Commerzbank Comdirect-Chef Weber greift Konzernchef Kohlhaussen an

Der Chef der Commerzbank-Tochter, Bernt Weber, hat den Mutterkonzern wegen der jüngsten technischen Pannen scharf kritisiert. Eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz schürte Gerüchte über eine Kooperation mit T-Online.

Frankfurt am Main - Weber kritisierte Konzernchef Kohlhaussen mit Blick auf den geplanten Börsengang von Comdirect. Nach Webers Angaben soll der Börsenstart "im zweiten Quartal, auf jeden Fall aber nach T-Online" stattfinden. "Ich sehe unseren Börsenwert nicht wie von Herrn Kohlhaussen geschätzt bei 15 bis 17 Milliarden Mark. Wir sind ganz gut bewertet, wenn man die Eins vor diesen Schätzungen weglässt", so Weber im Anlegermagazin "Die Telebörse".

Zugleich räumte er massive technische Probleme ein, die in den vergangenen Wochen mehrere tausend Comdirect-Bank-Kunden verprellt hätten. "Wir wurden von unserem eigenen Erfolg überrollt und tun alles, um die derzeitigen Engpässe zu beseitigen", sagte Weber zu den Pannen. Er forderte die Konzernmutter auf, in eine bessere technische Ausstattung bei Comdirect zu investieren. Schließlich wickle die Internet-Tochter inzwischen 60 Prozent der Wertpapiergeschäfte des Konzerns ab.

Eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz der Commerzbank schürte derweil Gerüchte über eine Kooperation mit T-Online. Offiziell hieß es am Mittwoch, der für das Privatkundengeschäft zuständige Commerzbank-Vorstand Norbert Käsbeck werde am Donnerstag über "neue Entwicklungen" berichten.

Weber erklärte, Comdirect werde ins Ausland expandieren. Die Bank werde noch im ersten Halbjahr in Frankreich einsteigen, im zweiten Halbjahr in England und Italien, sagte Weber.