Klaus Kaldemorgen "Die Tui AG macht keinen Sinn mehr"

Klaus Kaldemorgens Wort hat Gewicht. Nun hat sich der Fondsmanager in einem Interview die im MDax notierte Tui vorgeknöpft. Das Urteil des DWS-Chefs: Die Reise- und Logistikholding ist zu einem reinen "Versorgungsmodell für Vorstand und Aufsichtsrat" geworden.

Frankfurt am Main - "Man muss es so deutlich sagen: Die Tui  macht keinen Sinn mehr", sagte Kaldemorgen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ, Dienstagausgabe). Sie sei als Holding der operativen Gesellschaften Tui Travel  und Hapag-Lloyd "nur noch Kapitalhalter, hoch verschuldet und mit negativem Cashflow".

Für den Sprecher der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft DWS ist Tui demnach nur noch "ein riesiger Hebel auf die Verschuldung von Hapag-Lloyd". Kaldemorgen in der "FAZ" weiter: "Wenn Tui heute komplett alle Schulden zurückzahlen müsste, bliebe den Aktionären nichts mehr übrig - außer dem Kredit von 1,5 Milliarden Euro, den sie Hapag-Lloyd gegeben haben."

Die von der Politik nun gewährte Milliardenbürgschaft für die Reederei ist für Kaldemorgen vor allem ein "Schutzschirm über Tui und deren Vorstand". Für Tui-Chef Michael Frenzel hat der Fondsmanager dann auch alles andere als ein Lob parat. "Das Geschäftsmodell ist meines Erachtens nicht nachhaltig. Das wird vielleicht bis 2011 oder 2012 funktionieren", so Kaldemorgens Prognose.

Als weiteres Problem sieht der DWS-Primus, dessen Fondsgesellschaft keine Tui-Aktien, aber "ein kleineres Engagement in Tui-Anleihen" hält, in der fehlenden Distanz zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. "Da hat sich eine Art Schicksalsgemeinschaft gebildet", so Kaldemorgen auf die Frage nach der Zusammenarbeit von Tui-Chef Frenzel und seinem Chefaufseher Jürgen Krumnow, seines Zeichens ehemaliges Vorstandsmitglied der DWS-Mutter Deutsche Bank . Die Tui sei ein "Versorgungsmodell für den Vorstand und den Aufsichtsrat".

Und wie soll es aus Kaldemorgens Sicht nun weitergehen? "Das Beste wäre, Hapag-Lloyd an die Börse zu bringen. Eine Reederei würde dem deutschen Aktienmarkt gut zu Gesicht stehen", schlägt Kaldemorgen vor. Allerdings glaubt der DWS-Fondsmanager offenbar selbst nicht so recht an ein Einlenken des "Meisters der Netzwerke" (Kaldemorgen über Frenzel) und befürchtet bei Tui Parallelen zum Fall Arcandor . "Am Ende ist nichts mehr da; da sind nur noch Schulden und kaum noch Vermögenswerte."

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