Leistungsbilanz Exporte legen deutlich zu

Der kräftige Anstieg der deutschen Ausfuhren hat sich auch im Juli fortgesetzt. Der Außenhandel könnte damit im dritten Quartal den Aufschwung stützen. Befürworter des Wirtschaftsmodells Exportweltmeister sehen sich bestätigt - es geht auch ohne starke Inlandsnachfrage.

Frankfurt am Main - Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, stiegen die Exporte gegenüber den Vormonat saisonbereinigt um 2,3 Prozent an, während die Importe nahezu unverändert blieben. Der Handelsbilanzüberschuss belief sich nicht-saisonbereinigt auf 13,9 Milliarden Euro.

Bereits im Juni hatte die Ausfuhren um 6,1 Prozent angezogen, sodass sich zusammen mit dem Plus von 0,2 Prozent im Mai ein seit drei Monaten anhaltender Ausfuhranstieg ergibt. "Die Erholung geht weiter", kommentierte Carsten Brzeski, Volkswirt bei der ING Bank, den Ausweis. Nach dem Auslaufen der Pkw-Abwrackprämie hätte es keinen besseren Zeitpunkt für eine Wiederbelebung der Exportwirtschaft geben können, fügte er hinzu. Dass sich die deutsche Exportwirtschaft binnen weniger Monate von einer Belastung zu einem Segen gewandelt habe, sollte alle Kritiker des "deutschen Wirtschaftsmodells" verstummen lassen. Brzeski verwies darauf, dass rund 12 Prozent der deutschen Ausfuhren in die schnell wachsenden asiatischen Schwellenländer gingen.

Bereits im zweiten Quartal hatten die Nettoexporte einen positiven Wachstumsbeitrag von 1,7 Prozentpunkten geliefert. Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe geht davon aus, dass die Exporte weiter steigen werden. "Ich glaube, dass es in den nächsten Monaten weiter aufwärts gehen wird, weil die Konjunkturpakete weltweit Schwung geben", sagte er. Das sei auch noch für das vierte Quartal zu erwarten. Gleichwohl stelle sich die Frage, wie nachhaltig der Aufschwung nach Auslaufen der Konjunkturpakete 2010 sein werde. Er glaube, dass der Aufschwung schwach bleiben werde und die Kapazitäten stark unterausgelastet.

Wie die Statistiker weiter mitteilten, wurden im Juli Waren im Wert von 70,5 Milliarden Euro ausgeführt. Der Wert der Einfuhren belief sich auf 56,6 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte lagen damit im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18,7 Prozent niedriger und die Importe um 22,3 Prozent.

Zusammen mit den Salden für Dienstleistungen (minus 3,3 Milliarden Euro), Erwerbs- und Vermögenseinkommen (plus 4,3 Milliarden Euro), laufende Übertragungen (minus 2,7 Milliarden Euro) sowie Ergänzungen zum Außenhandel (minus 1,2 Milliarden Euro) schloss - nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank - die Leistungsbilanz im Juli mit einem Überschuss von 11,0 Milliarden Euro ab. Ökonomen hatten ein Plus von 10,0 Milliarden Euro prognostiziert.

In den ersten sieben Monaten des Jahres betrug der Wert der Ausfuhren 461,8 Milliarden Euro, während das Volumen der Einfuhren auf 390,1 Milliarden Euro beziffert wurde. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum lagen die Exporte damit um 22,6 Prozent niedriger. Die Importe fielen um 18,4 Prozent. Der kumulierte Außenhandelsüberschuss belief sich im Zeitraum Januar bis Ende Juli auf 71,7 Milliarden Euro, für die Leistungsbilanz wurde ein Wert von plus 54,3 Milliarden Euro ausgewiesen.

Der Leistungsbilanzüberschuss in Japan indes ist im Juli kräftig gesunken. Er sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,4 Prozent auf 1,266 Billionen Yen (13,6 Milliarden Dollar) zurückgegangen, teilte die Regierung am Dienstag in Tokio mit. Ökonomen hatten für die zweitgrößte Volkswirtschaft mit einem geringeren Rückgang von lediglich 7,3 Prozent gerechnet.

Der heftige Exporteinbruch und der Höhenflug des Yen hatten der japanischen Volkswirtschaft im Januar erstmals seit 13 Jahren ein Defizit in der Leistungsbilanz gebracht. Die Leistungsbilanz setzt sich aus dem Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie den Einnahmen aus Investitionen und anderen Kapitaltransfers zusammen.

manager-magazin.de mit Material von dow jones und dpa-afx

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