Versicherungen Der kleine Preis von Monte Carlo

Das jährliche Treffen mit den Rückversicherungen ist für die Erstversicherer glimpflich ausgegangen. Trotz der Krise müssen sie kaum höhere Risikokosten tragen - vor allem, weil sie dazu kaum in der Lage wären. Nebenbei verabschiedete sich die Münchener Rück in Monte Carlo von ihrem Namen.

Monte Carlo - Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück  setzt künftig weltweit auf seinen englischen Markennamen "Munich Re". Der deutsche Kurzname Münchener Rück, der hierzulande fast 30 Jahre lang die Briefbogen schmückte, ist ab sofort Geschichte, wie das Unternehmen am Sonntag beim Rückversicherertreffen "Rendez-vous de Septembre" in Monte Carlo mitteilte. Bei den Preisen im Rückversicherungsgeschäft, um die es bei dem Treffen eigentlich geht, vermisst die Münchener Rück infolge der Wirtschaftskrise unterdessen noch immer den erhofften Anstieg. Nun will sich der Dax-Konzern mit einem ausgeweiteten Beratungs- und Dienstleistungsangebot von seinen Mitbewerbern absetzen.

In Monte Carlo sprechen Erst- und Rückversicherer jedes Jahr über die Bedingungen, die bei der großen Erneuerung der Rückversicherungsverträge ab dem nächsten Jahreswechsel gelten sollen. Die Erstversicherer wollen einen Teil ihrer Versicherungsrisiken an Rückversicherer abgeben, zu möglichst niedrigen Preisen. Die Rückversicherer wollen zwar Geschäft machen, aber dabei auch möglichst hohe Margen erzielen.

In den vergangenen zwölf Monaten hat die Wirtschafts- und Finanzkrise die Preise im Rückversicherungsgeschäft bei Weitem nicht so stark ansteigen lassen wie erwartet. "Wir rechnen eher mit einer Seitwärtsbewegung", sagte Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek. Weil die Menschen weniger Geld für Versicherungen ausgäben, seien die Erstversicherungspreise unter Druck. Darunter litten auch die Rückversicherer.

In manchen Bereichen konnte die Branche aber auch höhere Tarife durchsetzen: etwa bei der Versicherung gegen Naturkatastrophen oder in der von der Krise gebeutelten Kreditversicherung und der Managerhaftpflicht. Bei der anstehenden Vertragserneuerung setze die Münchener Rück auf Rentabilität, nicht auf Masse, sagte Jeworrek.

Die wirkliche Herausforderung sieht der Manager allerdings nicht in der Preisentwicklung. Rückversicherer müssten sich vielmehr mit Bilanzmanagement, der Deckung komplexer Risiken und damit auseinandersetzen, neue Risiken versicherbar zu machen. Die Übernahme eines klassischen Rückversicherers schloss Jeworrek aus. Wenn der Konzern ein anderes Unternehmen kaufe, müsse dieses das Geschäftsfeld inhaltlich erweitern und nicht nur zusätzliches Volumen bringen.

Swiss Re zeigt sich optimistisch

Um ihre Kundenbasis zu verbreitern, will sich die Münchener Rück künftig stärker als Berater profilieren und sich verstärkt in ungewohnte Geschäftsfelder vorwagen. Dazu zähle etwa die Risikoeinschätzung für Bauprojekte, aber auch Beratung zu den Eigenkapitalvorschriften im Zuge des Regelwerks "Solvency II".

Dabei sollen alle Dienstleistungen im Rückversicherungsgeschäft künftig unter dem Namen Munich Re vermarktet werden. Nur der im Zuge der Krise übernommene US-Spezialversicherer Hartford Steam Boiler (HSB) soll frühestens in zwei Jahren unter die Marke "Munich Re Risk Solutions" schlüpfen. Die juristischen Unternehmensnamen blieben jedoch unverändert. So heißt die Munich Re im Handelsregister weiterhin Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG.

Ein Händler wertete die Aussagen von dem Rückversicherertreffen in Monte Carlo als "leicht negativ". Die meisten Analysten erwarteten stabile bis etwas höhere Rückversicherungspreise.

Der schweizerische Rückversicherer Swiss Re  zeigt sich optimistisch. "Wir beobachten einen breiten Aufwärtstrend in der gesamten Rückversicherungstarifierung, obschon diese Entwicklung je nach Sparte beträchtlich variiert", sagte Michel Liès, Leiter Client Markets.

In der Haftpflicht-, Unfall- und Kraftverkehrsversicherung (HUK) sieht der Manager noch Anpassungsbedarf. "Während sich die Prämiensätze in den Sachsparten verbessern, müssen sich jene in den Long-Tail-Segmenten - insbesondere im HUK-Bereich - noch an das tiefere allgemeine Zinsumfeld anpassen", fügte Liès hinzu. In diesen Segmenten würden die jahrelange Erosion des Prämienniveaus und die erwarteten Schadentrends noch nicht angemessen reflektiert. Swiss Re werde Kapazität daher weiterhin vor allem für die profitableren Sachsparten bereitstellen, erläuterte der Manager.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und dow jones