vor, die rund 80 Prozent des Marktes abdecken. Bei zwei Dritteln der überprüften Banken war es nicht möglich, vollständige Preisinformationen im Internet zu finden. Manche Banken weigerten sich sogar, telefonisch angeforderte Preislisten zu verschicken.

Eine Gesetzesverschärfung plant EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy dennoch nicht. Zunächst müssten die geltenden Regeln umgesetzt werden, hieß es in der Kommission. Auch Preisobergrenzen für die Banken seien nicht geplant. Bis Weihnachten will die Brüsseler Behörde bei den Mitgliedstaaten auf Nachbesserungen dringen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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