Josef Ackermann "Licht am Ende des Tunnels", die Zweite

Selbstironie auf der Bankertagung: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ruft das nahe Ende der Finanzkrise aus - wortgleich wie vor einem Jahr, kurz vor der Lehman-Pleite. Der Branchenprimus will sich auf den Heimatmarkt besinnen und mahnt stärkere Risikokontrolle an.

Frankfurt am Main - "Ich sehe für die Finanzmärkte ein Licht am Ende des Tunnels", sagte Ackermann am Dienstag bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch". Er erinnerte jedoch auch selbst daran, dass er das Gleiche bereits bei der Tagung vor einem Jahr gesagt hatte und eine Woche später die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach. Gewisse Dinge könne man nicht voraussehen, sagte er.

Die Deutsche Bank  wolle im Inland weiter wachsen. "Wir müssen im Heimatmarkt alles tun, um den Marktanteil zu erhöhen", sagte Ackermann. "Denn am Schluss ist der Heimatmarkt immer die Grundlage des Erfolgs auf globaler Ebene." Die größte deutsche Bank hatte ihre Geschäfte in Deutschland in den vergangenen Jahren mit mehreren kleineren Zukäufen gestärkt.

Viele Banken hätten in der Finanzkrise Probleme bekommen, weil sie angesichts zu geringer Renditemöglichkeiten in ihrem Herkunftsland riskante Investitionen im Ausland gemacht hätten. Mit dem Einstieg bei der Postbank  und der angestrebten Beteiligung an der Privatbank Sal. Oppenheim sei die Deutsche Bank schon auf einem guten Weg, ihren Marktanteil in Deutschland auszubauen. Bei Sal. Oppenheim prüfe die Deutsche Bank derzeit die Bücher, sagte Ackermann. In den nächsten Wochen werde das Institut ankündigen, welches die nächsten Schritte seien.

Finanzkreisen zufolge ist die Deutsche Bank zunächst am Kauf von Anteilen in einer Größenordnung von 30 bis knapp unter 50 Prozent interessiert. Später sei eine Mehrheitsübernahme wahrscheinlich. Die Deutsche Bank interessiert sich vor allem für das Geschäft mit reichen Privatkunden von Sal. Oppenheim.

Europäische Banken fallen hinter amerikanische zurück

Ackermann forderte von Regierungen und Aufsichtsbehörden deutlich schärfere Kapitalauflagen für Banken. Die Kernkapitalquote der Banken sollte bei mindestens 8 Prozent liegen, sagte er. Derzeit liegt die Vorgabe der Aufsicht bei 4 Prozent. Die Märkte fordern derzeit aber schon deutlich mehr Eigenkapital im Verhältnis zur Kreditsumme. Die Deutsche Bank hatte zuletzt eine Kernkapitalquote von mehr als 11 Prozent.

"Wir werden unsere Risikodisziplin nicht aufgeben", sagte Ackermann. Dabei lasse sich die Bank von den Finanzmärkten nicht unter Druck setzen. Es werde sicher bald wieder einige geben, die im Investmentbanking deutlich höhere Erträge forderten. "Wir machen aber das, was sich in der Krise als falsch erwiesen hat, am Ende nicht wieder neu auf", betonte der Schweizer. Dazu zähle vor allem das Geschäft mit der Finanzierung großer Übernahmen durch Finanzinvestoren, das der Deutschen Bank Abschreibungen in Milliardenhöhe eingebrockt hat.

Ackermann hat in der Krise massiv Risikopositionen abgebaut und große Teile des Eigenhandels auf Null zurückgefahren. Im ersten Halbjahr brummte das Investmentbanking wieder, was der Deutschen Bank Milliardengewinne bescherte. Erste Finanzexperten fordern nun einen Ausbau der riskanten Geschäfte, um die Gewinne weiter zu steigern. Ackermann hat die mangelnde Lernfähigkeit einiger Investoren bereits mehrfach beklagt.

Die europäischen Banken fallen nach Einschätzung von Ackermann hinter die amerikanischen zurück. "Die amerikanischen Banken werden meines Erachtens gestärkt aus der Krise herausgehen", sagte er. Es habe große Fusionen gegeben. In Europa seien dagegen die schwachen Banken vom Staat gestützt worden: "Wir sind eigentlich heute da, wo wir vor der Krise waren." Letztlich seien die europäischen Banken künftig mit größeren und stärkeren Banken konfrontiert.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters